Schlagwort-Archive: Radioaktivität

Nachgerechnet: Ist der Super-GAU bezahlbar?

Bis zu 430 Mrd. Euro kostet ein Super-GAU laut FÖS-Studie.

Ein Super-GAU koste bis zu 430 Milliarden Euro und sei durch die bestehende Haftungs- und Deckungsvorsorge nicht abgedeckt, sagt eine kürzlich erschienene Studie. Selbst wenn die Summe stimmen sollte: Ist so etwas überhaupt bezahlbar? Eine Überschlagsrechnung zeigt: Ja, kein Problem.
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Dreisatztricksereien – Oder: Die verlorenen Mädchen von Gorleben

Säugling (Quelle: Stupidedia)

In der vergangenen Woche fand der Artikel »Gestörtes Geschlechterverhältnis durch Atommüll« des österreichischen »Standard« besondere Aufmerksamkeit. Die Autorin Julia Herrnböck bezieht sich auf die Untersuchung »Verlorene Mädchen« des Biostatistikers Hagen Scherb. Er hat das Zahlenverhältnis zwischen lebendgeborenen Mädchen und Jungen untersucht. Gestört sei es, dieses Zahlenverhältnis, meint Scherb, und zwar im Umkreis von 40 km um das Transportbehälterlager Gorleben herum, in dem hochradioaktiver Atommüll zwischengelagert ist. Dreisatztricksereien – Oder: Die verlorenen Mädchen von Gorleben weiterlesen

300 Tonnen täglich – Wie gefährlich ist das Fukushima-Wasser?

Neulich hatte ich hier über 100 Tonnen sauberes Grundwasser geschrieben, die TEPCO, Betreiberfirma des Kernkraftwerks Fukushima-Daiichi, täglich ins Meer leiten möchte, aber nicht darf. Seit dem 7. August 2013 wissen wir, daß unabhängig davon jeden Tag 300 Tonnen radioaktives Wasser ins Meer fließen, wie etwa die englischsprachige Japan Times berichtet. Woher kommt dieses Wasser? Wieso wird es radioaktiv? Wie kann man verhindern, daß es ins Meer fließt? Und vor allem: Wie gefährlich ist das eigentlich? 300 Tonnen täglich – Wie gefährlich ist das Fukushima-Wasser? weiterlesen

Lügen durch Weglassen oder: Warum schweigt der Minister?

Ist es Lüge, wenn ich nicht die ganze Wahrheit sage? Ist es Unwahrheit, wenn ich nur über bestimmte Dinge spreche, andere aber unter den Tisch fallen lasse?

Lügen durch Weglassen: Beschränkung auf einen Teilausschnitt ändert die Bildaussage fundamental.

Wie das geht, zeigt das nebenstehende Bild aus dem Irakkrieg. Je nachdem, auf welchen Ausschnitt des Gesamtbildes ich mich beschränke, ist die Aussage eine völlig andere. Links bekomme ich den bösen Soldaten, der einen Wehrlosen mit der Waffe bedroht, rechts den guten Soldaten, der einem Hilflosen Wasser einflößt. Durch geschicktes Weglassen eines Teils der Wahrkeit lüge ich zwar nicht direkt, aber ich verzerre die Wirklichkeit auf eine Art und Weise, die ihr nicht entspricht und mit der ich die Einstellung des Betrachters gezielt manipulieren kann, hier: seine Haltung zum amerikanischen Militär.

Doch nicht nur Bildjournalisten können durch Weglassen lügen. Unser Bundesumweltministerium kann das auch. Lügen durch Weglassen oder: Warum schweigt der Minister? weiterlesen

Grundwasser in Fukushima radioaktiv verseucht! Oder doch nicht?

Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi. Im Vordergrund Tanks mit kontaminiertem Wasser, im Hintergrund die zerstörten Reaktorblöcke 1 bis 4. Quelle: Kiwinews

In den japanischen und englischsprachigen Medien macht gerade die Meldung die Runde, das Grundwasser in Fukushima sei radioaktiv verseucht. Tepco finds groundwater contaminated with radioactive cesium, titelt beispielsweise die Japan Times. In Reversal, Tepco Says Water at Fukushima Is Contaminated, ist in der New York Times zu lesen.

