POET-Update

Heute ist in Sachen POET Technologies zwar nichts umwerfend Neues passiert, aber ein paar interessante Dinge gibt es dennoch zu berichten. Darum hier ein Update.

Reichwerden verschoben

Zunächst mal war es leider nichts mit den von mir prognostizierten schnellen und kräftigen Kursgewinnen nach Geoffrey Taylors Artikel zum 100-nm-Ziel vom letzten Freitag. Warum nicht? Weil POET Technologies am Montag keine offizielle Kommunikation nachgeschoben hat. Ich hatte ja die von Taylor verkündete Zielerreichung für eine kursbeeinflussende, wesentliche Neuigkeit gehalten (und tue das nach wie vor), die eine offizielle Mitteilung erfordert. Es kam aber nichts. Und kurz nach 14:30 Uhr unserer Zeit, wenn üblicherweise Neuigkeiten erscheinen, ging es mit dem Aktienkurs folglich wieder bergab.

Blogleser Jochen schrieb daraufhin Christopher Chu an, den Investor-Relations-Mann von POET Technologies, und erhielt folgende Antwort:

„I believe others have interpreted Mr. Taylor’s article incorrectly. He has stated the Company has scaled to the 100nm range but he did not state that the work is complete. We are looking for this milestone to be completed around the end of 2nd quarter as per POET’s latest news release.“

Kurz gesagt: Das 100-nm-Ziel ist zwar erreicht, aber die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Nein, eigentlich muß ich genauer übersetzen: Taylor habe nicht gesagt, daß die Arbeiten abgeschlossen seien, schreibt Chu. Es ist also durchaus möglich, daß die Arbeiten abgeschlossen sind, aber Taylor hat dies »aus Gründen« noch nicht gesagt. Wer dieser Interpretationsmöglichkeit folgt, darf gern darüber spekulieren, was wohl die Gründe dafür sein mögen, daß Taylor den Abschluß der Arbeiten nicht bekanntgegeben hat. Da solche Spekulationen aber zu nichts führen, lasse ich es bleiben.

Was mir ganz und gar nicht gefällt, sind die widersprüchlichen Signale aus dem Hause POET. Einerseits heißt es, das Ziel sei erreicht (Taylor), andererseits heißt es, es sei erst gegen Ende des zweiten Quartals erreicht (Chu). Nein, nein, würde Chris Chu hier einwerfen, da ist überhaupt nichts Widersprüchliches dran, sondern du hast das wohl nicht richtig verstanden – siehe oben. Okay, wenn ich kleinteilig auf die exakte Wortwahl schaue, muß ich ihm sogar recht geben. Erbsenzähler sind hier klar im Vorteil.

Wie auch immer: Hier sind Mißverständnisse entstanden. Hier sind Interpretationen und Klarstellungen nötig geworden. Hier sind viele Anleger verunsichert und irritiert worden. Das zeigt: Die Unternehmenskommunikation ist alles andere als klar und eindeutig. Daran muß POET Technologies unbedingt arbeiten! Verunsicherung ist etwas, das Aktionäre überhaupt nicht mögen und dann lieber aus der Aktie herausgehen.

Es wird auch nicht unbedingt jeder Anleger wissen, was Geoffrey Taylor mit POET Technologies zu tun hat. Warum sollte man einem Taylor etwas glauben, was POET nicht bestätigt? Wer ist dieser Taylor überhaupt? Um es mal plakativ und zu stark vereinfachend auf den Punkt zu bringen: Geoffrey Taylor ist POET Technologies.

Trotz aller Verwirrung und Verunsicherung bleibt unter dem Strich zweierlei:

  • Die Strukturgrößenreduzierung auf 100 nm wurde erreicht – noch ausstehender Kleinkram hin oder her.
  • Weiteren Verkleinerungen bis auf 15 oder sogar 10 nm stehen keine prinzipiellen Hindernisse im Weg.

Das sind in meinen Augen ganz starke Aussagen! Wenn Geoffrey Taylor in seinem Artikel so etwas sagt und noch dazu mit einer derart unüberhörbaren Überzeugung und Sicherheit, dann nehme ich ihm das ab. Er ist die wissenschaftliche Kapazität in Sachen Galliumarsenid. Er weiß, was er tut und was er sagt. Gut, das ist nur meine höchstpersönliche Ansicht. Du kannst dich gern anschließen – oder es bleiben lassen.

