Der Herr des Tanzes

Um das Tanzverbot dreht sich dieser Tage eine öffentliche Diskussion. Danach sind an bestimmten Feiertagen – so auch am heutigen Karfreitag – Tanz-, Sport- und andere öffentliche Veranstaltungen verboten, die dem Charakter des Feiertags widersprechen. Befürworter argumentieren mit dem verfassungsrechtlich gebotenen Schutz von Sonn- und Feiertagen und berufen sich auf Artikel 140 GG in Zusammenhang mit Artikel 139 der Weimarer Verfassung, der Bestandteil des Grundgesetzes ist. Gegner andererseits wollen sich nicht von einer Religion, mit der sie selbst nichts verbinden, vorschreiben lassen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Ich könnte an dieser Stelle eine feine Erörterung schreiben und die Argumente der einen Seite denen der anderen gegenüberstellen, sie gewichten und ein Fazit ziehen. Aber was wäre damit gewonnen? Ich denke, gar nichts.

Mir persönlich ist das Tanzverbot herzlich egal. Ich bin sowieso nicht der Typ, der sich für Tanz- oder Sportveranstaltungen begeistert – mir fehlt also nichts. Als Christ finde ich es zwar gut, den Karfreitag angemessen zu begehen, aber ich glaube nicht, daß sich irgendjemand dadurch zum christlichen Glauben bekehrt oder auch nur anfängt, sich näher dafür zu interessieren, wenn man ihm das Tanzen oder andere Vergnügungen verbietet. Es dürfte eher der umgekehrte Effekt eintreten.

Ich selbst habe in diesem Jahr einen anderen Zugang zum Karfreitag gefunden und zwar durch zwei Dinge, die mir auf Twitter über den Weg gelaufen sind:

  • Das Video My Last Day – es illustriert das Karfreitagsgeschehen im Animé-Stil aus der Sicht eines der beiden Verbrecher, die neben Jesus gekreuzigt wurden.
  • Der Song Lord Of The Dance – ein alter irischer Schinken, den ich noch nicht kannte. Eine Interpretation mit den Dubliners gibt es auf YouTube.

Lord Of The Dance ist ein wirklich cooles Stück, das vor Lebensfreude sprudelt. Der besungene Herr des Tanzes, das ist Jesus Christus. Vom Beginn der Schöpfung an tanzt er, und er will alle in seinen Tanz, in seine Freude, hineinführen. Der Refrain formuliert das so:

„Dance, dance, wherever you may be,
I am the lord of the dance“, said he.
„And I’ll lead you all wherever you may be,
and I lead you all in the dance“, said he.

Aber längst nicht alle wollen das. Gerade die Frommen seiner Zeit, sprich: die Schriftgelehrten und Pharisäer, machen nicht mit. Sie haben keinen Blick dafür, daß Jesus der Herr des Tanzes ist, der Herr der Welt. Sie lehnen ihn ab und wollen lieber selbst bestimmen, wo es lang geht:

I danced for the scribes and the pharisees,
they wouldn’t dance, they wouldn’t follow me.

I danced on the Sabbath and I cured the lame.
The holy people said it was a shame.

Ganz egal, ob es religiöse, areligiöse oder antireligiöse Gründe sind, Jesus abzulehnen, die Konsequenzen sind damals und heute klar und führen zu dem, was Karfreitag geschehen ist, zur Kreuzigung:

They whipped me, stripped me, hung me high,
left me there on the cross to die.

I danced on a Friday, when the world turned black.
It’s hard to dance with the Devil on your back.

Jesus stirbt am Kreuz, wird begraben, und seine Gegner denken, sie seien ihn endlich losgeworden:

They buried my body, they thought I was gone,

Aber Irrtum: Der Tanz geht weiter:

but I am the dance and the dance goes on.
They cut me down, but I lept up high.
I am the light that will never, never die.

Jesus ist nicht totzukriegen. Genauer: Jesus ist vom Tod auferstanden. Darum steht Karfreitag immer im Zusammenhang mit Ostern. Jetzt ist Jesus das Licht der Welt, das niemals stirbt. Er ist der Herr des Tanzes, er ist der Herr der Welt. Er kommt wieder und tritt seine Herrschaft an.

Der Tanz geht weiter. Jeder entscheidet für sich selbst, ob er dabei ist oder nicht, ob er sich dem Herrn des Tanzes anschließt oder für sich ein Tanzverbot anderer Art verhängt. »In Christus leben« nennen das Bibel und Song:

I’ll live in you if you’ll live in me.
I am the lord of the dance, said he.

