Voll im Plan – erstes Produkt soll 2016 kommen

Logo POET Technologies

Am 2016-02-16 informierte POET Technologies nach Börsenschluß seine Aktionäre per Medienmitteilung und Audiokonferenz über den aktuellen Stand des Unternehmens. Danach liegen insbesondere die Markteinführung des ersten Produkts und das Erzielen von NRE-Einkünften voll im Plan. Mit bildaufnehmenden und -wiedergebenden Verfahren sowie Augmented Reality erscheinen neue Einsatzgebiete der POET-Technik am Horizont.

English English abstract: On 2016-02-16 after market close POET Technologies informed its shareholders by way of a media release and a conference call about the current status of the company. In particular the market introduction of the first product and the achievement of NRE revenues are right on schedule. Sensing and imaging with Augmented Reality are new applications areas for the POET technology.

Vierzig Minuten nahmen sich POET-CEO Suresh Venkatesan und COO Subhash Deshmukh Zeit, um Aktionäre und andere Interessierte über den Stand der Dinge bei POET Technologies zu informieren und um vorab eingereichte Fragen von Aktionären zu beantworten.

Die internationale Anlegergemeinschaft war fleißig und hatte die Tonaufzeichnung der Audiokonferenz bereits einen Tag später verschriftlicht, so daß es zum Nachlesen zur Verfügung steht. An dieser Stelle fasse ich das in meinen Augen Wichtigste zusammen steuere ein paar weitere Informationen bei.

Viereinhalb Monate früher hatte POET Technologies eine neue Unternehmensstrategie angekündigt. Sie sieht nicht nur die Auslizenzierung der POET-Technik vor, sondern vor allem die Entwicklung eigener Komponenten und Produkte. Leser meines Blogs finden diese Strategie in »Alleinstellung in Wachstumsmarkt angepeilt« näher erläutert. Als erstes Produkt will POET einen VCSEL-Transceiver für aktive optische Kabel (AOC) auf den Markt bringen. Die technische Seite ist in »Wie funktioniert der optische POET-Transceiver?« näher erklärt.

Keine Verzögerungen im Zeitplan

Venkatesan konnte den Anteilseignern die gute Nachricht verkünden, daß das Unternehmen voll in dem am 2015-09-30 vorgestellten Zeitplan liegt. Die Übersicht aus »Alleinstellung in Wachstumsmarkt angepeilt« kann ich daher guten Gewissens hier noch einmal bringen:

Zeitplan POET Technologies

Zeitplan POET Technologies, Stand: 2015-09-30

 

Auch wenn die Eckdaten unverändert geblieben sind und insbesondere die Produktentwicklung im Plan liegt, gibt es einige Anpassungen in Details:

  • Der Umzug nach San José wurde bereits im Oktober 2015 abgeschlossen. POET Technologies arbeitet jetzt vollständig am Standort im Silicon Valley und unterhält lediglich aus regulatorischen Gründen eine Adresse in Toronto. Es handelt sich ja um ein kanadisches Unternehmen. Im eigenen Labor könne POET Bauelemente, Schaltungen und Produkte entwerfen, modellieren und simulieren sowie Tests durchführen, erläuterte Subhash Deskmukh.
  • Als einer der beiden angestrebten Zulieferer epitaktisch beschichteter Galliumarsenid-Wafer ist inzwischen EpiWorks bekannt. Vom einem zweiten war in der Audiokonferenz nicht mehr die Rede, sondern nur noch davon, man wolle den Nachschub an Wafern durch »mindestens einen« kommerziellen Zulieferer sichern.
  • Anadigics hat als Fertiger der VCSEL-Transceiver klar an Bedeutung verloren. Man habe sich bei Anadigics »betrieblichen Unsicherheiten« gegenüber gesehen, sagte Deshmukh, ohne in Einzelheiten zu gehen. Nun wird Wavetek die Produktion übernehmen. Bemerkenswertes Detail am Rande: Der Vertrag mit Wavetek wurde bereits im November 2015 unterzeichnet, aber erst am 2016-01-27 bekanntgegeben, also rund zwei Monate später. Möglicherweise wollte POET vor einer Veröffentlichung die ersten Ergebnisse abwarten, die im Januar eintrafen. Vielversprechend seien sie, so Deshmukh.