Die Irritationen halten den Kurs einstweilen niedrig. Also müssen wir wohl weiter warten, bis POET Technologies gegen Ende des zweiten Quartals eine offizielle Verlautbarung herausgibt. Bitte tragt euch jetzt aber nicht den 30. Juni, 24 Uhr, als Alarm in den Kalender ein! Formulierungen wie »gegen Ende des zweiten Quartals« versteht POET immer als sehr ungefähre Angaben. Die Firma hat nach meiner Erinnerung diese Termine immer deutlich überzogen, hat aber auch immer geliefert.

Was ist dieses POET-Zeugs überhaupt?

Gleich mehrere Personen fragten mich heute, was es mit der POET-Technik überhaupt auf sich habe, warum man um 100 nm so ein Gewese mache, wo doch Intel schon auf 14 nm herunter sei. Wer dies liest und die gleiche Frage stellt, sei auf meinen ersten Blogbeitrag zu POET Technologies vom Februar verwiesen: »POET Technologies: Hochgeschwindigkeitsdigitaltechnik von morgen«. Ich hoffe, das hilft als erste Antwort weiter.

Nebenbei: Intel ist gar nicht auf 14 nm herunter, sondern versucht erst noch, dieses Ziel zu erreichen. Das ist alles andere als trivial und hilft letztlich doch nicht. Ich bin versucht, hier lästerlich von letzten Zuckungen der Siliziumtechnik zu sprechen – siehe meinen oben genannten Blogbeitrag.

Entscheidend ist, daß POET nicht irgendeine kleinere oder größere Verbesserung der gängigen Chiptechnik ist, sondern etwas völlig Neues, Revolutionäres und Bahnbrechendes, das alles Bisherige alt und blaß aussehen läßt – wie der Übergang von der Pferdekutsche zum Automobil. Geoffrey Taylor hat die letzten 20 an dieser Technik geforscht und entwickelt. Er hat dort weitergemacht, wo alle anderen bei Galliumarsenid längst aufgegeben hatten. Jetzt trägt seine Arbeit Früchte und ist marktreif. Völlig unabhängig vom finanziellen Aspekt finde ich es faszinierend und großartig, das mitzuerleben und dabei zu sein. (Und wenn die Nüchternen und Abgeklärten unter euch, die nur aufs Geld schauen, mich dafür für bescheuert halten: Das ist mir das vollkommen egal.)

Christopher Chu auf Twitter

IR-Mann Christopher Chu hatte ich ja schon erwähnt. Er hat neuerdings einen Twitter-Account: Unter @ChrisChuIR könnt ihr ihm folgen. „Do you track next gen semiconductor designers? Check out POET Technologies. Prototype is due out soon.“ lautet sein zweiter Tweet. Gemeint ist offenbar der POET-Prototyp-Chip mit allen Bauelementen.

Hauptversammlung

Der Hauptversammlungstermin 12. August war ja schon bekannt. Mehr Informationen dazu brachte POET Technologies heute in dieser Medienmitteilung: POET Technologies Annual General & Special Shareholders Meeting. Dort wird auch auf den am 9. Juni veröffentlichten Jahresbericht 2013 verwiesen.

Ich selbst habe vor, an der Hauptversammlung teilzunehmen. Da ich dann sowieso schon mal in Nordamerika bin, plane ich außerdem eine Reise zu verschiedenen nuklearen Anlaufstellen in Kanada. Das hat allerdings nichts mit POET Technologies zu tun, sondern das mache ich in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Nuklearia e.V. – und nutze die Gelegenheit, an dieser Stelle unverblümt für den Verein zu werben.

3D-Fortschritte

Schließlich machte mich ein Leser auf den Artikel „Ziptronix & EVG Improve Wafer Alignment“ aufmerksam und fragte nach meiner Beurteilung im Vergleich zu POET.

