Rainers Blog

Geheimnisvolles Yoono oder: Wie man Inkompatibilitäten überwindet

Geschrieben von Rainer Klute am 2011-12-28

Seit längerer Zeit verwende ich Yoono als Client für Twitter, Facebook und andere soziale Netzwerke. Ein großer Vorteil von Yoono ist seine Fähigkeit, mehrere Accounts gleichzeitig zu verwalten. So schicke ich meine Statusmeldungen in der Regel gleichzeitig sowohl über meinen Twitter-Account @Rainer_Klute als auch über Facebook heraus. Außerdem verwalte ich ein paar weitere Twitter-Accounts, zum Beispiel den der @FeG_Dortmund oder der @Nuklearia. Sehr nützlich, alle Accounts gleichzeitig im Blick zu haben und mal eben über diesen oder jenen Account etwas schreiben zu können! Sehr praktisch auch die Möglichkeit, Follower, Freude oder wie sie alle heißen, in Gruppen einteilen zu können.

Ich verwende Yoono als Firefox-Add-on; es steht auch für Google Chrome zur Verfügung, außerdem für’s iPhone sowie als eigenständige Anwendung für Linux, Mac und Windows.

Upgrade-Probleme

Das kann man natürlich auch alles auf der Yoono-Homepage nachlesen. Wozu also dieser Blogpost? Grund dafür sind Inkompatibilitäten, mit denen ich mich anläßlich einer Aktualisierung herumschlagen durfte.

Nachdem ich von Yoono 7.6.16 auf 7.7.0 aktualisiert hatte, passierte folgendes: Das neue Yoono lief kurze Zeit normal, dann – zack – lief Firefox in eine Endlosschleife. Nichts ging mehr, nicht einmal die Fensterinhalte wurden aktualisiert. Das einzige, was Firefox noch tat: Er belegte einen CPU-Kern zu 100 Prozent.

Ich habe daraufhin Yoono wieder auf Version 7.6.16 zurückgesetzt und konnte erstmal weiterarbeiten. Das half allerdings nur bis zu Firefox 9: damit mochte das alte Yoono 7.6.16 nicht mehr zusammenarbeiten.

Erste Hilfe: Yoono Desktop

Um überhaupt noch irgendetwas machen zu können, habe ich als Sofortmaßnahme Yoono Desktop heruntergeladen und unabhängig vom Firefox zum Laufen gebracht. Aber wie die Accounts und Gruppen aus Firefox herüberholen? Yoono verwaltet diese Dinge im wesentlichen in zwei SQLite-Datenbanken, die man im Firefox-Profil im Unterverzeichnis yoono findet. Diese Datenbankdateien habe ich in das entsprechende Verzeichnis der Desktop-Variante herüberkopiert und konnte damit arbeiten. Dennoch will ich hier nicht weiter in die Einzelheiten gehen, weil dieser Weg im allgemeinen nicht funktioniert. Er ist in meinem Fall nur deshalb gangbar gewesen, weil Yoono Firefox 7.6.16 und die von mir verwendete Yoono-Desktop-Version »zufällig« dasselbe Datenbankschema verwenden.

Neues Datenbankschema

Das ist aber nicht selbstverständlich, und leider hat sich das Datenbankschema mit Yoono 7.7.x geändert. Man kann die alten Datenbanken daher nicht einfach herüberkopieren und weitermachen.

Eigentlich sollte man erwarten können, daß Yoono ein altes Datenbankschema selbstständig erkennt und in das neue Schema migriert. Bleibt zu hoffen, daß das bei künftigen Versionen besser läuft!

Yoono-Gruppen wiederherstellen

Natürlich könnte man einfach die alte Yoono-Version wegschmeißen und mit einer neuen frisch anfangen. Hat man allerdings ein paar hundert Partner in sozialen Netzen und hat man diese auf verschiedene Yoono-Gruppen verteilt, ist das keine wirkliche Alternative. Man müßte ja alle Gruppen neu einrichten!

Was der gemeine Yoono-Anwender nicht weiß und was ich erst im Twitter-Dialog mit dem Yoono-Support herausgefunden habe: Man kann die Gruppen aus der alten Yoono-Instanz heraus exportieren und in die neue wieder einspielen. Die entsprechenden Funktionen haben die Yoono-Entwickler aus welchen Gründen auch immer gut versteckt.

Hier die einzelnen Schritte, um ein altes Yoono auf eine inkompatible neue Version zu aktualisieren. Zwar bleiben die Gruppen erhalten, Yoonos Wissen über die Benutzerkonten geht aber verloren. Also sollte man die Zugangsdaten bereithalten, um die Accounts schnell wieder einrichten zu können. Auch hier sollte Yoono nachbessern!

