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Christ und Naturwissenschaftler – Replik auf Lowl3vel

In seinem Blogbeitrag »Christ und Naturwissenschaftler – Geht das?« kam Lowl3v3l neulich zu dem Schluß, daß das eben nicht gehe. Man könne nicht gleichzeitig Christ und Naturwissenschaftler sein, »denn wir haben noch keinen Gott belegen können, garnicht, womit man aus naturwissenschaftlicher Sicht diesen nicht annehmen darf.«

Zu diesem Beitrag habe ich einen Kommentar hinterlassen, den Lowl3v3l aber nicht freischalten mag – offenbar, weil der Inhalt nicht gefällt. Ihr könnt meinen Kommentar daher hier nachlesen:

Ähm, nein. Du machst gleich zu Anfang einen grundlegenden Denkfehler. Und ex falso quod libet.

Als Naturwissenschaftler beobachte und messe ich solche Dinge und Vorgänge, die ich beobachten und messen kann – natürliche Dinge eben. Soweit sind wir uns sicher einig. Übernatürliche Dinge und Vorgänge kann ich so nicht erfassen, denn Übernatürliches entzieht sich per definitionem natürlichen Meßverfahren. Daraus aber zu schlußfolgern, daß es gar nichts Übernatürliches gibt, wäre verfehlt. Und genau hier steckt dein Denkfehler. Denn auch die Nichtexistenz von Übernatürlichem läßt sich mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht nachweisen. Über Übernatürliches kann ich als Naturwissenschaftler schlicht und ergreifend gar keine Aussage treffen. Sondern ich muß erkennen und anerkennen, wo die prinzipiellen Grenzen der Naturwissenschaften liegen. Sie beschäftigen sich mit einer Teilmenge der Realität. Ob es sich dabei um eine echte Teilmenge handelt oder nicht, läßt sich naturwissenschaftlich nicht ermitteln.

Bin ich Christ, habe ich eine weitere Erfahrungsebene: Ich kenne die Erfahrung einer persönlichen Beziehung zu diesem Gott, der sich in der Bibel vorstellt. Ich erlebe, wie Gott Gebet hört, wie er antwortet, wie er mich führt und mir hilft. Mit naturwissenschaftlichen Methoden sind diese Erfahrungen aus prinzipiellen Gründen (siehe oben) natürlich nicht nachweisbar – aber auch nicht widerlegbar. Das ist eben eine ganz andere Ebene. Da kann ich nur sagen: Es ist so. Und: Probier’s halt aus!

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Katholik und Nichtpiratenwähler – eine Antwort

Heute erhielt ich die E-Mail eines Berliners, der die Piratenpartei bei der Abgeordnetenhauswahl am 2011-09-18 nicht gewählt hatte. Grund war, was die Berliner Piraten zur Religion plakatiert und im Kaperbrief Nr. 7 formuliert hatten. Tobias ist Katholik und hat nach der Wahl einem der frischgebackenen Landtagsabgeordneten, Pavel Mayer, eine Stellungnahme geschrieben. Nun wollte er von mir wissen, was ich als »engagierter Christ« (wenn auch Freikirchler) davon halte.

Da meine Meinung vielleicht auch euch interessiert, habe ich sie hier aufgeschrieben:

Ja, ich sehe vieles genauso wie Tobias, und damit bin ich in der Piratenpartei ganz sicher nicht mehrheitsfähig. Ja, das macht mir Bauchschmerzen! Ja, ich verstehe es sehr gut, daß er die Piraten aus genau diesem Grund nicht gewählt hast! Ich war selbst bereits an dem Punkt, über einen Austritt nachzudenken. Denn es tut weh, wenn andere den ablehnen, der für mich Kern meiner Existenz und Dreh- und Angelpunkt meines Lebens ist: Jesus Christus. Warum ich dennoch in der Piratenpartei geblieben bin, steht hier.

Der Argumentation gegenüber Pavel Mayer kann ich mich durchweg anschließen. Mit zwei kleinen Unterschieden:

  • Ich sehe auch den Glauben an keinen Gott als eine Art Religion an oder – bevor die Atheisten jetzt aufschreien – als eine Weltanschauung. Der Atheist darf gern Atheist bleiben und sich dazu bekennen, wenn er es möchte. Das ist sein gutes Recht – auch wenn ich es inhaltlich bedauerlich finde – vor allem für ihn selbst. Mehr dazu habe ich in »Piraten und Religion« geschrieben.
  • Die Angabe der Religionszugehörigkeit gegenüber dem Finanzamt mag derzeit nur ein Merkmal zur Einziehung der Kirchensteuer sein. Es muß aber keinesfalls dabei bleiben. Wir sehen ja das massive Bestreben des Staates, immer mehr Daten zusammenzuführen, zu zentralisieren und über ihren eigentlichen Zweck hinaus zu nutzen. Das lehnen wir Piraten natürlich ab.

Als Freikirchler finde ich keine einzige Partei, bei der ich mich in Sachen Glauben heimisch fühlen könnte. Okay, da gibt es ein paar dediziert christliche Parteien weit, weit unterhalb der Ein-Prozent-Marke. Die dienen aber meines Erachtens nur der Beruhigung des christlichen Gewissens, »richtig« gewählt zu haben. Eine Chance zur Einflußnahme in unserer Gesellschaft haben sie aber nicht, jedenfalls nicht als Partei. Daß Christen durch das Gebet viel bewirken können, steht auf einem anderen Blatt. Hier steckt weit mehr Potential, als viele – auch viele Christen – für möglich halten.

Eine Partei ist keine Gemeinde. Parteien (plus Nichtwähler) sind ein Spiegel unserer nachchristlichen Gesellschaft. Dort irgendwo eine geistliche Heimat zu finden, erwarte ich daher gar nicht erst. Wenn viele in der Piratenpartei dem Glauben der Christen oder der Religion insgesamt kritisch gegenüberstehen und das deutlich artikulieren, dann ist das ist immerhin ehrlich. Und Ehrlichkeit ist das, was ich an den Piraten schätze!

Auch wenn ich in Fragen des Glaubens nicht mit der Flotte fahre, sondern im eigenen Segelboot gegen den Wind kreuze, so gibt mir das Dabeibleiben auf Sichtweite (und nur dies) die Möglichkeit, Flagge zu zeigen. Wie sollten Piraten denn sonst erfahren, wie Christen wirklich sind und was ihnen wichtig ist, wenn nicht durch Menschen, die dabei sind, ihren Glauben leben und das Maul aufmachen? Ohne Christen in der Piratenpartei blieben ja all die kruden Ansichten unwidersprochen, die manche über Religion im allgemeinen und über das Christsein im besonderen haben! Ach ja, und auch die Bedeutung des Rechts auf Religionsfreiheit nach Artikel 4 GG muß man dem einen oder anderen noch verklickern und zum Beispiel erläutern, daß es bei Religionsfreiheit nicht darum geht, in der Öffentlichkeit nicht durch Religion behelligt zu werden.

Nun, wenn die Piratenpartei schon keinen Gebetskreis gründet, so können Nichtchristen und Christen dennoch gemeinsam an der einen oder anderen Stelle die Welt ein Stückchen besser machen. Nach dem Wahlerfolg in Berlin werden wir gerade von den Medien überrannt und von der Öffentlichkeit und den übrigen Parteien endlich wahr- und ernstgenommen. Das verbessert unsere Chancen, einen neuen Stil in die Politik zu bringen: mit Ehrlichkeit, Sachlichkeit, Transparenz und Bürgerbeteiligung.

(Hm, und warum sollten Piratenchristen eigentlich keinen Gebetskreis gründen? Mit Mumble wär’s ja möglich.)

Update (2011-10-02): Tobias mit erlaubt, seinen Namen zu nennen. Und er hat seinen Text online gestellt, so daß ich ihn (den Text) verlinken konnte.

Piraten und Religion

Um das Thema »Piraten und Religion« ging es am 23. Dezember im Dicken Engel.

Dicker Engel

Wer den Dicken Engel noch nicht kennt: Das ist eine virtuelle Kneipe, in der regelmäßig Mitglieder der Piratenpartei und gelegentlich auch andere Menschen herumhängen. Sie ist virtuell, weil man nur per Internet hineinkommt und Computer und Headset braucht, um mit den anderen zu schwatzen. Ja, und die Software Mumble braucht man auch. Mehr dazu auf der Seite des Dicken Engels im Piratenwiki.

Donnerstags gibt es immer einen Themenabend mit Referenten, Vortrag und Diskussion. Und für den 23. Dezember schien ob der zeitlichen Nähe zu Weihnachten ein religiöses Thema angebracht. Offenbar bin ich in der Piratenpartei als religiöser Mensch bekannt. Jedenfalls habe ich mich über die Anfrage als Referent sehr gefreut.

Hier mein Vortrag:

Weihnachten

Folgt man den typischen Disney-Weihnachtsfilmen, so besteht Weihnachten vor allem aus folgenden Zutaten: Santa Claus, Nordpol, Elfen, Spielzeug, Schlitten, Rentieren (inkl. dem rotnasigen Rudolph), geschmücktem Weihnachstbaum, Geschenken, strahlenden Kinderaugen, glücklichen Erwachsene, heilen Familie (jedenfalls am Schluß eines Films) und gutem Essen. Eine spirituelle und vielleicht religiöse Komponente ist auch dabei: der Geist der Weihnacht.

Piraten und ihre Forderungen zu Kirche und Staat

  • Religionsfreiheit gemäß Artikel 4 GG.
  • Laizistischer Staat: Trennung von Kirche und Staat, Schutz des Bürgers vor religiösen Einflüssen
  • Deutlicher antireligiöser Unterton: Religion meinetwegen, aber bitteschön nur im Privaten. In der Politik hat Religion nichts zu suchen.

