Halbjahreszahlen

Die Hauptversammlung der POET Technologies hat den am 12. August veröffentlichten Halbjahresbericht ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Das Unternehmen meldet für das erste Halbjahr 2014 einen Verlust von 4,8 Mio. US-Dollar (USD), keine Schulden und einen Barbestand von 12,8 Mio. USD mit einer Reichweite von 24 Monaten.

English abstract: POET Technologies‘ Annual General Meeting pushed their semi-annual report a little bit in the background. The company reports a loss of 4.8 million US dollars (USD) for the first six months in 2014, no debths and 12.8 million USD in cash with a reach of 24 months. Other topics are the road to NASDAQ, achievement of the 100 nm target, arrangements with UConn, Ajit Manocha in key position, „attorney speak“ for naysayers, and more.

 

Keine Überraschung: neue Verluste

Der aktuelle Finanzbericht besteht wie üblich aus zwei Teilen:

Ich habe mir die aktuelle Management’s Discussion and Analysis angesehen, neben den entsprechenden Bericht zum 31. März 2014 gelegt und verglichen. In der aktuellen Fassung wurden die Zahlen fortgeschrieben, Rechtschreibfehler korrigiert, redaktionelle Änderungen durchgeführt und die wesentlichen Ereignisse des zweiten Quartals ergänzt. Dinge, die nicht mehr aktuell sind, fielen weg.

Hier soll es vor allem um einen Überblick der inhaltlichen Unterschiede zwischen den beiden Dokumenten gehen. Von den Zahlen nenne ich nur die wichtigsten. Wer mehr wissen will, schaue sich die oben verlinkten Originaldokumente an.

Die wichtigsten Zahlen

Als noch umsatzfreies Unternehmen hat POET Technologies wie zu erwarten erneut Verluste eingefahren. Die fielen im ersten Halbjahr 2014 mit 4.758.986 US-Dollar (USD) allerdings deutlich höher aus als im Vergleichszeitraum des Vorjahres ( 3.599.769 USD). Grund dafür ist die Ausgaben von zwei Millionen Aktien an die University of Connecticut (siehe unten).

Die liquiden Mittel betrugen am Stichtag 30. Juni 12.515.922 USD – ein deutlicher Anstieg gegenüber 9.053.311 USD am Ende des ersten Quartals beziehungsweise 3.272.349 USD Ende 2013. Das frische Geld stammt zum einen aus der im Februar durchgeführten Kapitalerhöhung (4,5 Mio. USD), zum anderen aus der Ausübung von Optionen und Warrants (6,9 Mio. USD). Das drückt zwar erheblich auf den Aktienkurs, bringt aber das nötige Geld in die Kasse, um die Zeit bis zu den ersten Umsätzen durchzustehen. 24 Monate könne POET Technologies mit dem aktuellen Barbestand durchhalten, sagt der Halbjahresbericht. Das sollte mehr als genug sein, erwartet POET Technologies doch spätestens Anfang 2015 die ersten Einnahmen aus Non-Recurring Engineering.

Das Unternehmen ist schuldenfrei. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten betragen 238.397 USD.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen von 569.465 im HJ1 2013 um 105.685 USD auf 675.150 USD im HJ1 2014. Hauptgrund ist die Einstellung von Daniel DeSimone als Vice President Product Development im April.

Der Wert der an Mitarbeiter ausgegebenen Optionen ist von 1.727.894 USD (2.250.000 Optionen) im ersten Halbjahr 2013 auf nur noch 958.332 USD (250.000 Optionen) im ersten Halbjahr 2014 gefallen. Das hat aber nichts mit einer neuen Mitarbeitervergütungspolitik zu tun, sondern liegt lediglich daran, daß die Ausgabe der meisten Optionen typischerweise am Tag der Hauptversammlung erfolgt. Und die fand 2013 im ersten Halbjahr statt, im laufenden Jahr jedoch im zweiten. Wir werden also im zweiten Halbjahr 2014 einen entsprechenden drastischen Anstieg der Optionen zu verzeichnen haben.