  1. Im Browser ruft man die »Adresse« about:yoono auf. Yoono zeigt daraufhin im Browser-Fenster verschiedene Schaltflächen an.
  2. Ein Klick auf die Schaltfläche Export Groups schreibt die Gruppen in die Datei groups.exp im Verzeichnis yoono. Dieses Verzeichnis liegt selbst im Firefox-Profilverzeichnis. Welches das ist, zeigt steht ganz oben im Fenster mit den Yoono-Schaltflächen.
  3. Die Datei groups.exp kopiert man an einen sicheren Ort außerhalb des Firefox-Profilverzeichnisses. Das Sichern der Gruppendatei ist sehr wichtig, weil das Verzeichnis yoono im übernächsten Schritt vollständig gelöscht wird.
  4. In der Add-on-Verwaltung des Firefox entfernt man die alte Yoono-Version bzw. man markiert sie als zu entfernen.
  5. Ein Neustart des Firefox entfernt Yoono tatsächlich. Dabei wird auch das Verzeichnis yoono aus dem Firefox-Profilverzeichnis gelöscht.
  6. In der Add-on-Verwaltung des Firefox installiert man die neue Yoono-Version.
  7. Startet man den Firefox neu, startet auch das neue Yoono und legt dabei unter anderem das Verzeichnis yoono neu an.
  8. Leider muß man Yoono nun erneut mit den verschiedenen Konten der sozialen Netzwerke verbinden.
  9. Sind die Accounts eingerichtet, kann man die Gruppen einspielen. Dazu kopiert man die vorher gesicherte Datei groups.exp in das Verzeichnis yoono hinein.
  10. Im Firefox ruft man den Pseudo-URL about:yoono auf.
  11. Nach einem Klick auf die Schaltfläche Import Groups liest Yoono die Datei yoono/groups.exp und richtet die Gruppen ein.

Gruppen aus der Yoono-Desktopanwendung exportieren

Bleibt die Frage, wie man die Gruppen aus Yoono Desktop heraus exportieren kann. Dort gibt es zwar auch ein Browser-Fenster, aber about:yoono in die Adreßzeile einzugeben, führt zu nichts. Auch hier gibt es einen geheimen Trick:

  1. In Yoono Desktop die Tastenkombination [Strg+Umschalt+D] eingeben.
  2. Auf das Werkzeug-Icon klicken (rechts neben dem Yoono-Logo). Das Werkzeug-Menü klappt auf.
  3. Im Werkzeug-Menü erscheint an erster Stelle der neue Menüpunkt Debug. Darunter gibt einen Punkt about:yoono.
  4. Das Anklicken dieses Menüpunktes bewirkt dasselbe wie ein Aufruf von about:yoono im Browser: Es öffnet sich ein Fenster mit den bekannten Schaltflächen, insbesondere mit Export Groups zum Exportieren der Gruppen. Yoono Desktop erstellt wie Yoono Firefox eine Datei namens yoono/groups.exp. Die liegt natürlich nicht im Firefox-Profil, sondern in einem eigenen Verzeichnis. Welches das ist, zeigt Yoono Desktop oben im Fenster mit den Schaltflächen an. In diesem Verzeichnis findet man das Unterverzeichnis yoono und darin wiederum die Datei groups.exp.

Update: Yoono-Macher wollen Geheimnisse bewahren

Offenbar haben die Yoono-Macher noch nicht verstanden, daß es bei Software um die Menschen geht, die diese Software benutzen. Jedenfalls beschwert man sich auf Twitter über diesen Blogbeitrag:

Aha. Eine sehr merkwürdige Einstellung! Es geht offenbar nicht darum, den Benutzern zu helfen, sondern den Machern selbst – wobei mir nicht klar ist, wie durch das Verstecken der Features den Yoono-Entwicklern ein Vorteil entsteht.

Und wenn Geheimnisse geheim bleiben sollen, bläst man sie besser nicht öffentlich via Twitter in die Welt hinaus:

Vielleicht wird es Zeit für eine quelloffene Alternative!

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Bedingungsloses Grundeinkommen

Geschrieben von Rainer Klute am 2011-12-03

Während ich dieses schreibe, diskutiert der Bundesparteitag der Piratenpartei gerade verschiedene Anträge zum sogenannten Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). Was mir bei vielen Rednern fehlt, sind Aussagen zur Finanzierung. Da kommen Argumente wie »wir werden das BGE so finanzieren wie die Rettung der Banken« – was ja wohl eher ein Argument gegen ein BGE ist.

Wenn man allen Bürgern unabhängig vom Alter und unabhängig von der Berufstätigkeit ein Bedingungsloses Grundeinkommen auszahlen will, dann muß dieses Geld irgendwo herkommen. Es kann nicht mehr Geld als BGE ausgezahlt werden, als in den Topf hineinkommt.

