POET-Verfahren klar zur Serienfertigung

Am Dienstag, 2015-02-10, gab POET Technologies den erfolgreichen Abschluß der Lab-to-Fab-Transition bekannt. Das bedeutet: POET-Chips lassen sich nicht nur als Einzelstücke im Labor herstellen, sondern auch in Serienproduktion auf Industrieanlagen. Außerdem machte das Unternehmen eine Aussage zur finanziellen Lage und gab den Rücktritt von Dr. Adam Chowaniec bekannt.

English abstract: On Tuesday, 2015-02-10, POET Technologies announced the successful completion of the lab-to-fab transition. This means that POET chips can be manufactured not only as individual items in a laboratory, but also in mass-production on industrial equipment. In addition, the firm made a statement about its financial situation and announced the resignation of Dr. Adam Chowaniec.

Serienfertigung in 40 und 100 Nanometer

POET Technologies war im vergangenen Jahr mit einem nach wie vor ungenannten Chiphersteller eine Kooperation eingegangen, siehe Mitteilung vom 2014-09-02. Diese Kooperation sollte das im POET-Labor entwickelte Herstellungsverfahren für den Einsatz in der industriellen Fertigung fit machen. Ziel: höhere Präzision und Wiederholgenauigkeit bei gleichzeitiger Produktion größerer Stückzahlen.

Doch nicht nur das. Zugleich sollte eine Strukturverkleinerung von 100 auf 40 Nanometer (nm) erreicht werden. Bei einer Strukturgröße von 40 nm, so prognostizierte POET Technologies, lägen die nach dem POET-Verfahren hergestellten Galliumarsenidchips in puncto Geschwindigkeit und Stromverbrauch in derselben Größenordnung wie die Crème de la Crème aktueller Siliziumchips, sprich 14/16 nm. Mit dem »kleinen« Unterschied, daß Hersteller von POET-Chips keine zweistelligen Milliardensummen in neue Fertigungsanlagen zu stecken brauchen, sondern kostengünstig ihren bestehenden Maschinenpark für die größeren Strukturen nutzen können. Benötigt werden lediglich zusätzliche Molekularstrahlepitaxieanlagen.

Daß die Beteiligten nun beide Vorhaben erfolgreich zum Abschluß bringen konnten, ist eine sehr gute Nachricht, auch wenn sie mit ein paar Wochen später als erwartet kommt. Sie nimmt zwei Risiken aus der POET-Aktie heraus:

  • Ja, POET-Chips lassen sich im Industriemaßstab herstellen.
  • Ja, POET-Chips lassen sich in 40- und in 100-nm-Technik herstellen.

Innovationen, neue

Der POET-Mitteilung ist weiter zu entnehmen, daß für das Design des Herstellungsprozesses im Zusammenhang mit der Molekularstrahlepitaxie, also der Beschichtung des Galliumarsenid-Wafers, Neuentwicklungen notwendig waren: „This new epitaxial flow process includes new innovations in the POET prototype fabrication process.“ Um was für Innovationen es sich im einzelnen handelt und ob sie für die Verzögerungen verantwortlich sind, wird nicht gesagt. Wir erfahren lediglich, daß es sich um »neue« Innovationen handelt. Dieses Adjektiv überrascht nicht wirklich, denn Innovationen, die nicht neu sind, sind keine. Nun ja, hoffen wir, daß die Technik besser funktioniert als die sprachlichen Feinheiten!

Als nächstes will POET Technologies auf Basis des Erreichten einen 100-nm-Ringoszillator und einen 50-GHz-VCSEL (Oberflächenemitter) fertigstellen. Beide sollen bis Ende März fertig sein und als Demonstrationsobjekte dienen. Damit hätte die Firma sowohl ein elektronisches wie auch ein optisches Standardelement, die sich mit entsprechenden Siliziumbausteinen direkt vergleichen ließen und Interessenten die hohe Geschwindigkeit und den niedrigen Stromverbrauch von POET-Chips meßbar verdeutlichten.

Nach der Lab-to-Fab-Transition dürfte POET Technologies nun auch bald die Freigabe des PET-PDK melden. Dieses für Chipentwickler und -hersteller wichtige Process Design Kit war ja eigentlich bereits Ende 2014 fertig gewesen. POET Technologies hatte dann aber die Verzögerung bei der Lab-to-Fab-Transition dazu genutzt, das PDK um zusätzliche Features zu erweitern.