Religion – was ist das eigentlich?

Damit wir wissen, worüber wir hier reden, wäre eine Definition des Begriffs Religion nützlich. Schlägt man in der Wikipedia nach, findet man allerdings schnell heraus, daß es über hundert Religionsdefinitionen gibt, von denen sich aber bisher keine als allgemein anerkannt hat durchsetzen können.

Versuch einer Definition

Wir versuchen trotzdem, uns dem Begriff ein wenig zu nähern:

  1. Im ersten Ansatz kann man Religion als Glauben an Gott definieren. Dabei denke man etwa an die drei monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam. Wobei Muslime das Christentum nicht als monotheistisch sehen, denn da hat Gott ja einen Sohn. Und es gibt viele Religionen, die mehrere oder sogar sehr viele Götter verehren.
  2. Diese Definition paßt aber nicht zu Religionen wie dem Zen-Buddhismus, die gar nicht an einen Gott glauben. Fassen wir die Definition etwas weiter und sagen: Religion beschäftigt sich mit dem Übernatürlichen.
  3. Doch diese Definition ist immer noch zu eng. Das können wir etwa am Hinduismus erkennen (soweit man überhaupt von dem Hinduismus sprechen kann): Hier sind die Gottheiten nicht übernatürlich, stehen also nicht über dem Natürlichen. Vielmehr sind sie Teil des Natürlichen und durchdringen es. Das Spirituelle ist Teil des Empirischen.
  4. Definieren wir also Religion noch allgemeiner und bezeichnen Religionen als Weltanschauungen. Das Grundgesetz sieht ja auch beide Begriffe eng beieinander und spricht in Artikel 4 bewußt von der »Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses«.  Meine Weltanschauung erklärt mir, wie alles zusammenhängt und wie die Welt und das Leben funktionieren oder funktionieren sollten.
    • Woher komme ich?
    • Wohin gehe ich?
    • Wie sollte ich leben?
    • Wie sollten wir miteinander leben?
    • Was ist der Sinn?

Verschiedene Religionen, verschiedene Weltanschauungen kommen hier zu unterschiedlichen Antworten.

Nichtreligiöse Religionen

Auch wenn wir Religion als Weltanschauung definieren, schwingt dabei dennoch immer die Idee des Göttlichen oder des Spirituellen mit. Es gibt aber bekanntlich auch Weltanschauungen, die dies ablehnen, beispielsweise Materialismus oder Teile des Humanismus. Auch der Materialismus hat Antworten auf die Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu. Nach materialistischer Sichtweise kommt der Mensch durch Zufall ins Leben. Bewußtsein, Gedanken, Ideen und Gefühle basieren allein auf Materie. Ein Weiterleben nach dem Tod gibt es nicht. Da sich das Leben allein auf das Diesseits erstreckt, sollte jeder so leben, daß er möglichst glücklich ist. Und da das die anderen ebenfalls wollen, sollten wir schauen, daß wir uns gegenseitig möglichst wenig in unserem Glücklichsein beeinträchtigen.

Der Materialismus ist keine verfaßte Religion. Dennoch erkennen wir einige Grundmuster und Gemeinsamkeiten:

  • Es gibt eine Dogmatik: Es ist alles Materie.
  • Es gibt eine Teleologie (Sinn, Zweck): Glücklichsein.
  • Es gibt eine Ethik: Regeln, die ein gutes Leben für alle ermöglichen sollen.

Entsprechendes gilt für andere nichtreligiöse Weltanschauungen.

Weltanschauungen sind axiomatisch

Und noch etwas Entscheidendes haben religiöse und nichtreligiöse Weltanschauungen gemeinsam.

Jeder von uns gestaltet sein Leben nach bestimmten Prinzipien und Regeln, ganz egal, ob bewußt oder unbewußt. Bei dem, was wir tun, lassen wir uns leiten von dem, wie die Welt und das Leben unserer Meinung nach funktioniert oder funktionieren sollte. Diese Prinzipien und Regeln lassen sich letztlich zurückführen auf einige Grundannahmen oder Axiome. Wie wir die Dinge sehen und wie wir leben, beruht letztlich auf diesen Axiomen.

Axiome können wir nicht weiter begründen, sondern sind selbst die Grundlage unseres Weltbildes. In der Regel entziehen sie sich einem Beweis und sind in gewisser Weise willkürlich.

Beispielsweise kann ich die Existenz oder Nichtexistenz eines Gottes prinzipbedingt nicht mit naturwissenschaftlichen Methoden beweisen. Es ist eine reine Annahme, ein Axiom.

Gehe ich davon aus, das es keinen Gott gibt und alles auf Materie beruht, hat das Konsequenzen für die Art und Weise, wie ich mein Leben führe. Ich bin dann nur mir selbst gegenüber verantwortlich, eventuell auch gegenüber anderen Menschen und gegenüber dem Staat. Vertrete ich humanistische Ideale, wird mir die Verantwortung gegenüber anderen besonders wichtig sein. Da ich annehme, daß mein Leben mit dem Tode endet und danach nichts mehr kommt, brauche ich mir über ein Leben nach dem Tod und über eine Verantwortung gegenüber einem Gott keine Gedanken zu machen.

Das sieht anders aus, wenn ich davon ausgehe, daß es einen Gott gibt und zwar den Gott der Bibel. Dann bin ich nicht nur mir selbst, anderen Menschen und dem Staat gegenüber verantwortlich, sondern auch Gott gegenüber – und zwar Gott gegenüber zuallererst. Dann geht das Leben nach dem Tod weiter, und die Entscheidungen, die ich im Leben vor dem Tod treffe, haben Konsequenzen auf mein Leben nach dem Tod.

In beiden Fällen gehen wir von Grundannahmen aus, die wir plausibel finden mögen, die wir aber nicht naturwissenschaftlich beweisen können. Der Atheist kann nicht beweisen, daß Gott nicht existiert. Und wenn ich davon erzähle, wie ich Gott erlebe, kann ich das lediglich bezeugen, aber nicht beweisen. Die Grundlagen von Religionen und von anderen Weltanschauungen sind Axiome und entziehen sich daher ihrem Wesen nach einer Argumentation. Sie sind daher immer auch willkürlich.

Übrigens trifft diese Willkürlichkeit auch für die Menschenrechte zu. Wir können sie bzw. ihr Gelten nicht weiter begründen, sondern nur sagen: Das ist eben so. Oder besser: Das wollen wir so. Und das ist keine Selbstverständlichkeit: die Menschenrechte galten und gelten längst nicht zu allen Zeiten und an allen Orten.

Zwischen den verschiedenen religiösen und nichtreligiösen Weltanschauungen bestehen bekanntlich große inhaltliche Unterschiede. Allen gemein ist aber, daß es bestimmte axiomatische Grundüberzeugungen gibt, aus denen sich Lebens- und Politikgestaltung ableiten. Der Unterschied zwischen einem religiösen und einem nichtreligiösen Menschen besteht also lediglich darin, daß der eine Mensch seine Grundüberzeugungen durch seinen Glauben prägen läßt und der andere nicht. Oder wie es neulich ein Pirat formuliert hat: Jeder hat einen Glauben, auch wenn er nicht religiös ist.

Der pragmatische Ansatz

Viele Piraten wollen aber den ganzen weltanschaulichen Kram einfach beiseite lassen. Entscheidungen sollten nicht von irgendwelchen religiösen, moralischen oder weltanschaulichen Standpunkten aus getroffen werden, sondern allein aufgrund pragmatischer Erwägungen. Es sollten Lösungen umgesetzt werden, die gut sind, die funktionieren, die uns zum Ziel führen.

Aber so etwas wie eine weltanschaulich neutrale Politik gibt es nicht. Das merken wir, wenn wir über unsere Ziele sprechen. Denn wie unsere Ziele aussehen, leiten wir ja aus unseren Grundüberzeugungen ab. Die können wir nicht an der Garderobe abgeben und so tun, als hätten wir keine. Das wollen wir ja auch gar nicht. Wir wollen doch genau das umsetzen, was unseren Grundüberzeugungen entspricht. Damit zeigt sich auch der pragmatische Ansatz als weltanschaulich geprägt.

Folgerungen für die Politik

  • Sämtliche Weltanschauungen beruhen auf Axiomen.
  • Aus Sicht des Staates besitzt damit keine einen begründbaren Vorzug. Es gibt allerdings Weltanschauungen, die sich nicht bewährt haben (z.B. Kommunismus oder Nationalsozialismus).
  • Daher soll der Staat neutral sein.
  • Der Staat darf keine Religion oder Weltanschauung benachteiligen oder bevorzugen. Der Staat soll neutral sein, aber nicht antireligiös.
  • Religionsfreiheit gemäß Artikel 4 GG: (1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. (2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
    • Jeder hat das Recht, religiöse oder nichtreligiöse Weltanschauung frei zu wählen.
    • Ungestörte Religionsausübung heißt übrigens durchaus auch öffentliche Religionsausübung
    • Jede Religion oder Weltanschauung hat das Recht, andere umfassend zu informieren und für sich /dafür zu werben.