Geld in den Topf kann nur aus Steuermitteln kommen, und Steuermittel entstehen vorwiegend aus Berufstätigkeit (ja, auch Körperschaftssteuern). Deswegen kann ein BGE mit einer festgelegten Mindesthöhe (z.B. 800 €) nicht funktionieren.

Gehen wir zunächst mal vereinfachend davon aus, es seien die Berufstätigen, die aus ihrem Einkommen einen gewissen Prozentsatz in den BGE-Topf abführen.

So, jetzt ist eine gewisse Summe S im Topf. Diesen können wir auf alle BGE-Empfänger E verteilen. Jeder bekommt also den monatlichen Auszahlungsbetrag

M = S / E

Ist M hinreichend hoch ist, wird mancher sagen: »Hey, bei einem so hohen BGE brauche ich doch nicht mehr zu arbeiten!«, seinen Job hinschmeißen und allein vom BGE leben wollen.

Was ist die Folge? Die Summe S, die im nächsten Monat im Topf ist, sinkt. Im Extremfall zahlt niemand mehr in den Topf ein. Konsequenz: Der monatliche Auszahlungsbetrag wird kleiner und sinkt im Extremfall auf Null.

Wem der Auszahlungsbetrag zu gering ist, nimmt wieder eine Arbeit auf und zahlt in den Topf ein, sprich: der monatliche Auszahlungsbetrag steigt wieder. Letztlich stellt sich ein Gleichgewicht ein.

Die Summe im Topf hängt natürlich nicht nur von der Anzahl der Einzahler ab, sondern auch von der Höhe der Einzahlungen bzw. vom Prozentsatz des Einkommens. Kommt zuwenig Geld in den Topf, kann man den Prozentsatz erhöhen.

Was ist die Folge? Wer meint, ihm bliebe von seinem Einkommen nicht genügend Geld übrig, wird seine Berufstätigkeit zugunsten des BGE aufgeben. Was passiert? Der Topf wird wieder kleiner. An der Stellschraube »BGE-Steuersatz« kann man also nur begrenzt drehen, wenn überhaupt noch Geld in den Topf kommen soll. Das kann man sich leicht am Extremfall einsehen: Bei einem Prozentsatz von 100 % arbeitet niemand mehr, und der Topf bleibt leer.

So, das waren nur ein paar schnelle Überlegungen. Über Themen wie besondere Bedürftigkeit, Kosten medizinischer Behandlungen, weitere Möglichkeiten, den Topf zu füllen usw., habe ich jetzt nichts gesagt.

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Internationale Energieagentur warnt Regierungen vor Klimakollaps

Geschrieben von Rainer Klute am 2011-11-12

Am 9. November erschien der diesjährige World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur (IEA). Darin prognostiziert die IEA den weltweiten Energieverbrauch bis 2035. Die wichtigsten Erkenntnisse: Der Energiebedarf wird weiter enorm ansteigen, Kohlekraft bleibt die Nummer Eins in der Stromproduktion.

Drei Szenarien

Wenn man Prognosen erstellt, trifft man bestimmte Annahmen über Rahmenbedingungen. Die IEA machte das auch und rechnete drei verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen durch:

  1. Im ersten Szenario bleiben die gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen unverändert. Die IEA nennt dies das aktuelle Szenario.
  2. Im zweiten Szenario nimmt die IEA an, daß die in jüngster Zeit von den Regierungen eingegangenen politischen Verpflichtungen vorsichtig umgesetzt werden – auch wenn hier bislang noch nichts geschehen ist. Dieses neue Szenario ist für die IEA das wichtigste der drei.
  3. Das dritte Szenario schließlich unterstellt, daß die Regierungen alles Nötige dafür tun, um den langfristigen Anstieg der mittleren globalen Temperatur auf 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Man nimmt an, daß nur in diesem sogenannten 450-Szenario die Auswirkungen auf das Klima erträglich bleiben.

Düstere Aussichten für den Klimaschutz

Die Aussichten sind äußerst düster. Den Temperaturanstieg auf 2 °C zu begrenzen, wird wohl nicht gelingen, denn dazu dürften keine neuen Kohlekraftwerke mehr gebaut werden. Denn was einmal gebaut sei, so die IEA, das bleibe über Jahrzehnte hinaus in Betrieb – mit gewaltigen Mengen an CO2-Ausstoß und dem entsprechenden Anteil an der Erderwärmung. Bis 2017 sei noch Zeit, den Bau von Kohlekraftwerken weltweit zu stoppen; danach sei es für immer zu spät und eine Begrenzung des Temperaturanstieg auf 2 °C nicht mehr zu schaffen.