Auf dem Weg zur NASDAQ

Am 2014-07-01 schloß POET Technologies die Registrierung bei der US-Börsenaufsicht SEC ab. Um den höheren Publizitätspflichten für an der NASDAQ notierte Unternehmen nachzukommen, hatte POET Technologies zu Beginn des Jahres das Formblatt 20-F mit umfassenden Unternehmensinformationen eingereicht. Anschließend gab es noch die eine oder andere Unklarheit auszuräumen. Aktuell ist nun das Formblatt 20-F in der Fassung vom 2014-06-12.

Wer über POET Technologies Bescheid wissen will, braucht dieses Dokument. Wer es nicht komplett lesen mag, sollte zumindest das Kapitel 4 („Information on the company“) studieren.

Die Vorbereitung von 20-F war nicht billig und hatte vor allem im Jahr 2013 Kosten für externe Berater verursacht.

100-Nanometer-Ziel erreicht

War vor drei Monaten noch von »deutlichen Fortschritten« bei der Strukturverkleinerung auf 100 Nanometer (nm) die Rede, so ist das Ziel laut aktuellem Bericht erreicht („achieved“). Als nächstes stünden Performanzoptimierungen an, ein Vorgang, bei dem möglicherweise die Hilfe von Foundries oder Partnern benötigt werde.

In jedem Fall sind 100 nm nur eine Zwischenstufe, denn laut POET-Chefwissenschaftler Dr. Geoffrey Taylor gibt es keine prinzipiellen Probleme, die Chipstrukturen auch auf 15 nm und sogar bis zu 10 nm zu verkleinern. Eine Verringerung bis 40 nm sei sogar im eigenen Labor möglich.

 

UConn-Vereinbarungen

Der Quartalsbericht vom 31. März warnte, der Mietvertrag für die Laborräume mit der University of Connecticut (UConn) laufe am 2015-03-31 aus, was einen Umzug mit Kosten und Zeitausfall erfordern könne. Dieses Risiko ist inzwischen entfallen, denn im aktuellen Bericht ist davon nichts mehr zu lesen. Offenbar haben POET Technologies und die Universität eine Verlängerung vereinbart.

Wie bereits berichtet, haben sich POET Technologies und die UConn auf eine Neufassung der Lizenzbestimmungen geeinigt. Nach den neuen Regeln braucht POET Technologies von den selbst eingenommenen Lizenzgebühren nur noch 3 statt 30 Prozent an die Universität abzuführen. Im Gegenzug erhielt die UConn zwei Millionen Aktien. Hatte die UConn nach dem Q1-Bericht dieser Änderung zugestimmt, ist diese gemäß Q2-Bericht inzwischen vollzogen. Die Aktien darf die UConn nicht vor dem 2016-05-31 verkaufen, was die jüngste Fassung des Quartalsberichts anders als der Q1-Bericht allerdings verschweigt.

Die zwei Millionen Aktien für die Universität sorgten für eine deutlich spürbare Sonderausgabe, denn sie schlugen in der POET-Kasse mit 1,4 Mio. Dollar zu Buche.

Ajit Manocha in Schlüsselposition

Ajit Manocha

Knapp außerhalb  des Berichtszeitraums gab das Unternehmen am 2014-07-07 die Einstellung von Ajit Manocha als Executive Vice Chairman bekannt. Der Halbjahresbericht zitiert Manochas Fähigkeiten und seinen Werdegang aus der Medienmitteilung. Manochas Aufgabe sei, in enger Zusammenarbeit mit POET-Chef Copetti die strategische Ausrichtung des Unternehmens festzulegen und bei der Umsetzung mitzuwirken. Was der Bericht nur andeutet: Manocha ist als ehemaliger CEO von GlobalFoundries in der weltweiten Halbleiterindustrie ausgezeichnet vernetzt und kann durch seine Kontakte die Verbreitung der POET-Technik entscheidend voranbringen. Manocha ist weiterhin als Berater für GlobalFoundries tätig. Er sitzt im Aufsichtsrat von SVTC Technologies und Signet Solar und gehört dem U.S. Presidential Committee for Advanced Manufacturing Partnership an.

