EpiWorks liefert POET-Wafer

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EpiWorks Inc. wird in den nächsten Jahren epitaktisch beschichtete Wafer für die Massenfertigung von POET-Chips liefern. Dies gab POET Technologies gestern in einer Medienmitteilung bekannt. Diese Wafer bilden die Grundlage für die Produktion optolektronisch integrierter Chips nach dem POET-Verfahren. Dazu zählt der VCSEL-Transceiver, den POET zur Zeit entwickelt. Bereits am Montag hatte das Unternehmen zu einer Audiokonferenz eingeladen, in der POET über den aktuellen Stand des operativen Geschäfts informieren will.

English abstract: EpiWorks Inc. will supply epitaxially coated wafers for the mass production of POET chips, as POET Technologies announced yesterday in a news release. These wafers are the basis for the production of optoelectronic chips in the POET process, like e.g. the VCSEL transceiver POET Technologies is currently developing. On Monday the company invited to a conference call to give an operational update.

POET Technologies entwickelt zur Zeit einen besonders leistungsfähigen und kostengünstigen VCSEL-Transceiver für optische Datenverbindungen in Rechenzentren. Auf kurzen und sehr kurzen Strecken gibt es dazu derzeit keine Alternativen, so daß POET hier einen neuen Markt schafft und erschließt. Mehr dazu in folgenden Beiträgen:

Grundlage für die Chipproduktion

Wafer von 2 bis 8 Zoll

Abbildung 1: Wafer von 2 bis 8 Zoll (Quelle: Wikimedia Commons)

POET Technologies sieht einen großen Bedarf für seine VCSEL-Transceiver und strebt daher eine Massenproduktion mit hohen Volumina an.

Wer etwas produzieren will, braucht dafür das entsprechende Ausgangsmaterial. Für die Chipherstellung sind es Wafer, runde Scheiben mit einem Durchmesser von – bei Silizium – bis zu 30 Zentimetern (12 Zoll) oder sogar 45 Zentimetern (18 Zoll). Auf diesen Wafern entstehen durch verschiedene Herstellungsschritten die integrierten Schaltkreise.

Abbildung 1 zeigt einige Wafer in verschiedenen Größen. Die Gittermuster lassen die Chips erkennen, die auf den Wafern erstellt wurden. Im nächsten Schritt wird der Wafer zersägt, um die einzelnen Chip zu erhalten.

Die von POET Technologies benötigten Galliumarsenid-Wafer stehen zur Zeit mit einem Durchmesser von bis zu 15 Zentimetern (6 Zoll) zur Verfügung.

Beschichteter Wafer

Abbildung 2: Beschichteter GaAs-Wafer (symbolisch)

Mit dem Wafer allein ist es aber nicht getan. Bevor die eigentliche Chipherstellung beginnen kann, müssen die Galliumarsenid-Wafer für das POET-Verfahren mit 87 speziellen Beschichtungen versehen werden, siehe Abbildung 2. Aus welchen Materialien diese Beschichtungen bestehen, wie dick oder besser dünn sie sind und viele weitere Einzelheiten sind Bestandteile des patentierten POET-Verfahrens.

Das Aufbringen dieser Beschichtungen ist die Dienstleistung, die EpiWorks für POET Technologies erbringt. Bereits im vergangenen August hatte POET mitgeteilt, Absichtserklärungen mit potentiellen Wafer-Lieferanten geschlossen zu haben (siehe »Für POET-Wafer ist gesorgt«); jetzt ist mit EpiWorks ein erster Partner bekannt.

Durch die Partnerschaft mit EpiWorks hat POET Technologies den Anfang seiner Wertschöpfungskette abgedeckt. Diese Wertschöpfungskette sieht so aus:

  1. EpiWorks liefert die Galliumarsenid-Wafer, die gemäß dem von POET Technologies entwickelten Rezept epitaktisch beschichtet sind.
  2. Anadigics – und später weitere Produktionspartner, die höhere Volumina fertigen können – stellen aus diesen Wafern die von POET Technologies entwickelten VCSEL-Transceiver her.
  3. Die VCSEL-Transceiver will POET Technologies ab Q4 2016 auf den Markt bringen. Auch dies soll mit Hilfe eines Partnerunternehmens erfolgen.