Nach Lage der Dinge wird diese Zwei-Grad-Begrenzung wohl eine Illusion bleiben. Es ist ja schon fragtlich, ob die Regierungen ihre freiwilligen Verpflichtungen einhalten, die das zweite Szenario unterstellt. Zur Zeit leben 1,3 Milliarden Menschen, die überhaupt noch keinen Zugang zu Elektrizität haben. Da ist die Versuchung für die betroffenen Staaten groß, diese Menschen mit möglichst billiger Energie zu versorgen. Und das heißt leider: Strom aus Kohle.

Auch Deutschland baut gerade 10 neue Kohlekraftwerksblöcke und wird dadurch die CO2-Emissionen über Jahrzehnte hinaus erheblich steigern. Nötig sind die neuen Kohlekraftwerke durch den Ausstieg aus der Kernenergie, denn Erneuerbare Energien stehen noch nicht im erforderlichen Umfang zur Verfügung, um die wegfallenden Kernkraftwerke zu ersetzen.

Was CO2-Ausstoß und steigende Temperaturen für das Weltklima und für die Menschen bedeuten, soll hier nicht das Thema sein. Ich empfehle aber sehr, zu lesen, was Lars Fischer neulich über die Klimakatastrophe geschrieben hat. Turbulenzen in der Lebensmittelversorgung sind danach erst der Anfang.

Entwicklung der Energieträger

Doch zurück zum World Energy Report 2011. Die IEA geht ja in ihrem Hauptszenario davon aus, daß die Regierungen ihre freiwilligen Versprechen einhalten. Zwar bin ich nicht optimistisch, daß die Regierungen das im vollen Umfang tun, aber schauen wir uns dennoch einmal an, wie sich die Anteile der verschiedenen Energieträger in den nächsten Jahrzehnten laut IEA in diesem Szenario entwickeln:

Entwicklung der Energieträgeranteile bis 2035 (Quelle: IEA)

Entwicklung der Energieträgeranteile bis 2035 (Quelle: IEA)

Den größten Anteil am Gesamtverbrauch wird das Öl behalten, was natürlich Verkehr und Transportwesen geschuldet ist. Kohle erreicht 2025 einen Höhepunkt und geht dann allmählich zurück. Trotz des Rückgangs behält Kohle auch 2035 noch die Spitzenstellung in der Stromproduktion. Sind die Rahmenbedingungen weniger rosig, als das »neue« Szenario unterstellt, ist der Kohleanteil noch höher. Bemerkenswert ist der rasante Anstieg von Gas; die IEA spricht von einem »goldenen Zeitalter« für Gas.

Wie sieht es mit den CO2-armen Alternativen aus? Das Unglück im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi im März 2011 hat den Anstieg der Kernenergie gebremst, aber beileibe nicht gestoppt. Mit 70 Prozent Zuwachs rechnet die IEA bis 2035. Noch stärker dürfte der Anteil der Erneuerbaren Energien steigen, allerdings von einem niedrigem Niveau aus und nur dann, wenn massive Subventionen fließen. Die sind nötig, um den teureren Strom auf den Elektrizitätsmärkten wettbewerbsfähig zu machen. Die Subventionen müssen von Jahr zu Jahr steigen und 2035 etwa das Fünffache des heutigen Umfangs erreichen. Die IEA sieht diese Förderung der Erneuerbaren trotz der hohen Kosten als sinnvoll an, weil sie dauerhafte Vorteile im Hinblick auf Versorgungssicherheit und Umweltschutz versprechen.

Wasserkraft weist die IEA getrennt von den Erneuerbaren aus. Ihr Anteil an der weltweiten Stromerzeugung bleibt bei ungefähr 15 Prozent, wobei die Hälfte neuer Kraftwerkskapazitäten auf China, Indien und Brasilien entfällt.

Fünf vor 12

Die Prognosen der IEA sind eine Warnung an die Regierungen, endlich ernstzumachen mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen, endlich die CO2-Emissionen zu begrenzen. Das heißt auch, endlich Schluß zu machen mit den Subventionen für Kohle, die diese Art der Stromproduktion künstlich verbilligen. Kohlesubventionen bieten natürlich überhaupt keinen Anreiz zur CO2-Reduzierung – im Gegenteil!

Für Maßnahmen sind jetzt gerade mal noch fünf Jahre Zeit. Allerdings fürchte ich, daß das den meisten Regierungen nicht einmal reichen wird, den Ernst der Lage zu erkennen, geschweige denn, schnell Wirksames zu unternehmen.

Überhaupt nicht verständlich ist im Blick auf den Klimaschutz der Ausstieg der Bundesregierung aus der Kernenergie, denn Kernkraftwerke produzieren bekanntlich CO2-armen Strom. Der Ausstieg ist nur dann zu verstehen, wenn man nicht auf das Klima und auf CO2-Emissionen schaut, sondern auf die Wählerstimmen.