Mit dem Hinweis auf die Einstellung Manochas entfällt im Q2-Bericht gegenüber dem Q1-Bericht ein Passus, der die Einstellung weiterer Mitarbeiter als entscheidenden Erfolgsfaktor benennt. Offenbar sind die Schlüsselpositionen nunmehr alle besetzt und es besteht kein unmittelbarer Bedarf an führenden Mitarbeitern.

Anwaltssprech

Für die Schwarzseher unter euch wurden die Formulierungen an zwei Stellen des Berichts durch deutlich vorsichtigere Fassungen ersetzt. Wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte, handelt es sich bei den Neuformulierungen jedoch lediglich um »Anwaltssprech« („attorney speak“).

Die erste dieser Änderungen findet sich in dem einleitenden Satz, der den Vorteilen der POET-Plattform vorausgeht. Hieß es zuvor:

  • »Wir erwarten, daß die POET-Plattform der Industrie folgende Vorteile bieten wird.« („We anticipate that the POET platform will provide the following advantages to the industry.“)

heißt es nun:

  • »Wir streben danach, die POET-Plattform so zu entwickeln, daß sie der Industrie folgende Vorteile bietet.« („We are striving to develop the POET platform to provide the following advantages to the industry.“)

Das schraubt von der Wortwahl her die Erwartungen etwas zurück. Ist man sich womöglich bei den erreichbaren Eigenschaften nicht mehr so sicher? Der Text der angekündigten Vorteile blieb jedenfalls unverändert:

  • Bis zu 100fache Geschwindigkeitsverbesserung gegenüber Silizium-CMOS
  •  Bis zu 90% Energieeffizienzverbesserung gegenüber Silizium-CMOS (abhängig von der Anwendung)
  • Flexibler Einsatz in so gut wie jedem technischen Anwednungsbereich einschließlich Speicher, digital/mobil, Sensor/Laser, elektro-optisch und andere
  • Kein größerer Umbau oder sonstige Änderungen in bestehenden Silizium-Fabs nötig

Die vorsichtigere Wortwahl findet sich noch deutlicher etwas weiter unten. Dort wurde die Formulierung:

  • »Die POET-Plattform … wird, sobald sie vollständig entwickelt ist, es ermöglichen …« („The POET platform … when fully developed will make possible …“)

ersetzt durch:

  • »Die POET-Plattform … dürfte, falls und sobald sie vollständig entwickelt ist, es ermöglichen …« („The POET platform … if and when fully developed may make possible …“)

Sonstiges

  • Das Special Strategic Committee (SSC) taucht im Q2-Bericht nicht mehr auf. Diese Gruppe hat ihre Aufgabe erfüllt und wurde aufgelöst.
  • Zum Thema industrielle Validierung der POET-Technik ändert der aktuelle Quartalsberichts ein Wort gegenüber der Vorversion und präzisiert, die Herstellung der Wafer für den validierten Infrarotdetektor sei nicht nur mit („with“), sondern durch („by“) BAE Systems erfolgt.
  • Seit 2014-04-28 fungiert Taylor Rafferty als Investor-Relations-Firma für POET Technologies. Das Unternehmen folgte damit Christopher Chu, der von Grayling zu Taylor Rafferty wechselte.
  • Die Zahlungen aus dem SBIR-Programm der US-Regierung laufen noch bis zum Jahresende weiter. Im zweiten Quartal 2014 kamen 85.204 USD herein.
  • Eine Änderung des Bewertungsverfahrens für Patente und Lizenzen führte zu einer Neubewertung von jetzt 125.676 USD statt zuvor 38.790 USD.

Bitte beachten Sie die Hinweise zu Risiken und zum Haftungsausschluß!