Laut Plan sollen Sechs-Zoll-Wafer mit VCSEL- und FET-Funktionalität bis zum Ende des ersten Quartals kommen, der integrierte Transceiver mit den optischen Komponenten VCSEL und Detektor und der Steuerelektronik (FET) soll im zweiten Quartal fertig werden. Damit stünden dem Markt im zweiten Halbjahr 2016 erste Prototypen zur Verfügung.

Suresh Venkatesan faßte die Unterschiede des auf dem POET-Transceivers beruhenden aktiven optischen Kabels (AOC) von POET Technologies gegenüber Wettbewerbsprodukten zusammen:

  1. Der komplette POET-Transceiver kommt mit einem einzigen Chip aus, während Wettbewerber mehrere davon brauchen und sie aufwendig zusammenbauen müssen. Die POET-Lösung führt so zu geringeren Herstellungskosten.
  2. Da der komplette POET-Transceiver auf dem Waver entsteht, lassen sich bereits auf der Waver-Ebene Tests durchführen und Ausschuß aussortieren. Auch dies führt zu geringeren Herstellungskosten.
  3. POET-Transceiver arbeiten im günstigeren Singlemode.
  4. Bei Wettbewerbsprodukten hängen die Herstellungskosten linear von der Anzahl der Übertragungskanäle ab. Eine höhere Anzahl von Kanälen macht das AOC also proportional teurer. Das ist bei den POET-AOC nicht der Fall. Da die Laser monolithisch gefertigt werden, ist es kostenmäßig im Grunde egal, ob sich einer, zehn oder hundert Laser auf dem Chip befinden. Wenn das POET-AOC schon bei einem einkanaligen Kabel im Vorteil ist, gilt das erst umso mehr, je höher die Anzahl paralleler Kanäle ist.

Bleibt die Frage nach dem Vertrieb des POET-Transceivers. Auch wenn sie nicht direkt angesprochen wurde, so scheint die vertriebliche Seite bereits in trockenen Tüchern zu sein. Auf die Frage nach dem derzeit größten Risiko nannte Venkatesan jedenfalls nicht die Vermarktung, sondern die Technik. Die nächsten Schritte müssen nachweisen, daß das, was im Labor funktioniert, sich auch in der Massenfertigung umsetzen läßt, also auf den Wavetek-Produktionsanlagen. Mit Problemen rechnet POET nicht, aber natürlich ist es erst erledigt, wenn es erledigt ist.

Virtual Reality und Augmented Reality mit großem Marktpotential

Während die VCSEL-Transceiver wie geplant vorankommen, streckt POET Technologies die Fühler bereits nach weiteren Anwendungsbereichen der POET-Technik aus. Von bildaufnehmenden und bildgebenden Verfahren („sensing and imaging“) spricht Suresh Venkatesan, von Microdisplays und Augmented Reality. Eng verbunden mit Augmented Reality ist die Virtual Reality, und auch wenn dieser Begriff nicht erwähnt wurde, dürfte er für POET eine Rolle spielen.

Das Marktpotential in diesem Bereich ist in den kommenden Jahren gewaltig. So sollen die Umsätze laut Digi-Capital von wenigen Milliarden Dollar in 2016 auf satte 150 Millarden in 2020 anziehen. Das entspricht einem Marktwachstum von über 130 Prozent pro Jahr.

Wachstumsprognose für Virtual und Augmented Reality

Wachstumsprognose für Virtual und Augmented Reality. Quelle: Digi-Capital

Vorsichtiger ist Goldman Sachs mit einer jüngeren Schätzung: Die Investmentbank geht in ihrem Basisszenario von einem Marktvolumen von 80 Milliarden Dollar im Jahr 2025 aus. Bei einer beschleunigten Akzeptanz der Technik könnten es aber auch 182 Milliarden sein.