Denn Deutschlands Wähler fürchten sich vor Strahlung, Atommüll und einem zweiten Fukushima. Das kann man einerseits nicht einfach von der Hand weisen, denn selbstverständlich ist das Risiko von Kernkraftwerken höher als das von keinen Kernkraftwerken. Andererseits fehlt den Kernkraftgegnern offenbar die Fähigkeit, verschiedene Risiken miteinander zu vergleichen. Denn sonst kämen sie nicht auf die Idee, die äußerst geringen Risiken aus der Kernenergie durch das hohe Risiko Kohlekraft zu ersetzen, das in die Klimakatastrophe führt und Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen Heimat, wirtschaftliche Existenz oder Leben kosten wird.

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Wissen gegen die Angst – Japaner fürchten sich vor radioaktiven Mini-Hotspots

Geschrieben von Rainer Klute am 2011-10-19

In diesen Tagen versetzen sogenannte radioaktive Hotspots die Bevölkerung von Tokyo in Angst und Schrecken. Die japanischen Behörden versuchen, die Menschen zu beruhigen, allerdings ohne großen Erfolg. Was denn nun? Ist die Angst gerechtfertigt? Oder kann man den Behörden glauben? Schauen wir uns das an einem konkreten Beispiel etwas genauer an.

Hotspot am Regenrohr

So berichtet die Japan Times in der Ausgabe vom 18. Oktober 2011 von einem Mini-Hotspot auf dem Gelände der Higashi-Fuchie-Grundschule im Tokyoter Stadtteil Adachi, 210 Kilometer vom havarierten Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi entfernt. An der Schule gibt es an einem Gebäude ein Fallrohr, das Regenwasser vom Dach ableitet. Dieses Rohr führt nicht zum Abwassersystem, sondern endet einige Dutzend Zentimeter über dem Boden, so daß das Regenwasser einfach auf die Erde läuft. An dieser Stelle hat man fünf Zentimeter über dem Boden eine Strahlung von 4 Mikrosievert pro Stunde (µSv/h) gemessen.

Dosis und Dosisleistung

Was heißt das? Wie gefährlich ist das? 4 Mikrosievert pro Stunde ist die sogenannte Dosisleistung und bedeutet folgendes: Hält sich ein Mensch an dieser Stelle eine Stunde lang auf, erhält er eine Dosis von 4 Mikrosievert. Nach zwei Stunden beträgt die Dosis 8 Mikrosievert, nach drei Stunden 12 und so weiter. Man kann sich denken, daß das Auswirkungen auf den menschlichen Körper hat. Das ist genau das, was die Maßeinheit Mikrosievert beschreibt: Bei 8 Mikrosievert ist die Auswirkung auf den Körper doppelt so hoch wie bei 4 Mikrosievert.

Wie hoch ist das Krebsrisiko?

Jetzt wissen wir aber immer noch nicht, wie gefährlich das ist. Dazu müssen wir ein bißchen ausholen. Die amerikanische Umweltschutzbehörde (EPA, Environmental Protection Agency) erforscht das Krebsrisiko durch ionisierende Strahlung und veröffentlicht die Ergebnisse im Blue Book: EPA Radiogenic Cancer Risk Models and Projections for the U.S. Population. Das gilt zwar, wie der Titel verrät, für die amerikanische Bevölkerung, dürfte aber für Japaner und sonstige Menschen nicht wesentlich anders sein. Die EPA geht sehr ins Detail und ermittelt Wahrscheinlichkeiten für verschiedene Krebsarten in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht, betroffenen Organen und so weiter. Wer Zeit und Lust hat, sollte sich das mal näher anschauen!

Zusammengefaßt und vereinfacht kann man folgendes sagen:

Wenn 1.000 Personen eine Dosis von einem Sievert (= 1.000.000 Mikrosievert) erhalten, erkranken 116 davon an Krebs, und 58 sterben daran.

Anders gesagt beträgt das Risiko für den einzelnen 11,6 Prozent, an Krebs zu erkranken, und 5,8 Prozent, daran zu sterben.

Ein Sievert ist eine sehr hohe Dosis. Bei einer geringeren Dosis sind entsprechend weniger Personen von Krebs betroffen. Man geht von einem linearen Zusammenhang aus; das heißt, bei einem halben Sievert gibt es nur halb soviele Krebsfälle, bei 0,1 Sievert (= 100.000 Mikrosievert) nur ein Zehntel der Krebsfälle und so weiter.

Wie gefährlich ist der Hotspot am Regenrohr?