Interessanterweise erwähnt der Artikel am Schluß POET Technologies, ansonsten geht es aber kurz gesagt um Fortschritte auf dem Weg zu dreidimensionalen Halbleiterstrukturen auf Siliziumbasis. Die Anstrengungen der Industrie in dieser Richtung sind ja nicht neu, und was die Firmen EVG, Sandisk und Toshiba entwickelt haben, bringt die 3D-Technik ein Stück weiter auf dem Weg zum Ziel. Es mag sogar sein, daß das Ziel erreicht wird, aber zu welchem Preis?

Damit bin ich erneut bei meinem ersten Blogbeitrag zu POET Technologies, genauer: bei Abbildung 2 in diesem Beitrag. Sie zeigt, daß mit kleineren Strukturen die Kosten pro Transistor zunächst sinken. Geht man aber von 28 nm noch weiter herunter, steigen die Kosten pro Transistor wieder an. Das Ausweichen in die dritte Dimension ändert daran nichts, im Gegenteil: Die deutlich höhere Komplexität treibt auch die Kosten weiter in die Höhe. Am Temperaturproblem und an den Energiekosten ändert 3D auch nichts, weil ja nicht weniger Wärme oder jedenfalls nicht entscheidend weniger erzeugt wird. Vielmehr will bzw. muß man die Chips sogar mit Flüssigmetall kühlen, um die ernorme Hitze abführen zu können.

POET geht gänzlich andere Wege und bietet deutliche Vorteile.

So, das war’s für heute!


Bitte beachten Sie die Hinweise zu Risiken und zum Haftungsausschluß!

15 thoughts on “POET-Update”

  1. Nach meinem Verständlich zeigt die Erwähnung von „silicon photonics“, dass „The Machine“ mit POET nichts zu tun hat – was nicht heißt, dass die von HP kreierte Architektur nicht auch von POET profitieren könnte.

    Was können wir „POETen“ aus der Nachricht lernen? In anderen Laboren sitzen auch schlaue und ehrgeizige Leute, die im Falle von HP, IBM und Co. gar keine andere Wahl haben als auf Teufel-komm-raus neue Wege zu gehen.

  2. Rainer, es gibt ja einige Indizien, die dafür sprechen, dass Poet mit HP zusammenarbeitet und einige Indizien, die dagegen sprechen. Was ist deine Ansicht bei diesen Spekulationen?

    1. Ich tippe eher auf ein Nein. HP spricht ja davon, beim Speicher auf den selbstentwickelten Memristor zu setzen – definitiv kein POET. Optische Datenverbindungen zwischen Prozessoren will HP per Silicon Photonics realisieren. Also kein Galliumarsenid, kein POET.

      Es bleibt noch Raum für ein kleines »Aber«. Über die Prozessoren, die in The Machine zum Einsatz kommen sollen, sagt HP so gut wie nichts – außer, daß sie »anwendungsspezifisch« sein sollen. Diese Prozessoren könnten möglicherweise vielleicht unter Umständen auf POET-Technik beruhen. Auszuschließen ist das derzeit nicht, aber mehr als Spekulation auch nicht. Jedenfalls gibt es schon länger Gerüchte über eine Zusammenarbeit zwischen POET Technologies und HP bzw. einem Unternehmen mit einem kurzen Namen bzw. einem der größten Unternehmen der Welt. Ausgeschlossen ist eine Zusammenarbeit mit HP also nicht, aber mir persönlich wäre das allein für eine Investitionsentscheidung viel zu dünn.

  3. Es wäre auch denkbar, dass HP mit _Silicon Photonics_ begonnen hat und mit POET weiter entwickelt. Alles möglich. Für POET ist der Servermarkt ist ja nur ein Spielfeld unter vielen und sicher nicht das umsatzstärkste, denn das liegt im mobilen Sektor. Dessen sprunghafte Entwicklung in den letzten Jahren dürfte denn auch der Grund für Pellegino 2 sein, denn alle anderen Werte wären aus den alten Zahlen zu interpolieren gewesen.

    Um noch mal auf das im Labor von Taylor entstandene Gerücht mit dem kurzen Namen zurück zu kommen: HP hat den kürzesten Namen von allen, deshalb neige ich dazu, dass HP tatsächlich gemeint sein könnte. Bei IBM, Dell, Intel, Apple usw. drängt sich eine solche Bemerkung einfach nicht so auf. Wenn HP unser Türöffner in den Markt werden möchte – sehr schön. Doch unsere Träume erfüllen sich nur im mobilen Bereich und das heißt, Apple und Samsung müssen mitspielen.