Grundwasser ins Meer

Worum geht es? TEPCO, die Betreiberfirma des havarierten Kernkraftwerks Fukushima-Daiichi, kämpft mit gewaltigen Grundwassermengen, die durch Risse in die zerstörten Reaktorgebäude eindringen. Es fließt also kein radioaktives Wasser aus den Gebäuden heraus, wie viele glauben, sondern es ist genau umgekehrt: Wasser strömt hinein – und zwar jeden Tag 400 Kubikmeter.
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10 coole Fakten zum Atommüll

Von Things Worse Than Nuclear Power (Übersetzung: Rainer Klute)

  1. Wie der Größenunterschied zwischen Mensch und Mond: die Energiedichten von chemischen und Kernbrennstoffen

    Atommüll aus gebrauchten Brennelementen enthält noch 95% seiner Energie. Wenn wir die nicht nutzen, ist das, wie wenn man von einem Liter Limo ein paar Esslöffel nimmt und den Rest wegkippt.

  2. Die Energiedichte von Kernbrennstoff ist rund 2.000.000 Mal höher als die von Kohle, Öl oder Biomasse. Das heißt: die Menge an Atommüll ist superklein im Vergleich zu der superriesigen Menge an freigesetzter Energie. 2.000.000 Mal – das ist dasselbe Verhältnis wie zwischen dem Durchmesser des Mondes und der Größe eines Erwachsenen.
  3. Atommüll kann recycelt werden. Während des Recyclens produziert er Energie, statt welche zu verbrauchen. Bill Gates steht hinter einem Unternehmen, das genau dies auf eine neue Art und Weise tun will.
  4. Der Integral Fast Reactor (IFR)

    Durch das Recyclen wird die radioaktive Lebensdauer der Abfälle auf rund 300 Jahre verkürzt. Dies (Punkt 3 und 4) ist mit Hilfe Schneller Reaktoren möglich – nachgewiesen in über 400 Reaktorjahren Betriebserfahrung.

  5. Es ist wirklich cool, dass alle radioaktive Elemente mit der Zeit zerfallen – und je radioaktiver sie sind, desto schneller geht das. Einige Elemente zerfallen in wenigen Sekunden. Als Faustregel gilt, dass die Elemente nach dem Zehnfachen ihrer Halbwertszeit effektiv verschwunden sind.
  6. Mit einem Geigerzähler kannst du deine Radioaktivität messen. Ja, deine, denn du bist radioaktiv!

    Man kann sogar ein einzelnes Atom radioaktiven Materials erkennen. So leicht und mit solch hoher Genauigkeit geht das mit anderen Schadstoffen nicht, obwohl sie noch gefährlicher sind, z.B. Quecksilber, Blei, Stickoxide oder Schwefeldioxid. Weltweit setzen mit fossilen Brennstoffen befeuerte Kraftwerke jede Minute erhebliche Mengen dieser gefährlichen Schadstoffe frei. Und die zerfallen nicht mit der Zeit. Viel schlimmer: Metalle wie Quecksilber reichern sich im Körper an.

  7. Spaltprodukte retten Leben. Viele wichtige medizinische Isotope – zum Beispiel für Krebsdiagnostik und -therapie – lassen sich nur durch Bestrahlung in Kernreaktoren herstellen. Cäsium-137, ein Spaltprodukt, kann Blut in Blutbanken schützen und das Leben von Babys und an Immunschwäche Leidenden retten. Dies nur als ein einziges Beispiel, wie sich Spaltprodukte aus Kernreaktoren nutzen lassen.
  8. Transportbehälter wie der CASTOR zählen zu den widerstandsfähigsten Strukturen, die je von Menschen gemacht wurden. Sie können Stürze aus großer Höhe, Flugzeugabstürze oder Explosionen überstehen.
  9. Medizinische Isotope werden in Kernreaktoren produziert.

    In der Geschichte der kommerziellen Kernkraftnutzung gibt es keinen einzigen bekannten Fall, in dem gebrauchter Kernbrennstoff gestohlen wurde. Er besteht aus viel zu vielen verschiedenen Substanzen und ist in der Handhabung zu problematisch für jemanden, der Böses im Schilde führt.

  10. Selbst wenn man die schlimmsten Unfälle in kerntechnischen Anlagen mitzählt, schneidet Kernenergie in puncto Sicherheit unter allen Energiearten am besten ab und hat die wenigsten Todesfälle pro erzeugtem Terawattjahr – vor jeder anderen Art der Energieerzeugung einschließlich Windkraft, Photovoltaik, Erdgas und Kohle. In der gesamten Geschichte der Kernkraftnutzung in den USA ist kein einziger Mensch ums Leben gekommen, weil er der Strahlung aus Atommüll ausgesetzt gewesen wäre.