Jetzt haben wir alles an der Hand, um die Gefährlichkeit des Mini-Hotspots an der Higashi-Fuchie-Schule zu berechnen. Dieser Hotspot befindet sich wie gesagt fünf Zentimeter über dem Erdboden – nicht einen Zentimeter und auch nicht einen Meter. Es ist also nicht ganz einfach für einen Menschen, sich komplett von diesem Hotspot bestrahlen zu lassen. Nehmen wir der Einfachheit halber aber mal an, der Hotspot reiche vom Boden bis in eine Höhe von ca. 1,80 Meter. Nehmen wir weiter an, ein Mensch stünde dort am Regenrohr vor der Wand und ließe sich bestrahlen. Schlaf braucht er nicht, Regen und Kälte machen ihm nichts aus. Und so steht er dort ein ganzes Jahr lang. Was passiert? Wird er verstrahlt? Wenn ja, geschieht das in einer Minute, einem Tag, einem Monat oder einem Jahr?

Rechnen wir es aus: Wir wissen, er erhält pro Stunde eine Dosis von 4 Mikrosievert. Ein Tag hat 24 Stunden; ein Jahr hat 365 Tage, also 8.760 Stunden. Bei 4 Mikrosievert pro Stunde ergibt das in 8.760 Stunden rund 35.000 Mikrosievert (= 35 Millisievert oder 0,035 Sievert). Aus dem obengenannten Krebsrisiko bei 1 Sievert können wir das entsprechende Risiko bei 0,035 Sievert berechnen:

Es sind 0,4 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Krebserkrankung und 0,2 Prozent für eine tödliche.

Das ist ein recht geringer Wert. Und natürlich stellt sich niemand ein Jahr lang Tag und Nacht an ein Regenrohr oder an sonst eine Stelle, ganz egal, ob Hotspot oder nicht. Das tatsächliche Risiko ist also erheblich geringer. Ein wenig realistischer, aber immer noch sehr großzügig gerechnet, ist die Annahme, ein Kind spiele täglich montags bis freitags außer in den Ferien jeweils eine Stunde am Hotspot – und zwar unmittelbar am Hotsport, nicht etwa ein paar Meter entfernt. Dann verringert sich das Risiko auf winzige 0,01 bzw. 0,005 Prozent. Da kann man nicht mehr wirklich nicht mehr von einem ernstzunehmenden Risiko sprechen. Es gibt im Leben von Schulkindern und Erwachsenen wahrhaftig andere und erheblich höhere Risiken, über die man sich vorrangig Gedanken machen sollte!

Grenzwerte

Vielleicht ist es dem aufmerksamen Leser nicht entgangen: ich habe bisher kein Wort über Grenzwerte verloren oder gar damit argumentiert. Diese Grenzwerte werden ja gern kritisiert. Sie seien viel zu hoch, und die Behörden würden die halt immer so anpassen, daß es paßt.

Nach dem oben Gesagten kann man das hoffentlich besser einordnen und sich einen Eindruck vom tatsächlichen Risiko verschaffen. Der Grenzwert für ionisierende Strahlung zusätzlich zur ohnehin vorhandenen natürlichen Strahlung und zur Strahlung durch medizinische Anwendungen beträgt 20 Millisievert pro Jahr für Personen, die beruflich Strahlung ausgesetzt sind (z.B. Flugpersonal) und 1 Millisievert pro Jahr für alle anderen.

Update (2011-10-20)

Wie der Daily Yomiuri meldet, wurde der Hotspot mittlerweile dekontaminiert.

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Katholik und Nichtpiratenwähler – eine Antwort

Geschrieben von Rainer Klute am 2011-09-24

Heute erhielt ich die E-Mail eines Berliners, der die Piratenpartei bei der Abgeordnetenhauswahl am 2011-09-18 nicht gewählt hatte. Grund war, was die Berliner Piraten zur Religion plakatiert und im Kaperbrief Nr. 7 formuliert hatten. Tobias ist Katholik und hat nach der Wahl einem der frischgebackenen Landtagsabgeordneten, Pavel Mayer, eine Stellungnahme geschrieben. Nun wollte er von mir wissen, was ich als »engagierter Christ« (wenn auch Freikirchler) davon halte.

Da meine Meinung vielleicht auch euch interessiert, habe ich sie hier aufgeschrieben:

Ja, ich sehe vieles genauso wie Tobias, und damit bin ich in der Piratenpartei ganz sicher nicht mehrheitsfähig. Ja, das macht mir Bauchschmerzen! Ja, ich verstehe es sehr gut, daß er die Piraten aus genau diesem Grund nicht gewählt hast! Ich war selbst bereits an dem Punkt, über einen Austritt nachzudenken. Denn es tut weh, wenn andere den ablehnen, der für mich Kern meiner Existenz und Dreh- und Angelpunkt meines Lebens ist: Jesus Christus. Warum ich dennoch in der Piratenpartei geblieben bin, steht hier.