Laizistischer Staat

  • Mit der Forderung nach einer Trennung von Kirche und Staat habe ich als Freikirchler kein Problem. Freikirchen und Staat haben ja nicht so viele Berührungspunkte wie die katholische Kirche oder die evangelischen Landeskirchen. Das Problem ist eher, daß sich viele Christen aus den Freikirchen und die Freikirchen selbst so herzlich wenig für Politik interessieren. Als Christ sollte ich mich nicht nur für das ewige Heil der Menschen interessieren, sondern mich auch für ihr irdisches Wohl einsetzen.
  • Die Forderung nach Schutz des Bürgers vor religiösen Einflüssen ist Quatsch.
    • Sie widerspricht dem Recht auf Religionsfreiheit.
    • Sie ist eine Bevorzugung nichtreligiöser Weltanschauungen und damit eine Verletzung des Neutralitätsgebots.
  • Die Schule soll umfassend über die maßgeblichen Religionen und Weltanschauungen informieren. Keine Diskriminierung von Religionen durch Bevorzugung nichtreligiöser Weltanschauungen! Konfessioneller Religionsunterricht und konfessionelle Schulen sind Möglichkeiten dazu, aber nicht die einzigen.
  • Die Kirchen erbringen erhebliche Dienstleistungen für den Staat, z.B. in Kinderbetreuung oder Krankenpflege. Wer die strikte Trennung von Kirche und Staat will, soll erstmal ein Konzept vorlegen, wie er das auffangen will.
  • Potentiale heben! Christen, Muslime und die Angehörigen anderer Religionen nicht aus der Gesellschaft herausdrängen, sondern auffordern, Verantwortung zu übernehmen und sich für die Menschen in unserem Staat einzusetzen. Politikverdrossene Bürger haben wir mehr als genug!

Religion als Privatsache

  • Bei manchen Piraten hört man einen antireligiöser Unterton: Religion meinetwegen, aber bitteschön nur im Privaten. In der Politik hat Religion nichts zu suchen. Wie ich oben bereits gezeigt habe, ist eine religiös bzw. weltanschaulich neutrale Politik gar nicht möglich.
  • Religionsfreie Politik fordert von den Gläubigen etwas, was sie von keinem anderen fordert: Sie sollen ihre religiösen Überzeugungen bitteschön abgeben, bevor sie in den politischen Diskurs eintreten. Damit sollen sie das drangeben, was für viele von ihnen das Eigentliche ihres Lebens ist.

Und wieder Weihnachten

Und damit sind wir wieder da, wo wir angefangen haben: bei Weihnachten. Denn das Eigentliche meines Lebens hat mit dem zu ist, worum es Weihnachten geht oder besser: gehen sollte. Nein, nicht um den Geist der Weihnacht.

Die Grundüberzeugung meines Lebens ist, daß es einen Gott gibt und daß dieser Gott als kleines Kind vor 2000 Jahren auf die Welt gekommen ist. Das ist der Grund, warum wir Weihnachten feiern. Jesus hat das nicht aus Spaß gemacht. Das hat er gemacht, weil wir es ihm wert sind. Er will uns Sinn und Erfüllung geben. Das hat ihn Blut, Schweiß und Tränen gekostet – und das Leben. Doch damit sind wir eigentlich schon bei Karfreitag. Und bei Ostern. Und bei Himmelfahrt.

Beim Glauben geht es nicht darum, irgendeine Dogmatik für wahr zu halten oder sich irgendwelchen Gesetzen unterzuordnen. Es geht darum, Jesus persönlich kennenzulernen, eine Beziehung mit ihm einzugehen und das Leben mit ihm zu gestalten.

Wenn ich politische Weihnachtswünsche habe, dann diese:

  • Ich wünsche mir eine Politik, die mir erlaubt, das, was ich gerade gesagt habe, auch morgen noch frei und offen sagen zu können.
  • Ich wünsche mir Freiheit für die Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden und um ihr Leben fürchten müssen, z.B. in Nordkorea und vielen islamischen Staaten.
  • Ich wünsche mir natürlich auch, daß viele von euch anfangen, sich für den Glauben zu interessieren – in einem Staat, der das erlaubt und niemanden in eine bestimmte Glaubens- oder Unglaubensrichtung drängt.

In diesem Sinn euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Pirat bleiben oder gehen? Überlegungen nach dem Bundesparteitag der Piratenpartei

Und sie haben es doch getan! Auf ihrem Bundesparteitag vor zwei Wochen, am 20. und 21. November in Chemnitz, beschloß die Piratenpartei familienpolitische Ziele, die sich mit meinen Werten als Christ überhaupt nicht decken. Ich hatte darüber bereits im Vorfeld des Parteitags gebloggt, siehe »Piraten schützen das Grundgesetz – oder doch nicht?«.

Gleich nach diesen Beschlüssen hatte ich getwittert, meine Mitgliedschaft in der Piratenpartei überdenken zu müssen. Das habe ich inzwischen getan. In diesem Beitrag möchte ich meine Gedanken schildern und meinen Entschluß erläutern.

Die Parteitagsbeschlüsse

Was der Parteitag im einzelnen beschlossen hat, kann man im Piratenwiki auf der Seite der Antragskommission nachlesen. Da sind durchaus eine Menge guter Dinge dabei! Ich will aus den vielen Punkten, die ich unterstütze, nur zwei Beispiele herausgreifen:

Aber da sind auch die Punkte, die aus meiner Sicht überhaupt nicht gehen oder mit denen ich zumindest heftige Bauchschmerzen habe:

  • Hinter dem Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe steckt eine gute Absicht, die ich unterstütze. Ja, jeder Mensch soll ein Leben in Würde führen können. Das leitet sich aus Artikel 1 des Grundgesetzes ab. Und dieses Leben in Würde soll unabhängig sein von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des einzelnen. Insofern geht der Beschluß in die richtige Richtung.

    Viele Piraten verstehen darunter jedoch die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Da sehe ich ganz erhebliche praktische Probleme. Beispielsweise hält nicht jeder die Begriffe Leistung und Leistungsfähigkeit sauber auseinander. Und ein ganz triviales Argument: Geld, das man ausgeben will, muß man zuvor eingenommen haben – es sei denn, man will mit der Verschuldungspolitik der jetzigen Regierung und ihrer diversen Vorgängerinnen weitermachen.

    Aber gut. Da der Beschluß ausdrücklich keinen bestimmten Weg zum Ziel ideologisch festschreibt, bin ich durchaus bereit, mich mit konkreten Konzepten auseinanderzusetzen.

  • Nur noch an den Kopf fassen kann ich mich aber angesichts der Forderung nach Abschaffung des § 173 StGB (Beischlaf zwischen Verwandten). So ein Schwachfug! Ich will das an dieser Stelle überhaupt nicht inhaltlich diskutieren. Aber, liebe Befürworter, laßt euch bitte nur mal die Frage gefallen, was dieser Beschluß wohl Außenstehenden signalisiert! Hat unser Land eigentlich keine dringenderen Probleme?

  • Ja, und schließlich haben wir diese Grundsatzbeschlüsse zur Queer- und Familienpolitik. Hier die einzelnen Module zum Nachlesen:

    Die Intention der Beschlüsse läßt sich bereits an Wortwahl und -stellung der Überschrift ablesen. Die lautet nicht etwa »Familienpolitik«, auch nicht »Familien- und Queerpolitik«, sondern »Queer- und Familienpolitik«. Diese Formulierung macht die Rangfolge klar. Es geht um Queerpolitik. Hier treibt eine rührige Gruppe von Piraten ihr Lieblingsthema voran. Und damit es mit der Zustimmung auf dem Parteitag auch bloß klappt, verquickt man seine Ideen noch mit ein paar gutklingenden Sätzen wie dem vom besonderen Schutz von Lebensgemeinschaften, in denen Kinder aufwachsen oder schwache Menschen versorgt werden. Ach ja, wer wollte auch Kindern oder Schwachen Schutz verweigern?

    Den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung spricht das Grundgesetz in Artikel 6 (1) jedoch nicht allen und nicht irgendwelchen Lebensgemeinschaften zu, sondern dediziert Ehe und Familie. Diesen besonderen Schutz will der Bundesparteitag offenbar ausgehebelt wissen. Den Widerspruch zum Grundgesetzartikel 6 hat man leichter Hand ignoriert. Sofern ich im Livestream nichts verpaßt habe, gab es nicht einmal eine Diskussion über diesen Aspekt! Hat das denn niemand bemerkt? Was für ein Armutszeugnis für eine Partei, die doch das Grundgesetz auf ihre orangen Fahnen geschrieben hat! Aber kaum steht es dem eigene Wollen und Wünschen im Weg, schiebt man es einfach beiseite. Das kennen wir doch bisher nur von gewissen anderen Parteien!

Verlorene Werte

Ich war 2009 in die Piratenpartei eingetreten, weil sie für mich die einzige politische Kraft war, der das Grundgesetz wirklich am Herzen liegt. Ich habe eine große Übereinstimmung gesehen zwischen den Werten der Piraten und meinen eigenen. Heute, nach diesem Bundesparteitag, ist die Schnittmenge erheblich geschrumpft – ebenso wie mein Vertrauen in die Grundgesetztreue der Piratenpartei.

Um diesen Blogbeitrag nicht zu lang werden zu lassen, will ich die inhaltliche Diskussion zu Einzelpunkte an dieser Stelle gar nicht führen. Vielleicht finde ich später die Zeit, meine Argumentation zu dem einen oder anderen Punkt darzustellen. Mir geht es heute nur um die eine Frage: Kann ich selbst mich noch in der Piratenpartei wiederfinden oder kann ich das nicht?

Wäre ich in der gleichen Situation wie 2009, als es für mich darum ging, in die Piratenpartei einzutreten oder nicht, wäre die Antwort ein klares Nein. Ein Blick in das neue Parteiprogramm, ein Blick auf die Schnittmenge der Werte, und die Sache wäre entschieden: nicht der Mühe wert!

Eine Geschichte mit Menschen

Allerdings ist meine Lage heute anders als vor meinem Eintritt. Damals war die Piratenpartei für mich eine mehr oder weniger abstrakte, unbekannte Organisation. Ich kannte nicht mehr als ihre Ziele. Diese Ziele fand ich gut, und wegen dieser Ziele bin ich die Piratenpartei eingetreten.

