Licht! Kamera! Atome! Sundance präsentiert Pro-Kernkraft-Film

Von (Übersetzung des englischen Originalartikels: Rainer Klute)

The show must go on: »Schnelle« Kernreaktoren – ein lange vernachlässigtes Reaktordesign. Seine Unterstützer wollen es jetzt ins Rampenlicht stellen.

Argumente für eine neue Art von Kernenergie kommen im Januar auf die Leinwand: Der Film Pandora’s Promise feiert auf Robert Redfords Sundance-Filmfestival Premiere.

Wie Regisseur Robert Stone auf seiner Website erläutert, läßt die Dokumentation ehemalige Antiatom-Wissenschaftler und -Aktivisten zu Wort kommen, die die Kernenergie mittlerweile für den Schlüssel zu einer CO2-armen Energiegewinnung halten, die die globale Erwärmung bremsen kann.

»Die Kernschmelze in Japan hat weltweit eine leidenschaftliche Debatte über die Stromversorgung und die Zukunft der Kernernergie ausgelöst«, heißt es auf der Website. »Pandora’s Promise ist ein abendfüllender Dokumentarfilm, der schildert, wie und warum sich ausgerechnet diejenigen leidenschaftlich für die am meisten gefürchtete und umstrittenste technische Entdeckung der Menschheit einsetzen, die früher die gegenteilige Position vertreten haben.«

»Der Film erzählt die persönlichen Geschichten einer wachsenden Zahl ehemaliger Antiatom-Aktivisten und Wissenschaftspioniere, die die Auseinandersetzung nicht scheuen und das Antiatom-Dogma bestreiten, das eine wesentliche Grundlage des gegenwärtigen Umweltschutz-Mainstreams darstellt.«

Schnelle Sprüche: Sir Richard Branson unterstützt den Integral Fast Reactor. Er schrieb an Präsident Obama, um ihm das mitzuteilen.

Atommüll macht Angst

Das Promotion-Material legt nahe, daß sich der Film sich für eine Abkehr von den heute üblichen Reaktoren einsetzt. Stattdessen fordert er »Integrierte Schnelle Reaktoren« (IFR), die Atommüll als Brennstoff nutzen und die umstrittene Endlagerung überflüssig machen.

»Die Atombombe – das Gespenst eines globalen nuklearen Holocaust – und Katastrophen wie Fukushima haben die Kernenergie zu einem Synonym für die finstersten Albträume der modernen Welt gemacht«, heißt es auf der Sundance-Website.

»Doch was, wenn dieses Bild von Kernenergie nicht stimmt?« fragt die Website. »Was, wenn die Menschen wüßten, daß es Reaktoren gibt, die inhärent sicher und vollkommen beherrschbar sind? Deren Abfälle keine Endlagerung erfordern? Was, wenn Kernenergie die einzige Energiequelle ist, die den Klimawandel aufhalten kann?«

Bis wir uns wiedersehen

Im Film tritt auch Charles Till auf, der die Entwicklung des Experimental Breeder Reactor II (EBR-II) am Argonne National Laboratory (Idaho) leitete – bis zum Stillegungsbeschluß durch den Kongreß 1994. Dieser IFR-Prototyp verbrannte Atommüll und erbrütete seinen eigenen Kernbrennstoff. Und seine Bauweise machte eine Kernschmelze unmöglich, weil bei einer Überhitzung die Kettenreaktion einfach aufhörte und das Kühlmittel die Nachzerfallswärme mittels Konvektion auch ohne funktionierende Pumpen abführte – anders als in Fukushima, wo die Brennelemente auf ein funktionierendes Kühlsystem angewiesen waren und durch dessen Ausfall schmolzen.

Nicht jeder hält den IFR und andere sogenannte Schnelle Reaktoren für sicher (»schnell«, weil sie anders als heutige konventionelle Reaktoren mit schnellen Neutronen arbeiten). Und der US-Kongreß stoppte die EBR-II-Finanzierung auch aus der Befürchtung heraus, der Brüter könne das Risiko einer Verbreitung von Kernwaffen erhöhen statt es zu verringern. Umweltaktivist und IFR-Verfechter Tom Blees hält das allerdings für ein politisches Scheinargument, weil das im IFR verwendete Brennstoffrecycling proliferationssicher sei.

Doch Schnelle Reaktoren erhalten immer mehr Unterstützung, unter anderen vom Unternehmer Sir Richard Branson, der zusammen mit dem Klimaforscher James Hansen vor einigen Monaten einen Brief an US-Präsident Barack Obama schrieb und ihn dazu aufforderte, sich für Schnelle Reaktoren einzusetzen.

Bill Gates setzt mit seiner Firma TerraPower und dem Traveling Wave Reactor ein eigenes Konzept eines Schnellen Reaktors um. China und Rußland entwickeln Schnelle Reaktoren und planen ihren weitreichenden Einsatz. Nobuo Tanaka, ehemaliger Leiter der Internationalen Energieagentur, ist der Ansicht, Schnelle Reaktoren könnten eine wesentliche Rolle bei Japans künftiger Energieversorgung spielen.

Das Sundance-Filmfestival läuft vom 17. bis 27. Januar in Park City, Utah. Pandora’s Promise soll im Sommer 2013 in die amerikanischen Kinos kommen.

Fotos: Sundance-Festzelt von Resorts West, Park City, Utah. Richard Branson von GooglePlus.

Der englische Originalartikel erschien am 2012-12-18 im Blog Smartplanet.


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3 thoughts on “Licht! Kamera! Atome! Sundance präsentiert Pro-Kernkraft-Film”

  1. Hallo Rainer! Schön dass du den Artikel übersetzt hast. Muss jedoch anmerken, dass ich versucht hätte, das Wortspiel „‚till we meet again“ (~Bis wir uns wiedersehen, aber auch Anspielung auf den Namen Charles Till) irgendwie ins Deutsche mitzunehmen.

    Ich denke gerade drüber nach, wie das gehen könnte, habe aber noch keine brauchbare Lösung gefunden😄

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