Finanzen

Die Finanzen des Unternehmen sehen weiterhin gut aus. Wie Chief Financial Officer (CFO) Kevin Barnes mitteilt, verfügte POET Technologies Ende Januar dank der Ausübung von Warrants über einen Barbestand von rund 17 Mio. kanadischen Dollar (CAD). Die im Februar ausgeübten Warrants dürften weitere drei Millionen CAD in die Kasse gespült haben. Nennenswerte Verbindlichkeiten hat das Unternehmen nicht, jedenfalls nicht nach dem letzten Finanzbericht zum 2014-09-30.

Bemerkenswert finde ich, daß weder die Lab-to-Fab-Transition noch die PDK-Entwicklung tiefe finanzielle Spuren hinterlassen haben. Offensichtliche, hohe Ausgaben sind bislang nicht erfolgt, soweit man das aus Barnes summarischen Aussagen ableiten kann. POET Technologies hat sich bislang kaum zu den kommerziellen Bedingungen der Entwicklungskooperationen geäußert. Bekannt ist lediglich, daß Synopsys für die erste Phase der PDK-Entwicklung nichts berechnet hat. Genaueres wird möglicherweise der Jahresbericht zeigen, aber ich vermute, daß die Kooperationspartner durch einen frühen Zugriff auf die Technik vergütet werden, möglicherweise auch durch spätere Zahlungen nach erfolgreicher Kommerzialisierung.

Personalien

Dr. Adam Chowaniec trat laut POET Technologies aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten im Verwaltungsrat (Board of Directors) zurück, den er seit April 2013 innehatte. Chowaniec hatte das Unternehmen durch Umstrukturierung und strategische Neuausrichtung begleitet und durch seine intimen Kenntnisse der Halbleiterindustrie entscheidend beraten.

Keine Mitteilung gab es zu Sheldon Inwentash, der folglich weiterhin als Director dabei ist. Damit dürfte spätestens zur Hauptversammlung Schluß sein. Ich rechne nicht damit, daß Inwentash erneut zur Wahl nominiert wird. Die Involvierung von Inwentash und Pinetree Capital dürfte das Interesse potentieller institutioneller Neuinvestoren nicht gerade beflügeln.

Die Aktie

Der Aktienkurs reagierte auf die POET-Mitteilung am Dienstag verhalten positiv und schloß nach anfänglichem Zögern mit einem Plus von 6,25 % bei 1,36 CAD. Die Nachricht zur Serienreife ist zwar eine ausgesprochen gute, war von den Anlegern aber erwartet worden und zu einem guten Teil bereits im Kurs enthalten. Mehrstellige Kurssprünge blieben daher aus.

Trotz der in den nächsten Wochen zu erwartenden weiteren Nachrichten zur POET-Technik und womöglich auch zu einem neuen CEO dürfte jedoch nur eines den Aktienkurs nachhaltig nach oben bewegen: Umsatz. Alternativ hülfe auch eine umsatzversprechende Partnerschaft mit einem bekannten Unternehmen. Fehlender Umsatz hält so manchen Anleger bis jetzt noch von einem Investment in dieses nach wie vor praktisch unbekannte Unternehmen ab. Immerhin hat die Aktie in den vergangenen 12 Monaten über 80 Prozent zugelegt. Da kann man nicht meckern, auch wenn die hohe Volatilität einiges an Nerven kostet und dafür sorgte, daß längst nicht jeder Investor im Plus ist.

Nicht zuletzt aufgrund der jetzt als machbar nachgewiesenen Serienfertigung ist die Kommerzialisierung der POET-Technik meiner Meinung nach keine Frage mehr des Ob, sondern nur noch des Wann. Letzte Aussage von POET-Chef Peter Copetti dazu: im ersten Quartal 2015. Mal schauen, ob es dabei bleibt oder sich in »bewährter« POET-Manier verzögert! Jedenfalls sollte das den Aktienkurs beflügeln und zwar um mehr als 80 Prozent. Es bleibt spannend!


Bitte beachten Sie die Hinweise zu Risiken und zum Haftungsausschluß!

One thought on “POET-Verfahren klar zur Serienfertigung”

  1. Vielen Dank Rainer für die ausführlichen Informationen. Schließlich war dieser milestone eine Bedingung des nicht genannten potentiellen Vertragspartners.

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