Seitdem ist viel passiert. Ich bin nicht bloß Mitglied, sondern habe einen Weg zurückgelegt mit dieser Partei. Es eine Geschichte mit Menschen. Es sind Begegnungen mit Piraten und Interessenten auf Stammtischen, an Infoständen, auf Parteitagen, auf dem Bahnhof, auf Twitter, auf Mailinglisten – und sogar am Telefon. Es ist der gemeinsame Aufbau der Pressearbeit in Nordrhein-Westfalen, es sind Begegnungen mit Menschen während des Sammelns von Unterstützungsunterschriften im Kreis Herford für meine Landtagskandidatur, es ist die Arbeit an der Dortmunder Kreisverbandssatzung. Es die persönlichen Begegnungen bei diesen und anderen Aktivitäten.

Die letzten eineinhalb Jahre waren für mich eine hochinteressante und wertvolle Zeit. Ich habe viel erfahren und viel gelernt. Und vor allem sind es die Menschen, die diese Zeit so wertvoll gemacht haben: diese Piraten, die so unverblümt ehrlich sind, die ohne Rücksicht auf Verluste ihre Meinung sagen – und sich dafür einsetzen, daß jeder andere in Deutschland und in der Welt das auch tun kann, ohne um seine Freiheit, seine Gesundheit oder um sein Leben fürchten zu müssen.

Parteiintern habe ich das in dieser Weise erlebt. Das ging natürlich nicht ohne Auseinandersetzungen ab. Wir haben gestritten, über Positionen diskutiert und um Vorgehensweisen gerungen. Und abseits von der Parteiarbeit gab’s spannende Unterhaltungen über Glaubensthemen, gerade mit meinen atheistischen Freunden. Ob wir nun derselben Meinung waren oder uns nicht einigen konnten: Jeder war offen für die Argumente des anderen und ist sachlich geblieben – na ja, fast jeder.

Und? Wie geht’s nun weiter?

Nachdem ich getwittert hatte, meine Mitgliedschaft in der Piratenpartei zu überdenken, haben sich eine ganze Reihe Piraten bei mir gemeldet und mich ermutigt, dabeizubleiben. Dieter Klein schätzt meine »unaufgeregte Art, andere Sichtweisen in die Diskussion zu bringen«. Fabio Reinhardt hat mir einen offenen Brief geschrieben. Andere haben getwittert, gemailt oder mich persönlich angesprochen.

Das berührt mich sehr.

Ehrliche Piraten

Ich merke: Hier ist echtes Interesse – an mir als Person, nicht nur an dem, was ich für die Partei leisten kann. Die Leute sind offen, sich mit dem zu auseinanderzusetzen, was ich denke und was ich glaube, auch wenn nicht alles dem eigenen Weltbild entspricht. Einige haben mich sogar explizit dazu aufgefordert, meine Sichtweisen in die Diskussion einzubringen und sie innerhalb der Partei zu vertreten.

In der persönlichen Begegnung mit anderen Piraten spüre ich, daß hier keine Ideologen am Werke sind, sondern eine tiefe innere Überzeugung da ist, mit den Parteitagsbeschlüssen Menschen wirklich helfen zu können. Ich teile diese Positionen inhaltlich nicht, aber die Ernsthaftigkeit beeindruckt mich. Piraten sind ehrliche Leute. Sie schielen nicht nach dem, womit sie möglichst viele Wählerstimmen ködern können, sondern entscheiden nach dem, was ihnen am Herzen liegt. – Ob es klug ist, alles, was man denkt, in Beschlüsse zu gießen, ist eine andere Frage.

Das alles macht es mir schwer, die Piraten zu verlassen.

Ich kann ja auch mein politisches Engagement nicht einfach wieder an den Nagel hängen. Bei den sonstigen Parteien, den sogenannten etablierten, könnte ich mich aber auch nicht zu Hause fühlen. Warum das gerade bei der Partei mit dem C so ist, hatte ich bereits an anderer Stelle erläutert.

Christliche Parteien

Und wie steht es mit den christlichen Parteien, also PBC, CM oder AUF? Denen müßte ich als Christ doch nahestehen, oder? Manches hört sich in der Tat gut an. Aber wenn die christlichen Parteien in die Parlamente kommen und dort etwas bewirken wollen, dann sollten sie sich als allererstes zu einer einzigen Partei zusammenschließen. Und konkrete Konzepte müßten her! Wahlplakate mit Bibelversen reichen nicht aus, um Politik zu machen. Kürzlich erzählte mir ein Journalist und Christ, er habe sich mehrfach in der PBC engagieren wollen, sei aber jedesmal eiskalt abgeblitzt, wenn er konkret und kritisch nach Konzepten gefragt habe. Die christlichen Parteien sind also auch keine Alternative, zumindest nicht zur Zeit.

Und Gott?

Die für mich wichtigste Frage bei der Enscheidung für oder gegen die Piratenpartei mag für manchen, der dies liest, überraschend sein. Es ist die Frage, wie Gott das sieht – genauer: wie er es für mich sieht. Ich frage ihn danach und ich bekomme Antworten. Das muß ich denjenigen Lesern, die keine Christen sind, ein bißchen erklären. Den Atheisten unter euch wird das quer heruntergehen und euch in eurer Meinung bestätigen, daß ich sowieso irgendwie schräg drauf bin. Vielleicht bekommt ihr aber auch eine Ahnung davon, daß euer Weltbild nicht nur schon deshalb die Realität korrekt und vollständig widerspiegelt, weil ihr das gern so haben wollt.

Mancher glaubt ja, Christsein bestünde aus einer Sammlung moralischer Regeln, die man einzuhalten habe. Daß das nicht stimmt, habe ich bereits in einem anderen Blogbeitrag erklärt. Christen glauben vielmehr, daß man zu Gott eine persönliche Beziehung haben kann und daß Gott mit seinen Leuten redet. Dieses Reden Gottes geschieht in der Regel nicht durch Visionen und Auditionen – zumindest ist das in unserem Kulturkreis selten. Vielmehr sind es oft kleine Begebenheiten im Alltag: ein Vers, den ich in der Bibel lesen, oder ein Satz, den ein anderer Christ mir sagt. Und ich spüre: Jetzt redet Gott zu mir! Ein Bibeltext ist dann nicht mehr bloß ein alter Text in einem bestimmten historischen Zusammenhang, sondern Gott spricht dadurch in meine Situation hinein. Der Text wird lebendig, wird für mich aktuell und hilft mir heute, eine Entscheidung zu treffen. Das funktioniert nicht mechanisch, das ist nicht machbar, und fromme Rituale nützen nichts. Das ist ein geistlicher Vorgang, der zu einer Zeit und auf eine Art und Weise geschieht, wie Gott es für richtig hält.

Nach dem Parteitag habe ich das erlebt, als ich in der Bibel die Stelle Johannes 17, 15 gelesen habe. Dort betet Jesus mit Blick auf seine Leute: »Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.« Und ich merke: Hier spricht Gott zu mir. Es sagt mir: »Die Welt – dazu gehört für dich auch die Piratenpartei. Zieh dich da nicht raus! Du hast da deinen Platz. Es ist gut, wenn du dabei bleibst. Ich werde mich schon darum kümmern, daß das eine gute Sache wird!«

In den folgenden Tagen habe ich weiter darüber nachgedacht und gebetet, um meine eigenen Gedanken von Gottes Gedanken unterscheiden zu können. Der starke Eindruck ist geblieben; ich bleibe also dabei.

Im Zwiespalt

Doch ich werde mit einem inneren Zwiespalt leben müssen. Mein Einsatz kann nicht mehr ungeteilt sein. Natürlich werde ich mich weiter für unsere Grundrechte einsetzen und mich für Themen wie JMStV, ACTA oder INDECT starkmachen. Positionen der Piratenpartei, die meinen inneren Überzeugungen zuwiderlaufen, kann ich aber am Infostand oder sonstwo nicht vertreten. Vielmehr habe ich vor, den innerparteilichen Dialog zu suchen und Überzeugungsarbeit zu leisten. Das ist ja etwas, was ich an der Piratenpartei richtig gutfinde: Ein solcher Dialog ist möglich! Nicht bei allen Parteien ist das der Fall. Meinungsvielfalt, wie sie einer demokratischen Partei angemessen ist: das finde ich gut! In diesem Zusammenhang ist auch der Blogbeitrag von Nineberry wichtig, der zur Meinungsvielfalt auffordert und unterschiedliche Strömungen begrüßt – Parteien innerhalb der Partei sozusagen.

Gegenüber anderen werde ich mein Engagement für die Piratenpartei auch mehr als zuvor begründen müssen. In meiner Gemeinde, der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) Dortmund, konnte ich bei der Landtagswahl eine ganze Reihe Wähler für die Piratenpartei mobilisieren. Das wird künftig anders sein. Man wird mein Engagement bei den Piraten wohl akzeptieren (müssen), aber selber Piratenpartei wählen? Wozu denn das? Für was von dem, was Christen wertvoll ist, steht die Piratenpartei denn ein? Die Idee von Parteien in einer Partei ist ja nicht unbedingt unmittelbar eingängig.

Aber gut. Eingetreten bin ich in die Piratenpartei, weil ich das Grundgesetz vor den etablierten Parteien schützen wollte. Jetzt bleibe ich dabei, um es auch vor der Piratenpartei zu schützen. Über Mitstreiter würde ich mich freuen.

Ich bleibe Querdenker statt Queerdenker.

Piraten schützen das Grundgesetz – oder doch nicht?

Das Grundgesetz schützen

Das Grundgesetz schützen – das war mir das wesentliche Anliegen, als ich im letzten Jahr in die Piratenpartei eingetreten bin und begonnen habe, mich politisch zu engagieren. Unerträglich waren die Eingriffe geworden, mit denen die etablierten Partei regelmäßig das Grundgesetz zu unterhöhlen suchten und fast ebenso regelmäßig vom Bundesverfassungsgericht zurückgepfiffen wurden.

