Atomtalk im Hangar-7

Am 18. Juli 2019 hatte ich das Vergnügen, zum Thema »Streitfall Atomkraft: Kernenergie als Klimaretter?« beim »Talk im Hangar-7« dabei zu sein. Der österreichische Privatsender Servus TV hatte mich eine Woche zuvor kontaktiert und angefragt, ob ich Interesse hätte, als kernkraftbefürwortender Talk-Gast in einer Live-Sendung mitzumachen. Klar, hatte ich natürlich!

Die endgültige Zusage zog sich dennoch hin, und erst am Mittwochvormittag war klar, dass die Sendung tags darauf tatsächlich zu diesem Thema stattfinden würde. Wenn ich es richtig verstanden habe, zog es sich wohl etwas hin, Vertreter der »anderen«, der antinuklearen Seite zu finden.

Gefällt nicht jedem: CO2-arme Kernenergie

Wer Kernenergie ablehnt, und zugleich das Klima schützen will, steckt ja auch in einer Zwickmühle. Denn es ist ja ausgerechnet die Kernenergie, die praktisch CO2-freien Strom in beliebigen Mengen produziert. Kernenergie ist so CO2-frei wie Windkraft und viermal CO2-freier als Photovoltaik. Und Kernenergie liefert nicht nur dann, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht, sondern zuverlässig 24×7×365. Für Klimabesorgte wäre Kernenergie also eigentlich die ideale Lösung – wäre sie nur nicht so furchtbar und schrecklich »Atom!!!«.

Die Diskussionsrunde zum Thema Klimawandel und Kernenergie

Schließlich stand die Gästeliste aber doch fest: Schauspieler Werner Brix, Informatiker und Nuklearia-Vorsitzender Rainer Klute, Nuklearphysikerin Eileen Langegger, Moderator Michael Fleischhacker, Joanneum-Research-Direktor Franz Prettenthaler und Global-2000-Antiatom-Sprecherin Patricia Lorenz.

Eileen Langegger und ich kannten uns bereits seit drei Jahren via Facebook, und es war eine Freude, ihr und ihrem Ehemann »in echt« zu begegnen. Eileen hatte mir 2016 mit ihren Französischkenntnissen bei der Recherche zum Artikel »Keine Vertuschung in Fessenheim« geholfen.

Rupert und Eileen Langegger vor dem Hangar-7

Vorbereitungen auf die Sendung

Die Gäste trafen gegen 21.30 Uhr im Hangar-7 am Salzburger Flughafen ein, einem beeindruckenden Stück Architektur, das zur Red Bull GmbH gehört und in dem zahlreiche Flugzeuge und Autos ausgestellt sind. Auch der Sender ServusTV gehört zu Red Bull.

Blick in Hangar-7

Zunächst ging es in die Maske. Makeup, Puder und irgendein Zeugs auf die Lippen – das war Neuland™ für mich. Die Lippencreme fand ich allerdings während der Sendung etwas nervig.

Danach wurde die Gäste verkabelt, nicht nur mit einem Headset-Mikrofon, sondern auch mit einem Knopf im Ohr, über den wir den Ton den Sendung verfolgen konnten, also die Einspielungen und das, was die anderen und man selbst sagt. Das sei wegen der schlechten Akustik im Hangar-7 notwendig, wurde uns erklärt, da man sonst höchstens sich selbst verstehen könne.

Strahlung gibt es auch im per Verfassung »atomfreien« Österreich.

Mit meinem Strahlungsmessgerät »Gamma-Scout« hatte ich ein weiteres Stück Technik in der Hinterhand, genauer: hinter dem Rücken. Ich hätte es hervorgeholt, wenn wir näher auf das Thema Strahlung eingegangen wären, aber das ergab sich dann doch nicht.

Nach diesen Vorbereitungen gab es eine Besprechung mit Moderator Michael Fleischhacker über den Ablauf der Sendung. Er wolle keine Einzelinterviews führen, sagte er, sondern am besten sei es, wenn sich die Gäste miteinander unterhielten. Das klappte später allerdings nur teilweise. Die Sendung sei unterteilt in verschiedene Themenblöcke, erläuterte Fleischhacker, eingeleitet jeweils durch eine Einspielung. Wenn er einen neuen Block beginne, sollten die Gäste das akzeptieren und nicht mehr auf Dinge zurückkommen, die im vorigen Block angesprochen worden seien.