10 thoughts on “Halbjahreszahlen”

  1. Respekt!

    Deficit, end of period $(71,753,688)
    der Wahnsinn was hier für Aktionärskohle verbrannt wird.
    Wo soll das enden? Bei einer Milliarde?

    und Verwässert wird gnadenlos

    Outstanding Share Data
    Common Shares
    As of June 30, 2014 and August 12, 2014, there were 159,629,759 and 163,773,384 respectively, outstanding
    common shares of the Company.
    Stock Options and Warrants
    As at June 30, 2014 and August 12, 2014, the Company had 33,189,539 and 32,282,413 respectively, warrants and
    compensation warrants outstanding to purchase common shares at exercise prices ranging from $0.22 – $1.00
    Total stock options outstanding as at June 30, 2014 and August 12, 2014 were 23,667,750 and 22,367,750, priced
    between $0.22 and $1.68 per common share.
    Additional detailed share data information is available the Company’s Notes to Consolidated Financial Statement.

    gut für Poet, dass man sich rechtlich schon absichert und Wörter wie „dürfte, falls“ benutzt.
    Kurse um die 10 Cent und darunter werden wir wohl tatsächlich wiedersehen….

    1. Tja, Cooper, du hast es offenbar immer noch nicht verstanden oder willst es nicht verstehen. Wir haben zwei Phasen:

      In der ersten Phase entwickelt man ein Produkt. Das kostet Geld und es entstehen Verluste. In der zweiten Phase ist das Produkt fertig und man verdient Geld damit. Das ist überall so, ist völlig normal und geht gar nicht anders. POET Technologies befindet sich noch in der ersten Phase.

      War das jetzt einfach genug?

  2. Lasst ihn doch. Einer ist doch immer dabei. Ich für meinen Teil glaube an die Aktie, auch wenn die Umformulierungen des Anwalts tatsächlich etwas verunsichern.

  3. ja Rainer, mit Phase 2 wird es wohl ein Problem geben.
    Genauso wie mit dem letzten High End Gerät aus dem Hause Poet Technologies ehemals OPEL International Inc!

    Voller Optimismus verkündete man damals lautstark
    Zitat:
    „We are very excited to enter into this contract with OPEL,“ said Dr.
    Raed Sherif, General Manager, Terrestrial Photovoltaic Products for
    Spectrolab. „We realize the significant cost benefit that our high efficiency
    solar cells provide to our customers and we look forward to supplying OPEL and
    its customers with even better efficiency ratings, reaching 40% in 2010.“
    http://www.newswire.ca/fr/story/387197/opel-international-secures-solar-cell-supply-with-boeing-spectrolab

    was ist aus dieser Revolution geworden?

    NICHTS

    der „Chip“ wird das gleiche Schicksal erleiden, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche!

    1. Cooper, deine Argumente waren bislang schwach und werden immer schwächer!

      Du dürftest wissen, daß das heutige Unternehmen POET Technologies mit dem Solargeschäft der früheren OPEL International genau NICHTS zu tun hat. Die Aussagekraft deines Posts ist daher nicht nur null, sondern weit schlimmer. Es ist eine gezielte Falschinformation, um Anleger irrezuführen, die diese Einzelheiten nicht kennen.

      Weitere Kommentare von dir werde ich daher in meinem Blog nicht mehr freischalten. Bitte suche dir eine andere Spielwiese!

      1. Den Unsinn von Cooper endlich nicht mehr lesen zu müssen, ist eine gute Nachricht. Deine Begründung ist aber etwas kurz gegriffen. POET baut auf OPEL auf und beides basiert auf der wissenschaftlichen Arbeit von Taylor: Ohne OPEL kein POET. Also bitte OPEL nicht kleinreden. Fast alle meine Aktien tragen auch noch den OPEL-Stempel, das nur am Rande.

        Noch ein Wort zu deinem Schätzmodell, dem die Logik durchaus nicht abzusprechen ist: die Zahlen sind verrückt, einfach nur verrückt. Wenn ich die mit meiner Aktienanzahl – über dem Agoracom-Durchschnitt – multipliziere … Wahnsinn. Bin gespannt auf die Ent- oder Verwicklungen, die diese Zahlen verhindern.

        1. Ohne OPEL kein POET ist richtig, aber umgekehrt gilt das nicht. Taylor und POET waren ja bis 2012 immer nur Anhängsel von OPEL, weil dem alten Management das Solargeschäft so wichtig war. Wie gut, daß das endlich weg ist!

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