Eine Partei, die sich dem Schutz der Grundrechte im allgemeinen und dem Schutz des Grundgesetzes im besonderen verschrieben hatte, die bei der Europawahl 2009 überraschende 0,9 Prozent geholt und bei der noch mehr gehen könnte? Da sollte sich politisches Engagement lohnen! Und in der Tat: Bei der Bundestagswahl 2009 kam die Piratenpartei auf 2,0 Prozent der Zweitstimmen und ist damit aus dem Stand zur größten Kleinpartei geworden.

Familienpolitik modernisieren?

Und nun dies: Im innerparteilichen Demokratiewerkzeug »Liquid Feedback« stellten die Parteimitglieder »Arte Povera« und Torsten Jaehne die Initiative Familienpolitik modernisieren – Vielfalt von Lebensformen anerkennen vor, wo sie unter anderem fordern, den Schutz der Ehe in Art. 6 (1) GG abzuschaffen. »Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung« schreibt das Grundgesetz dort fest.

Na gut, schließlich kann jeder auf Liquid Feedback beantragen, was er will, und bei gut 12.000 Parteimitgliedern finden sich immer ein paar mit verqueren Gedanken. Doch die beiden fanden für ihre Initiative tatsächlich genügend Unterstützer, so daß es schließlich zur Abstimmung kam, die die Initiative mit 371 Ja-Stimmen gegen 90 Nein-Stimmen bei 58 Enthaltungen gewann.

Nun hat dieses Ergebnis – wie alle Abstimmungen auf Liquid Feedback – keine Bedeutung für das offzielle Parteiprogramm. Das kann nur ein Bundesparteitag ändern. Man darf auch fragen, wie repräsentativ für die Parteimeinung die Abstimmung überhaupt ist, wenn von 12.000 Mitgliedern knapp 3.200 bei Liquid Feedback angemeldet sind und von diesen wiederum nur 519 überhaupt an der Abstimmung teilgenommen haben und insgesamt gerade mal 2,6 Prozent aller Mitglieder für die Initiative und für die Änderung des Grundgesetzes gestimmt haben. Dennoch halte ich es nicht für völlig ausgeschlossen, daß ein solcher Antrag auf einem Bundesparteitag eine Mehrheit fände.

Wohin, Piratenpartei?

Wie ist das zu bewerten? Meine eigene Position findet sich in den Blogbeiträgen von »Validom« und Frank Mazny wiedergegeben, so daß ich mir hier eine Wiederholung in eigenen Worten sparen kann:

Einen entgegengesetzten Standpunkt vertritt Aleks A. Lessmann:

Weitere Beiträge:

Von außen, von jemandem, der selbst kein Mitglied der Piratenpartei ist, stammt diese sehr gute Analyse:

Inzwischen (2010-09-24) hat es die Debatte auch in das Wiki der Piratenpartei geschafft. Die Seite »Grundgesetzdebatte« enthält weitere Verweise auf Beiträge und lädt zum Mitdiskutieren ein.

Diese Beiträge und die Kommentare der Leser zeigen, was zur Zeit zu Ehe, Familie, anderen Formen des Zusammenlebens, Grundgesetz und Grundgesetzänderung in der Piratenpartei abgeht. Vermutlich wird es in den nächsten Tagen weitere Beiträge geben. Die werde ich hier verlinken, soweit sie in mein Blickfeld geraten und neue Aspekte in die Debatte bringen. Auch sonst könnte dieser Beitrag die eine oder andere Aktualisierung erfahren.

Und ich selbst?

Schließlich die für mich persönlich wichtigste Frage: Wie würde ich reagieren, falls ein Bundesparteitag tatsächlich aus der Initiative Programm machen sollte? Könnte ich in einer solchen Partei bleiben? Einerseits wäre ein Austritt ein Zeichen, hier klar auf Distanz zu gehen. Andererseits habe ich in der Piratenpartei viele wertvolle Menschen kennengelernt, mit denen ich weiter gern verbunden sein möchte. Und mit denen ich gern weiter Politik machen möchte, besonders Kommunalpolitik in Dortmund.

Falls ich dabeibleiben sollte, müßte ich ständig mit diesem inneren Konflikt leben, für eine Partei einzustehen, die in zumindest diesem Punkt meinen Grundwerten diametral entgegensteht. Könnte ich das? Vielleicht geht es, wenn ich mit diesem Konflikt offen umgehe und immer deutlich mache, daß er besteht und ich hier niemals auf eine solche Parteilinie einschwenken werde. Ich hätte aber ganz gewiß erhebliche Probleme, meine Freunde aus dem christlichen Lager für die Piratenpartei zu begeistern und sie als Wähler zu halten oder gar neue hinzuzugewinnen. Der Zug wäre dann endgültig abgefahren.

Stand heute weiß ich noch nicht, wie ich mich entscheiden würde. Momentan handelt sich ja auch nur um Gedankenspiele. Die Frage steht gegenwärtig noch gar nicht an. Warten wir den Bundesparteitag in Chemnitz am 20. und 21. November in Chemnitz ab. Einstweilen werde ich weiter das Piraten-T-Shirt tragen, wenn ich mit dem Rennrad unterwegs bin und Reklame Werbung machen. Es bleibt spannend bei den Piraten!

Homophobe Kreationisten? – Was Christen wirklich ausmacht

Immer wieder mal kommt es auf Twitter zu Debatten rund um Atheismus und Christentum zwischen @fraglich und mir, häufig auch unter Beteiligung von @etz_B und anderen.

Aus diesen 140-Zeichen-Diskussionen kristallisiert sich eine bestimmte Sicht der Atheisten auf Christen und insbesondere auf evangelikalen Christen heraus. Diese Sicht fasse ich in zwei Punkten zusammen:

  • Christen sind Kreationisten.
  • Christen sind gegen Homosexuelle.

Gut, das ist jetzt plakativ und verkürzt. Es gibt ganz sicher noch mehr Diskussionspunkte – zum Beispiel die geistige Verfassung von Christen –, aber diese beide tauchen mit interessanter Beharrlichkeit immer wieder auf. Dabei gäbe es eine ganze Reihe weiterer Dinge, über die sich ebenfalls trefflich streiten ließe. Einige Beispiele:

  • Sex vor und außerhalb der Ehe
  • Abhängigkeiten und Süchte
  • Umweltverschmutzung
  • Egoismus
  • Ehescheidung
  • Feindschaft
  • Ungeduld
  • Ungehorsam
  • Lügen, Unaufrichtigkeit
  • Wut
  • usw. usw.

Aber keine Sorge, ich will diese Themen hier gar nicht aufrühren und eines nach dem anderen abhandeln und diskutieren. Wer darf was wie oft und womöglich mit wem? Wer muß was glauben und wie sehr? Das interessiert nicht, weil es alles am Kern vorbeigeht – auch der Streit um Schöpfung kontra Evolution oder um Homosexualität.

Ich möchte an dieser Stelle erklären, worauf es beim Christsein wirklich ankommt und was einen Christen ausmacht. Und wie sich das folglich von dem unterscheidet, was sich mancher unter einem Christen vorstellt – siehe oben.

Die Atheisten unter meinen Lesern bitte ich, sich für einen Moment auf ein paar theologische Gedanken einzulassen und nicht gleich »Fanatiker« zu rufen. Ihr müßt das Gesagte ja nicht für euch übernehmen, aber ihr solltet es einfach wissen, weil Sachkenntnis immer gut ist und wir dann auf der richtigen Ebene diskutieren können. Und natürlich solltet ihr die folgenden Gedanken gerne darauf abklopfen, ob sie in sich stimmig sind, ggf. unter Hinzuziehung einer Bibel. Jedenfalls hoffe ich, euer Bild vom Christsein bzw. vom Selbstverständnis der Christen etwas korrigieren zu können. Das wäre ja auch schon etwas.

Christen, die dies lesen, werden vermutlich gleich mehrere wesentliche Aspekte vermissen. Ja, klar, ich weiß! Eine Reihe von Fragen, die ich hier nicht beantworte, habe ich am Schluß aufgelistet. Ich kann halt nicht alles in einen einzigen Blogbeitrag packen. Dann schicke ich lieber später – falls gewünscht – weitere Beiträge hinterher.

Der Unterschied zwischen der Sünde und dem Sündigen

Nach Lehre der Bibel sind das Tun oder Lassen bestimmter Handlungen oder das Fürwahrhalten bestimmter Glaubenssätze gar nicht die entscheidenden Punkte. Vielmehr dreht sich alles um die Frage nach der Beziehung des Menschen zu Gott. Das ist im Grunde das Thema, das sich von vorn bis hinten durch die Bibel zieht. Kenne ich Gott persönlich? Liebe ich ihn? Bestreite ich seine Existenz? Nehme ich an, daß es (einen) Gott gibt, habe aber selbst nichts mit ihm zu tun? Die Bibel zeigt uns, wie Menschen eine Beziehung zu Gott gelebt haben und welche Erfahrungen, Erfolge und Schwierigkeiten sie dabei hatten. Sie schildert auch Menschen, die mit Gott nichts zu tun hatten.

Bei der Frage nach der Beziehung des Menschen zu Gott kommt der theologische Fachbegriff Sünde ins Spiel. Sünde bezeichnet den Zustand, in dem sich ein Mensch ohne diese Beziehung befindet. Bei Sünde geht es nicht darum, irgendwelche schlimmen Dinge zu tun, sondern es geht um eine Positionsbestimmung: Lebe ich mit oder ohne Gott?

Falls ich ohne Gott lebe – also im Zustand der Sünde bin – folgen daraus zwangsläufig konkrete sündige Taten. Als Verb: sündigen. Dieser Unterschied zwischen der Sünde einerseits und dem Sündigen andererseits ist entscheidend wichtig.