Also: Haben wir es wirklich mit »Abfall« zu tun? Oder ist das nicht eher gebrauchter Brennstoff mit einer Menge Mehrwert für unsere Gesellschaft?

Diesen Beitrag findet ihr im englischsprachigen Original unter 10 Cool things about Nuclear Waste von Things Worse Than Nuclear Power.

Strahlenschutz der Realität anpassen!

Das Reaktorunglück im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi und die radioaktiven Freisetzungen zwangen 160.000 Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. 70.000 von ihnen dürfen auch jetzt noch nicht in ihre Häuser zurück.

Grundlage für Evakuierungsmaßnahmen sind Strahlenschutzvorschriften. Deren Grundgedanke ist es, Strahlenbelastungen der Menschen möglichst zu vermeiden. Daher evakuiert man lieber zu früh als zu spät. Allerdings bedeuten auch Evakuierungsmaßnahmen eine Belastung für die Betroffenen. So starben in Fukushima 1.100 Menschen an den Folgen der Evakuierung.

Durch die Strahlung hingegen kam niemand ums Leben, auch nicht im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi selbst. Die Frage ist also berechtigt, ob die Evakuierungsmaßnahmen nicht mehr Schaden als Nutzen angerichtet haben. Wenn man dies bejaht, schließt sich die nächste Frage an: Wie hoch darf die Strahlenbelastung sein, um unterhalb der Evakuierungsbelastung zu bleiben?

Dr. Jerry Cuttler beschäftigt sich in seiner Forschungsarbeit seit über 15 Jahren mit den gesundheitlichen Folgen von Niedrigstrahlung, also Strahlung in der Größenordnung, wie sie in Fukushima und anderswo in der Welt auftritt. In seinem Paper Commentary on Fukushima and Beneficial Effects of Low Radiation faßt er die Ergebnisse internationaler Forschungen zusammen und gibt einen Überblick über den aktuellen Wissensstand.

Das Ergebnis dürfte manchen überraschen: Der Mensch ist für deutlich höhere Strahlendosen geschaffen, als allgemein angenommen wird.

Cuttler fordert, die Strahlenschutzvorschriften der Realität anzupassen und denkt an den von der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) im Jahr 1934 ursprünglich festgelegten Grenzwert von 0,2 r/d, was umgerechnet etwa 680 mSv/a (Millisievert pro Jahr) entspricht. Zum Vergleich: Die deutschen Strahlenschutzvorschriften legen eine effektive Dosis von 20 mSv/a für beruflich strahlenexponierte Personen fest und 1 mSv/a für die allgemeine Bevölkerung.

Cuttlers Aufsatz erschien in der März-Ausgabe 2013 des Canadian Nuclear Society Bulletin und ist nun frei verfügbar. Ich übersetze hier die Zusammenfassung:

»Zwei Jahre, nachdem 160.000 Menschen aus Fukushima evakuieren mußten, dürfen 70.000 bis heute nicht zurückkehren. Die 1.100 Opfer der Evakuierungsanordnung zeigen, daß diese Vorsichtsmaßnahme, die die Krebsrisiken minimieren sollte, keineswegs »konservativ« war. Hier werden aktuelle Studien untersucht hinsichtlich der Auswirkungen radioaktiver Freisetzungen und hinsichtlich des Nutzens medizinischer Strahlenanwendungen, die bis zu den 1950er Jahren durchgeführt wurden – bevor die Strahlungsangst entfesselt wurde. Aktuelle Forschungen beleuchten die hohe Anzahl spontaner Doppelstrangbrüche in der DNS und den adaptiven Schutz in Zellen, Gewebe und Menschen – ein Schutz, der durch Niedrigstrahlung verstärkt wird. Diese Verteidigungsmechanismen schützen; sie reparieren, entfernen und ersetzen Schäden sämtlicher Ursachen einschließlich externer Einwirkungen. Die Krebssterblichkeit wird reduziert. Das ICRP-Konzept des Strahlungsrisikos ist falsch. Es sollte auf den Stand von 1934 zurückgesetzt werden, das eine Dosis von 0,2 r/d erlaubte – auf der Grundlage von 35 Jahren medizinischer Erfahrung.« [0,2 r/d (Röntgen pro Tag) sind umgerechnet etwa 680 mSv/a.]