Der Argumentation gegenüber Pavel Mayer kann ich mich durchweg anschließen. Mit zwei kleinen Unterschieden:

  • Ich sehe auch den Glauben an keinen Gott als eine Art Religion an oder – bevor die Atheisten jetzt aufschreien – als eine Weltanschauung. Der Atheist darf gern Atheist bleiben und sich dazu bekennen, wenn er es möchte. Das ist sein gutes Recht – auch wenn ich es inhaltlich bedauerlich finde – vor allem für ihn selbst. Mehr dazu habe ich in »Piraten und Religion« geschrieben.
  • Die Angabe der Religionszugehörigkeit gegenüber dem Finanzamt mag derzeit nur ein Merkmal zur Einziehung der Kirchensteuer sein. Es muß aber keinesfalls dabei bleiben. Wir sehen ja das massive Bestreben des Staates, immer mehr Daten zusammenzuführen, zu zentralisieren und über ihren eigentlichen Zweck hinaus zu nutzen. Das lehnen wir Piraten natürlich ab.

Als Freikirchler finde ich keine einzige Partei, bei der ich mich in Sachen Glauben heimisch fühlen könnte. Okay, da gibt es ein paar dediziert christliche Parteien weit, weit unterhalb der Ein-Prozent-Marke. Die dienen aber meines Erachtens nur der Beruhigung des christlichen Gewissens, »richtig« gewählt zu haben. Eine Chance zur Einflußnahme in unserer Gesellschaft haben sie aber nicht, jedenfalls nicht als Partei. Daß Christen durch das Gebet viel bewirken können, steht auf einem anderen Blatt. Hier steckt weit mehr Potential, als viele – auch viele Christen – für möglich halten.

Eine Partei ist keine Gemeinde. Parteien (plus Nichtwähler) sind ein Spiegel unserer nachchristlichen Gesellschaft. Dort irgendwo eine geistliche Heimat zu finden, erwarte ich daher gar nicht erst. Wenn viele in der Piratenpartei dem Glauben der Christen oder der Religion insgesamt kritisch gegenüberstehen und das deutlich artikulieren, dann ist das ist immerhin ehrlich. Und Ehrlichkeit ist das, was ich an den Piraten schätze!

Auch wenn ich in Fragen des Glaubens nicht mit der Flotte fahre, sondern im eigenen Segelboot gegen den Wind kreuze, so gibt mir das Dabeibleiben auf Sichtweite (und nur dies) die Möglichkeit, Flagge zu zeigen. Wie sollten Piraten denn sonst erfahren, wie Christen wirklich sind und was ihnen wichtig ist, wenn nicht durch Menschen, die dabei sind, ihren Glauben leben und das Maul aufmachen? Ohne Christen in der Piratenpartei blieben ja all die kruden Ansichten unwidersprochen, die manche über Religion im allgemeinen und über das Christsein im besonderen haben! Ach ja, und auch die Bedeutung des Rechts auf Religionsfreiheit nach Artikel 4 GG muß man dem einen oder anderen noch verklickern und zum Beispiel erläutern, daß es bei Religionsfreiheit nicht darum geht, in der Öffentlichkeit nicht durch Religion behelligt zu werden.

Nun, wenn die Piratenpartei schon keinen Gebetskreis gründet, so können Nichtchristen und Christen dennoch gemeinsam an der einen oder anderen Stelle die Welt ein Stückchen besser machen. Nach dem Wahlerfolg in Berlin werden wir gerade von den Medien überrannt und von der Öffentlichkeit und den übrigen Parteien endlich wahr- und ernstgenommen. Das verbessert unsere Chancen, einen neuen Stil in die Politik zu bringen: mit Ehrlichkeit, Sachlichkeit, Transparenz und Bürgerbeteiligung.

(Hm, und warum sollten Piratenchristen eigentlich keinen Gebetskreis gründen? Mit Mumble wär’s ja möglich.)

Update (2011-10-02): Tobias mit erlaubt, seinen Namen zu nennen. Und er hat seinen Text online gestellt, so daß ich ihn (den Text) verlinken konnte.

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Piraten entern Berlin: Riesenchance, Riesenherausforderung

Geschrieben von Rainer Klute am 2011-09-18

Mit einem grandiosen Wahlergebnis zieht die Piratenpartei in das Berliner Abgeordnetenhaus ein: 9,0 Prozent sagt die ARD-Hochrechnung von 21:40 Uhr. Gerechnet hatte mit einem Erfolg in dieser Größenordnung niemand; auch die Piraten nicht, denn sonst hätten sie ein paar Kandidaten mehr aufgestellt. Im Moment sieht es so aus, daß sämtlich 15 Kandidaten der Landesliste Parlamentssitze erhalten.