Rainer Klute, Eileen Langegger

Bei der Führung durch die Sendung steht der Moderator in einem Zielkonflikt: Einerseits möchte er alle geplanten Themenblöcke ansprechen, andererseits will er eine spannende Diskussion nicht abwürgen, die gerade unter den Gästen läuft. Und da es eine Live-Sendung ist, kann er nicht irgendwann später alles passend zusammenschneiden, sondern er muss sofort in der jeweiligen Situation entscheiden, ob er die Diskussion weiterlaufen lässt oder zum nächsten Thema übergeht. Diese Dynamik macht ja auch den Reiz einer Live-Sendung aus. Ich finde, Michael Fleischhacker hat seine Sache sehr gut gemacht.

Zum Inhalt der Sendung brauche ich hier nicht viel zu sagen, denn ihr könnt euch einen 70-Sekunden-Trailer anschauen und euch die komplette Sendung als Podcast anhören. Die Videoaufzeichnung ist leider nicht mehr in der ServusTV-Mediathek vorhanden. Natürlich habe ich mir rechtzeitig eine Kopie heruntergeladen.

Und wohin nun mit dem Atommüll?

Schade natürlich, dass die Sache mit dem Atommüll dadurch auf der Strecke geblieben ist! Denn hier hätten wir Kernkraftbefürworter – das mag Gegner überraschen – noch einmal kräftig punkten können. Wir hätten auf Lösungen hingewiesen, die es überflüssig machen, den hochradioaktiven Atommüll für 300.000 Jahre zu lagern, sondern ihn stattdessen als Energiequelle für Jahrhunderte nutzen. Na ja, vielleicht ist das ein Thema für eine andere Sendung!

Rainer Klute: weiß, wohin mit dem Atommüll

Über die vielen positiven Reaktionen aus der pronuklearen Filterblase habe ich mich gefreut. Mich interessiert aber auch, was Zuschauer meinen, die der Kernenergie bislang neutral oder ablehnend gegenüberstanden.

Fandet ihr die Diskussion nützlich? Habt ihr Neues gelernt? Habt ihr womöglich eure Sichtweise geändert? Schreibt doch einen Kommentar dazu!

Macht den Faktencheck!

Eines noch: In der Sendung stand an verschiedenen Stellen Aussage gegen Aussage. Solche Dinge lassen sich in einer Talkshow natürlich nicht klären. Aber ihr könnt nachprüfen, was stimmt und was nicht. Falls ihr dazu Nachweise und Quellen braucht: einfach fragen!

Aktualisierung

  • 2019-09-07: Die Videoaufzeichnung ist nicht mehr in der ServusTV-Mediathek vorhanden. Es gibt noch einen 70-Sekunden-Trailer und die komplette Sendung als Podcast.

Fotos: ServusTV, Rainer Klute

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3 Kommentare zu „Atomtalk im Hangar-7“

  1. Gerade müsste ich an dich denken. Im neuesten Geo behandelt der Leitartikel die Diskrepanz des Umweltschutzes beim Thema Windkraft und Vogelschlag.
    Die beste Alternative zur Windkraft scheint vielen leider undenkbar…
    (tannersfriend)

  2. Schade dass Sie Ihre Ausführungen durch die permanenten Unterbrechungen des Herrn PV-Anlagen Herstellers/Vertreibers und der ökologisch vernebelten Dame nicht allumfänglich erläutern konnten.

  3. Hangar ist in Deutschland natürlich völlig unbekannt. Deshalb hoffe ich, dass Anne Will das Thema aufgreift und Sie zu ihrer Talkrunde am Sonntag einläd ! Vielleicht schlagen sie ihr das mal vor – mit einem Link zu der Sendung von Hangar, so dass sie sieht, dass das eine spannende Sendung werden kann. Aktueller Anlass könnte die Ankündigung der AfD sein, in der Lausitz ein KKW zur Transmutation von Atommüll zu bauen !

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