Punkt 1 ist abgehakt, Punkt 2 ist in Arbeit, Punkt 3 steht noch aus.

Neues Verfahren

EpiWorks beschichtet die Galliumarsenid-Wafer nicht wie POET Technologies im Labor mittels Molekularstrahlepitaxie (molecular beam epitaxy, MBE), sondern durch metallorganische chemische Gasphasenabscheidung (metal-organic chemical vapour deposition, MOCVD).

Was das jeweils ist, kann man unter den obigen Links in der Wikipedia nachlesen. An dieser Stelle sind zwei Unterschiede wesentlich: MOCVD ist es weniger aufwendig und eignet sich für die Produktion großer Stückzahlen besser als MBE. Andererseits ist die Präzision von MOCVD geringer als bei MBE, auch wenn sich Schichtdicken im Bereich von Bruchteilen von Nanometern realisieren lassen.

Natürlich hat POET Technologies die per MOCVD beschichteten Wafer getestet und offenbar mit guten Ergebnissen. »Die ersten Resultate sind vielversprechend«, äußert sich POET-Chef Dr. Suresh Venkatesan zufrieden. »MOCVD eignet sich in der Fertigung besser als MBE und bringt uns schneller zur technischen Reife.« Aufgrund der erfolgreich abgeschlossenen Tests habe man nun offiziell ein Lieferabkommen geschlossen und bekanntgegeben.

Keine Einzelheiten

Über Details wie die angestrebten Stückzahlen oder auch nur die Laufzeit der Vereinbarung schweigt sich POET Technologies aus. Immerhin klar, daß es hier nicht um kleine Stückzahlen für Forschung und Entwicklung geht, sondern um eine auf Jahre hinaus angelegte Massenproduktion.

In Foren wurden bereits Spekulationen laut, dann sei ja wohl auch der Prototyp des VCSEL-Transceivers fertig. Das kann ich der Vereinbarung mit EpiWorks zwar nicht entnehmen, aber immerhin spricht daraus eine sehr hohe Zuversicht, dieses Ziel zu erreichen. Die Frage ist nicht nach dem Ob, sondern nach dem Wann.

Bestätigungen

Wer bislang die von Suresh Venkatesan in der Audiokonferenz Ende September versprochenen Bestätigungen für POETs Vorankommen auf dem Weg zur Kommerzialisierung vermißt hat: Dies ist eine.

Bis zur nächsten Audiokonferenz am 16. Februar könnten weitere Nachrichten kommen, beispielsweise zu den neuen Vice Presidents Liew-Chuang Chiu und Vikas Gupta, zum Stand der Transceiver-Entwicklung, zu weiteren Produktionspartnern oder sogar zu Vertriebspartnern. In jedem Fall muß POET Technologies alle wesentlichen Neuigkeiten, die in der Audiokonferenz näher diskutiert werden sollen, vorher über den offiziellen Kanal Marketwired bekanntgeben, und sei es wie beim letzten Mal eine Stunde vor Beginn der Audiokonferenz.

Die nächste Audiokonferenz wird am 16. Februar ab 17 Uhr Eastern Standard Time (EST) beziehungsweise 23 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) stattfinden. Für diese Veranstaltung hatte Suresh Venkatesan detailliertere Einblicke in die POET-Strategie versprochen. Man darf gespannt sein!

Wie man per Internet oder Telefon teilnehmen kann, ist der POET-Mitteilung vom 2016-01-11 zu entnehmen.

Der Aktienkurs

Nach Bekanntgabe der Zusammenarbeit mit EpiWorks zog der Aktienkurs am 2016-01-12 moderat um 5,8 Prozent auf 0,91 CAD an. Der Markt nahm die Nachricht positiv auf, auch wenn sie noch nicht den großen Wurf darstellt. Dazu muß erst noch das Ende der Wertschöpfungskette realisiert und Produkte verkauft werden. Dies erwartet POET Technologies später in diesem Jahr.


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