Anwendungsbereiche von Virtual und Augmented Reality

Anwendungsbereiche von Virtual und Augmented Reality. Quelle: Goldman Sachs

Wer auch immer Recht behalten mag: Die erwarteten Wachstumsraten sind in jedem Fall beeindruckend; der zu verteilende Kuchen ist groß.

Venkatesan sieht für POET Technologies in diesem Markt ausgezeichnete Chancen. POET sei in puncto optoelektronischer Integration technisch überlegen und stehe in diesem Rennen auf der Pole-Position. Aus diesem Blickwinkel sei die Zukunft strahlend hell, meint er und bittet, das Wortspiel zu entschuldigen.

Konkret habe POET Technologies in diesem Bereich einige sehr spezifische Anfragen erhalten und stehe mit potentiellen Kunden in fortgeschrittenen Verhandlungen. Darin gehe es auch um eine Auslizenzierung der POET-Technik und entsprechende Einnahmen in Form von Lizenzgebühren. Thema sei unter anderem der Aufbau einer Entwicklungsumgebung für integrierte Sensorik-Anwendungen.

Andere Gespräche drehten sich um den möglichen Einsatz der POET-Technik für Microdisplays. Bei diesen sehr kleinen Bildschirmen mit einer Bilddiagonalen von wenigen Zentimetern sei ein hoher Kontrast sehr wichtig, erläutert der POET-Chef. Ich nehme an, daß die POET-Technik hier durch die monolithische Integration sehr vieler sehr kleiner Laser besonders punkten kann.

Finanzen

Auf die Finanzen gingen Venkatesan und Deshmukh nur am Rande ein. Für sieben Quartale sei genügend Geld da, und aufgrund seiner starken Bilanz könne POET irgendwelche sich bietenden Gelegenheiten nutzen. Wie viele der wenige Tage zuvor fällig gewordenen Warrants ausgeübt worden sind, wurde nicht erwähnt.

Eine Umsatzprognose für 2016 gab POET Technologies nicht ab. Erste Umsätze werden aber nach wie vor im zweiten Halbjahr 2016 erwartet. Sie dürften aus Ingenieuerleistungen oder dem Verkauf von Produktmustern stammen; auch Lizenzeinkünfte sind nicht ausgeschlossen.

CS International Conference abgesagt

Am 2016-02-11 war bekannt geworden, daß Suresh Venkatesan seine Teilnahme an der CS International Conference in Brüssel Anfang März abgesagt hatte. Sehr ärgerlich für mich und für diejenigen, die meine Konferenzteilnahme finanziell unterstützt hatten, denn eigentlich wollte ich darüber berichten! Das fällt nun leider aus. Die schon gezahlten Konferenzgebühren bekomme ich blöderweise nicht erstattet, aber immerhin kann ich eine Ersatzperson benennen. Wer also Lust hat, für kleines Geld an der Konferenz teilzunehmen, kann das via eBay tun.

Immerhin nennt Venkatesan gute Gründe für seine Absage. POET befasse sich derzeit mit einer Reihe von Initiativen, die für den Shareholder value schlichtweg wichtiger seien als einen Vortrag auf einer Konferenz zu halten. In den nächsten Wochen stünden so viele Dinge an, daß es für Venkatesan sehr, sehr schwierig geworden wäre, die Konferenz auch noch dazwischen zu quetschen.

Er versprach aber, »bald« nach Europa zu kommen. Ich hoffe sehr, dann dabei zu sein und meinen Unterstützern den versprochenen Bericht doch noch liefern zu  können.