Und darum lasse ich mir von Miesepetern welcher Richtung auch immer nicht die Karfreitags- und Osterfreude verderben! Der Song hilft mir dabei. Hier der komplette Text:

I danced in the morning when the world was young.
I danced in the moon, in the stars and the sun.
I came down from heaven and I danced on the earth,
at Bethlehem I had my birth.

Refrain:

Dance, dance, wherever you may be,
I am the lord of the dance, said he.
And I’ll lead you all wherever you may be,
and I lead you all in the dance, said he.

I danced for the scribes and the pharisees,
they wouldn’t dance, they wouldn’t follow me.
I danced for the fishermen James and John,
they came with me so the dance went on.

Refrain

I danced on the Sabbath and I cured the lame.
The holy people said it was a shame.
They whipped me, stripped me, hung me high,
left me there on the cross to die.

Refrain

I danced on a Friday, when the world turned black.
It’s hard to dance with the Devil on your back.
They buried my body, they thought I was gone,
but I am the dance and the dance goes on.

Refrain

They cut me down, but I lept up high.
I am the light that will never never die.
I’ll live in you if you’ll live in me.
I am the lord of the dance, said he.

Refrain

(Dank an @AlexBMcKenzie und @jselzer für die Hinweise auf Lord Of The Dance!)

5 thoughts on “Der Herr des Tanzes”

  1. Ich fühle mich geehrt auf diese weise Erwähnt zu werden, zumal ich einen gänzlich anderen Zugang zu diesem Lied und Religion habe. Das Lied hab ich vor vielen Jahren kennen gelernt, als ich selbst noch Webradio gemacht habe. Fand ihn damals schon gut und auch wenn er sich mit Jesus befasst so kann man ihn auch anders Interpretieren ohne den ursprünglichen Gedanken dabei zu verlieren.

    Was Religion anbelangt, so kann ich von mir nur sagen ich fühle mich mit keiner Religion im speziellen verbunden, mag daran liegen das viele „Regeln“ und „Interpretationen“ aus einer Zeit stammen die sich stark von der unseren unterscheidet und trotzdem verliert dadurch nicht alles gleich seine Bedeutung. Ich hab schon vor einigen Jahren angefangen mich mehr mit den Gründen, dem tieferen Sinn, dem geschichtlichen Hintergrund und den möglichen Konsequenzen für die heutige Zeit auseinander gesetzt, die in solchen Schriften stecken. Leider kann ich mich nicht als Sprachgenie bezeichnen, denn meiner Meinung nach, sollte man solche Texte möglichst unverfälscht lesen und sich seine eigene Meinung bilden.

    Alles in allem bin ich mir sicher, es gibt so etwas wie eine höhere Macht, ob dies ein Gott ist, ob es mehrere Götter sind, ob es sich dabei um Außerirdische handelt oder gar um etwas das wir uns nicht einmal vorstellen können, darüber kann ich mir kein Urteil bilden noch halte ich es für Richtig darüber zu Urteilen. Wichtig ist aber das man jedem seinen Glauben lassen sollte, denn ich bin Überzeugt, dass wir am Ende doch irgendwo alle an das Selbe glauben nur jeder auf seine Weise, weshalb es nicht notwendig ist irgendjemandem seinen Glauben auf zu zwängen. Aber auf der anderen Seite sollte man auch nichts ablehnen,nur weil es nicht mit dem übereinstimmt woran man selbst Glaubt. Man sollte es akzeptieren, tolerieren und evtl. sogar in Diskussionen mit den entsprechenden Leuten für sich selbst klären, ob überhaupt ein Grund besteht sich daran zu stören, denn es gibt sicherlich eine Menge über den Glauben Anderer herauszufinden, egal von welchem Standpunkt auch immer man sich ihm näher.

    So ich hoffe ich sprenge hier nicht ganz den Rahmen, falls doch wäre ich nicht böse, wenn es wieder gelöscht wird, aber ich fand es notwendig dies erwähnen, weil es meine Gedanken zu dem Blogpost sind.

    Gruß

    Alex

    1. Hallo Alex,

      deinen Kommentar löschen? Wieso denn das? Nein, ich danke dir für deinen Beitrag und finde jede Art von sachlicher und konstruktiver Diskussion gut.

      Rainer

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