    1. Ja, das kann alles sein. Ist aber bloße Spekulation, auf die ich kein Geld setzen würde.

      Der mobile Bereich ist zweifellos unglaublich wichtig, aber bedenke, daß der gesamte mobile Bereich nur deshalb funktioniert, weil dahinter gewaltige Rechenzentren stehen mit noch gewaltigerem Stromverbrauch – und mit dem Problem, die Prozessoren nicht höher takten zu können, weil die Hitze nicht schnell genug abgeführt werden kann. Hier kann POET gleich drei Probleme lösen: 1. Stromverbrauch/Akkulaufzeit und Geschwindigkeit der Mobilgeräte, 2. Energiebedarf der Server, 3. Geschwindigkeit der Server. Ach ja, und alles, was 4. zwischen Server und Mobilgerät liegt, kann ebenfalls profitieren. (Und wir mit. ;-))

      Ich glaube übrigens nicht, daß POET gleich in der ersten Runde mit Apple und Samsung zusammenarbeiten wird – und mit Lieblingsfeind Intel schon gar nicht. Es wäre ja auch schön blöd, einen dieser Großen gleich zu Beginn mit ins Boot zu nehmen. Wenn sich POET am Markt bewährt und die PDA im Rücken hat, lassen sich deutlich bessere Konditionen aushandeln.

  4. Rainer, der Serverbereich entzieht sich der eigenen und unmittelbaren Erfahrung, so dass er wohl nicht nur von mir unterschätzt wird. Du hast mit deiner Aufzählung schon recht, das „Gesamtpaket“ macht die Revolution.

  5. “ hardware should be about six times more powerful than an existing server, even as it consumes 80 times less energy“

    „I’m talking about multiple times improvements, and in power efficiency, you’re talking about 70% or 80% power savings“

    Das erste Zitat ist von HP, das zweite von Copetti bei Midas.

    2 „technologische Revolutionen“, mit identischen performance Verbesserungen ,praktisch zeitgleich angekündigt von 2 Unternehmen, die sich zudem noch kennen.

    Das sind entweder viele Zufälle und POET bekommt einen ganz ganz dicken Mitbewerber, der auch Standards durchdrücken kann, oder aber ……. hoffen wir’s.

  6. Wieder ein HP-Teilchen im großen POET-Puzzle:

    oldgreg: Einer der Gründe, warum ich in POET investierte, war vor etwa drei Jahren ein Gespräch, das ich mit einem Familienmitglied hatte. Er hatte durch einen Tipp, indirekt von einem HP-Mitarbeiter in Kanada, gekauft. Ich glaube, dass diese Person den Kauf noch empfiehlt. ( … )

    http://agoracom.com/ir/POETTechnologies/forums/discussion/topics/614635-fairchildj-speaking-of-memristors-just-saw-this/messages/1926852#message

    Es kann natürlich auch sein, dass bewusst auf eine Andeutung von GaAs in der HP-Nachricht von The Machine verzichtet wurde. Die Botschaft an sich ändert sich ja nicht, wenn demnächst POET in dem Kontext genannt würde.

    1. Ja, bei den Prozessoren – zu denen HP nichts gesagt hat – würde das schon passen. Hohe Geschwindigkeit und zugleich hohe Energieeinsparung – was sollte das sonst sein außer POET?

      Es sei denn, HP hat hier in den letzten Jahren selbst etwas ausgetüftelt, das nicht auf Silizium basiert. Eine alternative Galliumarsenidlösung dürfte aber schwierig sein, weil POET/Taylor hier die Patente haben. Bliebe also höchstens etwas mit anderen III/V-Materialien.

      HP + POET = möglich wär’s!

    1. Wettbewerb oder Kooperation, das ist die Frage!

      Beides wäre gut.

      • Kooperation: aus offensichtlichen Gründen.
      • Wettbewerb: weil dann die anderen Hardware-Hersteller nachziehen müßten und etwas brauchten, das ihnen das ermöglicht. Wobei auch eine Kooperation mit HP die Lizensierung an andere Hersteller nicht grundsätzlich ausschließen dürfte.

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