Atheisten befürchten, daß Christen – und insbesondere die evangelikalen Vertreter dieser Spezies – alles daransetzen, den Menschen das Sündigen auszutreiben, allen voran den Homosexuellen ihre Homosexualität. Mancher vermutet sogar eine geheime zentrale evangelikale Organisation, die die Herrschaft an sich reißen, allen Menschen ihre Moralvorstellungen überstülpen und einen Gottesstaat errichten will.

Das ist allerdings Quatsch, und zwar aus zwei Gründen:

  1. Das Austreiben des Sündigens würde nicht funktionieren. Jedenfalls dann nicht, wenn die sündigen Taten tatsächlich eine zwangsläufige Folge der Trennung von Gott sind.
  2. Das Austreiben des Sündigens würde nichts nützen. Wäre es tatsächlich möglich, sündige Taten flächendeckend auszumerzen, hätte man damit doch nur die Symptome bekämpft, nicht aber das Grundproblem, nämlich die Trennung von Gott, die Sünde. Die kriegt man aber nicht dadurch weg, daß man sich an einen Moralkatalog hält, der sagt, welche Taten verboten, welche erlaubt und welche vorgeschrieben sind. Das ist so, wie man einen Lungenkrebs nicht mit Hustensaft wegbekommt, auch wenn der die Symptome abmildern mag.

Einhalten von Gesetzesnormen macht keinen Christen

Das Denken in Gesetzes- und Moralkategorien prägt allerdings die Vorstellung, die viele Menschen vom Christsein haben. Und leider, leider ist dieses Denken auch manchen Christen nicht fremd. Doch das schadet erstens ihnen selbst, führt zweitens zu einem falschen Bild des christlichen Glaubens in der öffentlichen Wahrnehmung und schreckt daher drittens manchen ab, sich näher mit der Frage nach Christus zu beschäftigen.

Dieses Problem ist nicht neu. Der frühchristliche Theologe und Missionar Paulus schreibt an eine Gemeinde, in die das gesetzliche Denken eingezogen ist: Die dagegen, die durch Erfüllung des Gesetzes vor Gott als gerecht bestehen wollen, leben unter einem Fluch. Denn es heißt in den Heiligen Schriften: »Fluch über jeden, der nicht alle Bestimmungen im Buch des Gesetzes genau befolgt!« (nachzulesen in der Bibel und zwar in Galater 3, 10).

Anders formuliert: Du versuchst, vor Gott gut auszusehen – okay, das ist im Prinzip eine gute Idee. Aber glaube bloß nicht, das ginge durch Einhalten der alttestamentlichen Gesetzesvorschriften! Das schaffst du nicht. Das kriegt kein Mensch auf die Reihe. Wer diesen Ansatz wählt, hat mit Gott ein Problem. Paulus nennt das »unter einem Fluch leben.«

Vertrauen zu Christus macht Menschen zu Christen

So klappt das also nicht. Paulus weist die Empfänger seines Briefes auf einen anderen Weg hin, den sie als christliche Gemeinde eigentlich kennen sollten. Er schreibt: Was Gott zugesagt hat, sollten die Menschen geschenkt bekommen aufgrund des Glaubens, nämlich des Vertrauens auf das, was Gott durch Jesus Christus getan hat. Alle, die darauf vertrauen, sollen es bekommen. (Galater 3, 22).

Vertrauen ist hier das Schlüsselwort. Vertrauen richtet sich auf eine Person, von der ich weiß, daß sie es gut mit mir meint. Als Christ setze ich mein Vertrauen, meine Hoffnung auf Jesus Christus und auf das, was er getan hat. Jesus hat durch seinen stellvertretenden Tod am Kreuz mit der Sünde aufgeräumt, den Weg in eine Beziehung mit Gott freigemacht und durch seine Auferstehung die Grundlage für ewiges Leben geschaffen.

Sein Tod macht mir klar, wie viel ich ihm wert bin. Gott will den Menschen etwas schenken, und im Vertrauen auf Jesus bekomme ich es. (Was das für ein Geschenk ist, wäre ein Thema für einen weiteren Blogartikel.)

Mein Gebet endet nicht an der Decke. Ich verlasse mich auf Jesus; ich erfahre seine Hilfe im täglichen Leben. Er öffnet mir neue Perspektiven und schärft meinen Blick für das, was zählt – auch im Tod und darüber hinaus. Er gibt mir Wertschätzung, Standfestigkeit. Im Vertrauen auf ihn bekomme ich auch Vertrauen zu mir selbst – und werde unabhängig von dem, was irgendwelche Menschen über mich denken.

Die Bezeichnung »Christ« kommt von Christus. Christen sind Leute, die zu Christus gehören und mit ihm in einer Liebesbeziehung leben. Das ist der Kern des Christseins. Und das ist etwas völlig anderes als das Befolgen von Regeln oder das Fürwahrhalten von Dogmen.

Christen versus Nichtchristen?

Was hat das alles mit dem Verhältnis zwischen Christen und Nichtchristen zu tun? Christen sollten sich auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Wenn ich mit einem Nichtchristen zu tun habe, kritisiere ich nicht an ihm herum, sondern begegne ihm mit Respekt und Wertschätzung. Ich nehme den anderen als Menschen ernst und betrachte ihn nicht als Bekehrungsopfer, dem ich meine religiösen Überzeugungen überstülpe und so zu manipulieren versuche, daß er das tut, was ich selbst wichtig und richtig finde.

Den Glauben leben

Natürlich mache ich aus meinem Glauben keinen Hehl. Ich weise gern auf Jesus hin, informiere über ihn und lade dazu ein, ebenfalls eine Beziehung zu ihm aufzunehmen. Wenn gewünscht, kann ich erklären, wie das geht und kann dabei helfen. Und ich versuche, mein Leben so führen, daß es das, was ich sage, unterstreicht und nicht ausstreicht.

Kein Zwang zum Glauben

Was der andere damit macht, ist dann seine eigene Angelegenheit. Ich zwinge ihn ja nicht, meine Überzeugungen zu übernehmen. Leben mit Jesus ist eine freiwillige Sache, über die jeder explizit oder implizit selbst entscheidet. Jesus sagt, daß er vor der Tür stehe und anklopfe (Offenbarung 3, 20). Er tritt die Tür nicht ein und drängt sich nicht in dein Leben. Es ist deine eigene Entscheidung, ob du ihn hineinläßt und etwas mit ihm zu tun haben willst oder nicht. Entsprechend sollten seine Leute es beim Anklopfen belassen und niemanden bedrängen.

Ich werde nicht versuchen, an irgendwelchen Symptomen herumzudoktern, die ich beim anderen sehe. Mit Recht sagt der Nichtchrist, ein Christ könne ihm doch wohl nicht vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen habe – es sei denn, sein Verhalten kollidiert mit der deutschen Rechtsordnung. Wenn der andere homosexuell, hochmütig oder sonstwas ist, dann ist das eben so. Ich muß es nicht gutfinden, aber ich muß es akzeptieren.

Schöpfung oder Evolution?

Diskussionen darüber, ob die Welt und das Leben durch einen Schöpfer oder durch Zufall entstanden sind, sind ebenfalls müßig. Es dürfte die Ausnahme bleiben, daß ein Anhänger der einen Lehre einen Anhänger der anderen überzeugt. Ich habe das jedenfalls noch nicht erlebt.

Andererseits war dieses Thema in meiner persönlichen Geschichte sehr wichtig. Als mir im zarten Alter von 14 Jahren der Widerspruch zwischen Evolutionstheorie und Schöpfungslehre aufging, war das für meinen Glauben eine echte Herausforderung. Ich wollte ja als Christ intellektuell redlich bleiben. Also habe ich mich in das Thema reingekniet, viel gelesen und eine Menge Argumente gefunden, die den biblischen Befund stützen. Seinerzeit war ich ziemlich gut im Thema drin, und als es im Biounterricht ein halbes Jahr lang um Evolution ging, habe ich dem Lehrer kräftig Kontra gegeben. Er hat meine Leistung dann trotzdem mit 1+ bewertet, weil meine Argumente pro Schöpfung halt schlüssig und stichhaltig waren.

Den Glauben entdecken

Wer sich dafür interessiert, warum im nachchristlichen Deutschland überhaupt noch Menschen anfangen, sich für religiöse Fragen zu interessieren und was sie dazu bringt, den Glauben an Jesus Christus zu entdecken, kann ja mal in das Buch »Die Welt ist nicht genug« hineinschauen. Der Autor Alexander Garth ist Pastor in Berlin und meint, drei Faktoren entdeckt zu haben, durch die typischerweise an der Gottesfrage desinteressierte Menschen auf Gott aufmerksam werden:

  • die Begegnung mit lebendiger Spiritualität,
  • die Erfahrung der helfenden Zuwendung Gottes,
  • die Sinnfrage.

Wenn ich selbst irgendwo ein Stückchen dazu beitragen kann, daß sich jemand mehr mit diesen Fragen beschäftigt, würde mich das freuen.

Weitere Themen

Wie oben erwähnt, habe ich eine ganze Reihe von Themen und Fragen in diesem Blogbeitrag nicht behandelt. Hier einige davon:

  • Was ist das, was Jesus getan hat? Welche Konsequenzen hat das für uns, falls überhaupt?
  • Sündigen Christen etwa nicht?
  • Fehlt in dem ganzen Artikel nicht das Wort Vergebung?
  • Was ist das, was Gott den Menschen schenken will?
  • Welche Vor- und Nachteile hat es, Christ zu sein?
  • Wie wirkt es sich auf mein Handeln aus, wenn ich Christ werde?
  • Ist es egal, wenn Menschen sündigen? Oder gibt es Auswirkungen auf Dritte und auf unsere Gesellschaft?
  • Was ist eigentlich mit anderen Religionen?
  • Wie kann man bloß an etwas glauben, das gar nicht existiert? (Frage auf Anregung eines Atheisten hinzugefügt)

Vielleicht schreibe ich dazu später mal etwas. Sagt mir einfach Bescheid, wenn euch eines dieser Themen besonders interessiert!