Neue Website kommt

Das wird auch Zeit: eine neue POET-Website ist in Arbeit. Der alte und derzeit noch aktuelle Auftritt mit seinen kleinen, unscharfen Bildern und unübersichtlich angeordneten Informationen ist peinlich und wird dem Unternehmen nicht gerecht. Die Website soll von Grund auf neu gestaltet werden, mit neuem Design und neuen Inhalten, die laufend aktualisiert werden. Der Relaunch ist für das zweiten Quartal geplant.

Audiokonferenz technisch entwicklungsfähig

Insgesamt vermittelte POET Technologies mit der Audiokonferenz seinen Anteilseignern, mit der neuen Strategie wie geplant unterwegs zu sein. Wer ohnehin dicht am Thema ist, erfuhr nicht viel Neues – abgesehen von den Initiativen in Richtung Virtual Reality und Advanced Reality. Alle anderen erhielten eine gute Zusammenfassung. Jetzt sind die nächsten Wochen interessant, denn Wavetek soll ja bis Ende März die ersten Ergebnisse aus der Serienfertigung liefern.

Die nächste Audiokonferenz kündigte Suresh Venkatesan für Mitte des Jahres an. Bis dahin will POET per Medienmitteilungen über den Projektfortschritt informieren. Der Jahresbericht 2015 ist gemäß Vorgabe der kanadischen Börsenaufsicht spätestens am 2016-04-30 fällig.

Die Technik der Audiokonferenz ist noch verbesserungsfähig. Während sich Anleger aus Kanada und den USA per Telefon über kostenfreie Rufnummern einwählen konnten, stand für alle anderen ein Webcast als kostenlose Alternative  zur Verfügung. Der Zugang dazu setzt allerdings Flash voraus, eine Technik, die aus gutem Grund auf immer weniger Endgeräten und in immer weniger Browsern zur Verfügung steht. Es war mir weder unter Linux noch unter Android möglich, mich mit dem Webcast zur verbinden. Schließlich blieb nur noch, eine virtuelle Maschine mit Windows 7 zu starten. Dort klappte es zwar mit Firefox auch nicht, wohl aber mit Chrome. Der Audiokonferenzanbieter sollte seine Technik dringend modernisieren, Flash rausschmeißen und am besten den reinen Audiostream ohne irgendwelchen Softwarevoraussetzungsschnickschnack anbieten.

Die Tonqualität im Webcast war nicht gerade berauschend. Allerdings beklagten sich darüber mehr die europäischen als die amerikanische Zuhörer. Möglichweise manifestiert sich ein Engpaß in der Bandbreite in Form schlechtere Qualität.

Auch POET selbst könnte etwas für die Klangqualität tun. Offenbar verwendeten Venkatesan und Deshmukh ein Telefonkonferenzsystem mit Raummikrofon und zumindest Venkatesan saß zu weit davon entfernt. Besser wäre es, jedem Redner ein eigenes Mikrofon zu geben, zum Beispiel ein Headset.

Der Aktienkurs

Der Aktienkurs war im Vorfeld der Audiokonferenz spekulativ auf bis zu 1,10 CAD angezogen, fiel anschließend aber wieder auf rund 1,00 CAD zurück. Bis zu umsatzrelevanten Nachrichten erwarte ich in Sachen Kursverlauf keine nennenwerten Veränderungen. Aber Umsätze sollen ja in diesem Jahr kommen. Die jüngsten Informationen haben die Zuversicht weiter wachsen lassen.


In eigener Sache

Meine Blogbeiträge zu POET Technologies sind kostenlos und sollen es möglichst auch bleiben. Informationen zu recherchieren, aufzubereiten und Beiträge zu schreiben, kostet jedoch einiges an Zeit und Aufwand. Wenn dir das Ergebnis etwas wert ist, dann freue ich mich nicht nur über Feedback, sondern auch über die Überweisung eines Betrags deiner Wahl auf das Konto IBAN DE93360100430323898437, BIC PBNKDEFF. Betreff: POET-Blog. Vielen Dank!


Bitte beachten Sie die Hinweise zu Risiken und zum Haftungsausschluß!

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