Nachtrag (2012-05-28)

Gerade lief mir ein kurzer und knackiger Beitrag von Timothy Keller zum Thema Homosexualität über den Weg: „Talking About Homosexuality“. Dem schließe ich mich inhaltlich gern an.

Das Christsein, das Leben, die Welt und der ganze Rest (The Big Story)

Dieser Beitrag ist eine Predigt, die ich am 2010-04-11 in der Freien evangelischen Gemeinde Dortmund gehalten habe.

Sie hat zwei Ziele:

  • Sie soll Nichtchristen einen Überblick geben über das, was Christen eigentlich glauben, und zwar anhand einer mehr oder weniger einfachen Skizze.
  • Sie soll den einen oder anderen Christen darauf aufmerksam machen, daß das, was er glaubt, nicht alles ist, was das Christsein ausmacht. Die erwähnte Skizze hilft, den christlichen Glauben anderen Menschen zu erklären, und zwar in nicht mehr als 30 Minuten, also einer Predigtlänge. Ein Stift und eine Serviette reichen dafür aus.

Also los!

Eine kaputte Welt

Dieser Kreis und die zwei Figuren darin stehen für unsere Welt und für uns Menschen Wie sieht unsere Welt aus? Ist sie gut oder schlecht? Was erleben wir? Was sehen wir in den Nachrichten? Leid, Krieg, Unterdrückung, Armut, Krankheit, Tod. Auch wenn wir manches Schöne kennen, ist die Welt doch auf’s Ganze gesehen in einem üblen Zustand.

Ich zeichne daher eine Wellenlinie um den Kreis. Sie zeigt: Diese Welt ist kaputt. In dieser Beurteilung sind sich die meisten Menschen einig.

Wie geht es uns dabei? Ist es uns egal oder empfinden wir etwas? Den meisten Menschen ist das nicht egal, sondern sie sind traurig oder zornig. Der eine resigniert; der andere will etwas verändern. Wir sehnen uns nach einer Welt, in der es gerecht und liebevoll zugeht, in der niemand hungern muß.

Eine vollkommene Welt

Nach dem Weltbild der Christen hat Gott vor langer Zeit eine heile und vollkommene Welt geschaffen. Ihre Perfektion zeigte sich auf drei Ebenen:

  1. Die Beziehungen auf globaler Ebene
  2. Die Beziehungen der Menschen untereinander
  3. Die Beziehung zu Gott

Ich zeichne einen weiteren Kreis ohne Wellenlinie. Er steht für die vollkommene Welt (globale Ebene). Ich zeichne zwei Figuren in diesen Kreis (Beziehungsebene).

Auf allen Ebenen hat Gott sich ein wechselseitiges Dasein füreinander vorgestellt mit gegenseitigem Geben und Nehmen.

Die Beziehungen auf globaler Ebene

Auf dieser Ebene geht es um eine globale Sicht der Dinge, beispielsweise um Mensch und Umwelt oder um arme und reiche Nationen.

Gott hatte sich das Verhältnis zwischen dem Menschen und dem Planeten Erde als ein gegenseitiges Geben und Nehmen vorgestellt, nachzulesen in in 1. Mose 1, 28-29:

  • Der Mensch sorgt für die Erde.
  • Die Erde versorgt den Menschen mit allem, was er zum Leben braucht.

Die Beziehungen der Menschen untereinander

Die Figuren zeigen die Beziehungsebene. Man braucht nicht an Adam und Eva zu denken, sondern sie stehen ganz allgemein für Menschen und ihre Beziehungen untereinander: Ehepaare, Nachbarn, Kollegen, Parteifreunde, Familen.

Die Figuren stehen dicht beieinander. Sie drücken Gemeinschaft aus, Vertrauen, Harmonie, die perfekte Beziehung.

Beispielsweise zeigt die biblische Schöpfungsgeschichte, daß Gott sich Mann und Frau als starke Partner gedacht hatte und auch auf dieser Ebene die gegenseitige Ergänzung wollte (1. Mose 2, 18).

Die Beziehung zu Gott

Gott hat uns für eine Beziehung mit sich selbst erschaffen. Er bringt dem Menschen seine Liebe und seinen Segen entgegen und wünscht sich im Gegenzug, zurückgeliebt und geehrt zu werden. Und damit wir Gott wirklich lieben können, hat er uns nicht als Maschinen oder Roboter erschaffen, sondern uns mit einem freien Willen ausgestattet.

Ich zeichne einen inneren Kreis um die Figuren. Er symbolisiert die heile Beziehung zwischen Gott und Menschen. Über die Zeichnung schreibe ich »Zum Guten erschaffen«.

Vom Bösen zerstört

Wie kam es dazu, daß die Welt heute so aussieht wie auf der rechten Zeichnung?

Der Mensch wollte das Funktionsprinzip der wechselseitigen Ergänzung nicht akzeptieren. Der Mensch sieht sich selbst im Mittelpunkt. Alles soll auf ihn bezogen sein und ihm nützen.

Ich zeichne vier Pfeile von außen nach innen.

Die Selbstbezogenheit des Menschen hat Folgen auf allen drei Ebenen.

Die Beziehungen auf globaler Ebene

Wir haben die Schöpfung zerstört. Wir beuten den Planeten aus, um ein bequemes Leben zu führen. Wir roden Urwälder am Amazonas oder in Indonesien, um Profit zu machen und ohne Rücksicht auf Menschen, Tiere und Pflanzen. Wir blasen immer größere Mengen an CO2 in die Atmosphäre und können uns nicht einmal auf eine wirkliche Begrenzung der Steigerungsrate einigen. Und der Planet schlägt zurück durch Unwetter, Überschwemmungen und Dürren.

Von globalen Problemen durch Unterdrückung, Gewalt und Ungerechtigkeit ganz zu schweigen.

Die Beziehungen unter den Menschen

Wir verletzen andere, ob wir es wollen oder nicht – besonders die, die uns eigentlich am wichtigsten sind.

Ich zeichne eine Wellenlinie von oben nach unten zwischen den Figuren hindurch.

Die Beziehung zu Gott

Zumindest in unserem Kulturkreis leben die meisten Menschen so, als gäbe es keinen Gott. Andere haben Angst vor ihm. Oder sie verwechseln Gott mit der Kirche, sind zurecht enttäuscht und wenden sich von allem frommen Kram ab. Von verschiedenen Religionen ganz zu schweigen.

Ich zeichne einen kleinen Kreis mit einer Wellenlinie um die Figuren.

Über die Zeichnung schreibe ich »Vom Bösen zerstört«. Diese Welt, unsere Beziehungen untereinander und unsere Beziehung zu Gott sind unheilbar beschädigt oder zerstört.

Wo macht sich das in deinem Leben bemerkbar? Wo hast du selbst dazu beigetragen?

Wiederhergestellt zum Besseren

Aber Gott liebt uns und diese Welt und startete eine Rettungsaktion.

Ich zeichne unten rechts einen weiteren Kreis mit einer Wellenlinie. Er zeigt die kaputte Welt.

Ich zeichne einen Pfeil, der von oben in die Welt hineinkommt. Er zeigt: Gott greift ein. Er überläßt die Welt nicht sich selbst, sondern kommt in unseren Schlamassel hinein.

Ich zeichne ein Kreuz mitten in den Kreis. Das Kreuz steht für Jesus.

Jesus kam vor 2.000 Jahren in diese Welt, um dem Bösen etwas entgegenzusetzen: sich selbst.

  • Drei Jahre lang zog er von Ort zu Ort und gab uns neue Perspektiven. Er zeigte uns, wie wir gegen das Böse um uns herum und in uns selbst kämpfen können.
  • Schließlich nahm Jesus alles Kaputte auf allen drei Ebenen auf seine eigene Kappe. Daran ging er zugrunde. Er starb am Kreuz: Karfreitag.
  • Ostern feiern Christen seine Auferstehung. Jesus ist nicht totgeblieben. Er hat das Böse überwunden und ist jetzt selbst das Heilmittel für uns und für die Welt. Dieses Heilmittel bietet er uns an.

Die Heilung, die Jesus anbietet, wirkt sich auf allen drei Ebenen aus:

Die Beziehung zu Gott

Jesus heilt unsere Beziehung zu Gott. Wir brauchen nicht länger selbstbezogen zu leben und uns nur um unsere eigenen Dinge zu drehen. Du kannst eine Beziehung mit ihm eingehen, die geprägt ist durch Liebe und Vertrauen. Da geht es nicht um irgendwelche religiösen Regeln und Rituale, nicht um frommen Formalismus, sondern um ein echtes Miteinander. Neue Wertmaßstäbe bestimmen dein Denken, Fühlen und Handeln. Du bist völlig neu geworden. Denn du bist mit Christus in den Tod gegangen und mit Christus auferstanden. Mehr dazu ist zum Beispiel in 2. Korinther 5, 14-21 nachzulesen.

Die Beziehungen unter den Menschen

Jesus heilt unsere Beziehungen. Wir können einander vergeben, was wir uns gegenseitig an Verletzungen zugefügt haben. Wir können lernen, einander zu lieben. Vergebung ist ein mächtiges Mittel gegen Haß, Zorn, Verachtung und Verletzungen. Wer die Vergebung Jesu angenommen hat, kann auch anderen vergeben.

Am Fuß des Kreuzes zeichne ich Menschen ein, bei denen Jesus angefangen hat, sie selbst und ihre Beziehungen zu heilen. Ich zeichne sie dicht beieinander, um die Qualität ihrer Beziehungen zu zeigen.

Ich zeichne einen Kreis um das Kreuz und um die Figuren, die zum Kreuz gehören. Der Kreis hat keine Wellenlinie. Die Beziehung zu Gott ist in Ordnung. Über den Kreis schreibe ich »Wiederhergestellt zum Besseren«.

Die Beziehungen auf globaler Ebene

Umwelt, Regierungen, Unternehmen, Schulen – Gottes Liebe, sein Frieden, seine Gerechtigkeit können sich hier auswirken und sie prägen. Dazu gleich mehr.

Gesandt, um zu heilen

Ich zeichne erneut den äußeren Kreis – mit einer Wellenlinie, denn wir wissen ja, daß unsere Welt noch nicht in Ordnung ist.

Ich zeichne den inneren Kreis und das Kreuz in der Mitte.

In diesem inneren Kreis beginnt das, was die Bibel das Reich Gottes nennt. Über dieses Thema hat Jesus mehr gesprochen als über jedes andere Einzelthema. Beispielsweise sagt er in Markus 1, 15 sagt er: Erfüllt ist die Zeit und nahe herbeigekommen ist die Königsherrschaft Gottes. Ändert euer Leben und glaubt dem Evangelium!

Das Wort Evangelium war zur Zeit Jesu kein frommer Fachbegriff, sondern eine militärische oder regierungsamtliche Vokabel. Es war die »gute Nachricht« von der neuen Herrschaft des Römischen Reiches. Überall dort, wo die Römer ein Gebiet in ihr Weltreich einverleibt hatten, sandte der Kaiser Boten (griechisch Angelos → Engel), die den Menschen das »Evangelium« verkündeten:

Leute, ihr gehört jetzt zu Rom. Ihr braucht euch um nichts mehr Sorgen zu machen. Das Römische Reich bringt euch den Pax Romana. Es bringt euch Frieden, Fortschritt und Sicherheit. Ich braucht euch keine Sorgen mehr zu machen über Wegelagerer auf euren Reisen, keine Sorgen über Feinde, die in euer Land einfallen könnten, keine Sorgen über Wirtschaftskrisen. Das Römische Reich kümmert sich um das alles. Der Kaiser ist euer Herr und euer Retter!

Jesus hat diese den Menschen bekannte Begriffe aufgegriffen und mit neuen Inhalten gefüllt. Sein Reich hat aber nichts mit erobertem Land zu tun. Sein Reich ist da, wo das geschieht, was Gott will.

Gottes Reich kommt nicht durch militärische Stärke, es kommt nicht mit Gewalt und Unterdrückung. In seinem Reich herrschen Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit. Gottes Reich will Raum gewinnen auf allen drei Ebenen. Auf allen drei Ebenen beginnt Jesus einen Heilungsprozeß.

Die Beziehung zu Gott

Das Reich Gottes beginnt bei dir persönlich, wenn du Jesus die Leitung deines Lebens überträgst. Das ist anders als bei den Menschen in den eroberten römischen Provinzen. Die konnten sich nicht aussuchen, ob sie das Römische Reich wollten oder nicht.

Die Herrschaft Jesu in deinem Leben ist eine freiwillige Sache und deine eigene Entscheidung. Wenn du dich auf Jesus einläßt, verändert er sich und macht dich zu einem neuen Menschen. Das fängt klein an und greift in deinem Leben immer weiter Raum. Du wirst immer mehr so, wie die Welt sein sollte. Jesus macht dich fröhlicher, friedlicher, geduldiger, freundlicher, gütiger, treuer, bescheidener und selbstbeherrschter – siehe Galater 5, 22-23.

Die Beziehungen unter den Menschen

Jesus heilt deine Beziehungen zu anderen Menschen. Du vergibst anderen und erfährst selbst Vergebung. Auch das ist ein Prozeß, der Zeit braucht.

Ich zeichne vier Figurenpaare an die Außenlinie des inneren Kreises. Sie stehen für Menschen, deren Beziehungen Jesus in Ordnung gebracht hat.

Für viele Christen ist ihre Vorstellung vom Reich Gottes an dieser Stelle abgeschlossen. Die eigene Beziehung zu Gott ist in Ordnung. Die Beziehungen zu den Mitchristen sind ebenfalls mehr oder weniger in Ordnung. In der Gemeinde kommt man auf’s Ganze gesehen recht gut miteinander aus.

Gott möchte uns aber die Augen öffnen für seine größere Perspektive.

Die Beziehungen auf globaler Ebene

Jesus hat eine Bewegung in Gang gesetzt, um die ganze Welt zu heilen. Mit Leid und Ungerechtigkeit, Hunger und Korruption, Gewalt und Ausbeutung findet er sich nicht ab. Eines Tages wird diese Heilung vollständig sein. Eines Tages erschafft Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde. Bis dahin ruft Jesus seine Leute dazu auf, mitzuarbeiten und diese Welt ein Stück besser zu machen. Denn er macht das nicht einfach per Fingerschnippsen selbst.

Dazu ein Beispiel aus der Bibel: Als es darum geht, für 5.000 Männer plus Frauen und Kinder ein Abendbrot zu organisieren, fordert Jesus seine Jünger auf: »Gebt doch ihr ihnen zu essen!« Sie antworteten: »Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische.« (Lukas 9, 13). Jesus erwartet von uns, unsere Mittel und Möglichkeiten zu prüfen und das zu tun, was wir können. Er erwartet, daß wir uns mit dem, was wir können, an seiner Aufgabe beteiligen. Er erwartet nicht von uns, daß wir die Welt retten. Das hat er selbst getan. Und das tut er, indem er unsere fünf Brote und zwei Fische nimmt und Tausende satt macht. Darum ist es nicht aussichtslos, wenn wir uns in Gesellschaft und Politik engagieren.

Das kann zum Beispiel so aussehen, daß man am Arbeitsplatz den Mund aufmacht, wenn jemand gemobbt wird. Oder daß man bei einer Organisation wie der Dortmunder Tafel mitmacht, die Menschen hilft, denen das Geld für Lebensmittel fehlt. Oder daß man sich in der Politik dafür stark macht, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so zu verändern, daß weniger Menschen in Not geraten. Ich persönlich engagiere mich in der Piratenpartei, weil mir unsere Grundrechte und Bürgerrechte wichtig sind.

Das, was wir tun, wird auf Gott zurückfallen. Man wird erkennen, wer hier am Werk ist: »Die Menschen sollen eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen«, sagt Jesus seinen Leuten in Matthäus 5, 16.

Ich zeichne von dem der vier Figurenpaare einen Pfeil zum äußeren Kreis. Er zeigt, daß sich Christen für diese Welt und die Menschen einsetzen. Der Ursprung jedes Pfeils ist ein Figurenpaar, nicht eine einzelne Figur. Für Christen ist die Gemeinschaft untereinander entscheidend wichtig. Der Ursprung jedes Pfeils ist zugleich der innere Kreis. Aus der gemeinsamen Beziehung zu Gott stammt die Kraft, etwas in der Welt zu bewirken. Für uns ist wichtig, unsere Aufgabe zu erkennen und anzupacken. Um das Ergebnis kümmert sich Gott selbst.

Ohne Heilung des Menschen keine Heilung der Welt

Ich zeichne zwei parallele Linien zwischen den Kreisen oben links und unten rechts. Sie stehen für eine Kluft, für eine Barriere.

Ich zeichne einen Pfeil vom Kreis oben rechts in Richtung unten links, der vor der Barriere endet.

Mancher will die Welt heilen und direkt vom Kreis oben rechts (»Zerstörung«) nach unten links (»Heilung«) springen. Doch das gelingt nicht oder nur in Ansätzen. Warum? Weil wir in allem, was wir tun, immer uns selbst, unser Wesen einbringen: unsere Motivationen, unsere Sehnsüchte, unsere Methoden. Wenn Jesus uns nicht in Ordnung bringt, bleiben wir geprägt von Egoismus, Neid, Stolz, Feigheit, mangelndem Durchblick usw. Wir haben dann ja auch nur unsere eigene Kraft zur Verfügung – und die reicht nicht.

Wer wirklich die Welt ein Stück heilen will, muß selbst geheilt sein. Es ist Jesus, der dich durchgreifend in Ordnung bringen kann. Und er gibt dir seine Kraft, mit der du dich wirksam zur Heilung der Welt einsetzen kannst.

Ich zeichne einen Pfeil vom Kreis oben rechts zum Kreis unten rechts, und ich zeichne einen Pfeil vom Kreis unten rechts zum Kreis unten links.

Standortbestimmung

In welchem der vier Kreise befindest du dich?

  1. Im ersten Kreis ist für dich alles prima. Aber selbst, wenn das für dich persönlich stimmt, ist die Welt als ganze gar nicht prima. Wo ist dein Beitrag zur Heilung der Welt?
  2. Im zweiten Kreis bist du überwältigt von dem, was in der Welt kaputt ist – oder in deinem eigenen Leben. Aber es gibt Hoffnung. Jesus will dich und die Welt in Ordnung bringen. Laß dich auf Jesus ein!
  3. Im dritten Kreis bist du einer, den Jesus geheilt hat, trägst aber nichts dazu bei, unsere Welt zu heilen. Was hält dich eigentlich davon ab? Frage Jesus, an welcher Stelle er dich haben will, und tue, was er dir klarmacht!
  4. Im vierten Kreis bist du zusammen mit anderen unterwegs auf dem richtigen Weg. Bleibe mit Jesus verbunden im Gebet, versuche nicht, die Dinge nur durch deine eigene Kraft auf die Reihe zu kriegen!

Amen.


Quellen

  • James Choung, True Story: A Christianity Worth Believing In, IVP Books, 2008-04-30, ISBN 978-0830836093, 231 Seiten, Englisch