Der Erfolg in Berlin ist für die Piratenpartei ein gewaltiger Durchbruch, bringt er sie doch bei vielen Wählern (und Nichtwählern!) auf den Schirm – bei manchen erstmals, bei manchen erstmals richtig. Wer noch nie etwas von der Piratenpartei gehört hatte, weiß jetzt mehr. Wer die Piraten noch nie gewählt hat, »weil das ja doch verschenkte Stimmen sind«, wird das ab heute anders sehen.

Der Berliner Wahlerfolg ist ein Leuchtturm und ein Orientierungspunkt für ganz Deutschland. Er ist eine Riesenchance für die Piratenpartei bei kommenden Wahlen – in anderen Ländern, im Bund und in den Kommunen sowieso! Gleichwohl wird sich das Ergebnis andernorts nicht leicht wiederholen lassen, denn was in Berlin ankommt, trifft andernorts noch lange nicht auf Zustimmung.

Gleichzeitig ist Berlin eine Riesenherausforderung für die Piratenpartei. Denn nun werden die Menschen genau hinschauen und gucken, was die Piraten machen und wie sie es machen. Lernen und Einarbeiten ist angesagt, dann vernünftige, solide Politik für Berlin. Wer die Piraten nur aus Protest gewählt hat – und das sind die allermeisten –, will zu Recht eine Bestätigung.

Das muß jetzt laufen, und ich denke, es wird laufen – mit frischen Ideen und mit Beteiligung der Bürger. Berlin ist die Chance für die Piratenpartei – vielleicht die einzige.

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USB mit VirtualBox

Geschrieben von Rainer Klute am 2011-08-06

VirtualBox ist ein PC-Emulator der Firma Oracle. Wer in einer virtuellen Maschine die USB-Geräte des Wirtssystems benutzen wollte, mußte dazu früher eine kostenpflichtige Lizenz erwerben. Seit VirtualBox 4 ist das nicht mehr nötig. Einfach VirtualBox installieren und mit USB loslegen klappt trotzdem nicht.

Um USB mit VirtualBox 4.0.12 unter Linux (openSUSE 11.4) als Wirtssystem ans Laufen zu kriegen, mußte ich folgendes tun:

Extension herunterladen und installieren

Für die USB-Unterstützung braucht man neben der normalen VirtualBox-Installation ein Erweiterungspaket, das man von http://www.virtualbox.org/wiki/Downloads herunterlädt. Achtung, es gibt unterschiedliche Pakete für VirtualBox 4.1 und 4.0.12. Für mich ist letzteres interessant, und ich erhalte die Datei Oracle_VM_VirtualBox_Extension_Pack-4.0.12-72916.vbox-extpack. Was man an der Dateiendung nicht erkennen kann: Es handelt sich um eine gzipkomprimierte Tar-Datei.

Die Installation erfolgt mit Hilfe des VirtualBox-Managers:

  1. Anwendung VirtualBox starten.
  2. Im File-Menü Preferences… wählen. Das Fenster Settings erscheint.
  3. Im linken Bereich auf Extensions klicken.
  4. Rechts auf das Symbol klicken, das für Add package steht.
  5. Heruntergeladene Datei mit dem Erweiterungspaket auswählen und auf Open klicken.
  6. Die Installation beginnt. Da Systemdateien installiert werden, muß man das Root-Kennwort in ein Dialogfenster eingeben.

Siehe auch Kapitel »Installing VirtualBox and extension packs« im Benutzerhandbuch.

USB für virtuelle Maschine aktivieren

Um USB für eine bestimmte virtuelle Maschine zu aktivieren, macht man im VirtualBox-Manager folgendes:

  1. Gewünschte virtuelle Maschine auswählen.
  2. Auf Settings klicken. Dialogfenster öffnet sich.
  3. Im linken Bereich auf USB klicken.
  4. Häkchen bei Enable USB 2.0 (EHCI) Controller setzen.
  5. Filter hinzufügen. Hier sollte man für die Geräte, die man in der virtuellen Maschine nutzen will – und nur für diese –, einen Filter definieren. Das läßt alle Geräte außen vor, die das Wirtssystem selbst benötigt. Wie das mit dem Filter genau geht, kann man im Kapitel »USB Support« des Benutzerhandbuchs nachlesen.

Man denke aber nicht, nun könne man endlich mit USB loslegen. Denn zuvor gilt es, eine wichtige Frage zu klären:

Wer darf USB benutzen?

Das Wirtsystem (hier: Linux) und das Gastsystem in der virtuellen Maschine dürfen nicht gleichzeitig auf dasselbe USB-Gerät zugreifen. Wenn das Gastsystem beginnt, ein USB-Gerät zu nutzen, sperrt VirtualBox daher den Zugriff des Wirtssystems auf dieses Gerät. Dennoch kann dabei etwas schiefgehen: Greift das Gastsystem beispielsweise auf eine USB-Festplatte zu, die im Wirtssystem noch angemeldet ist, wirkt das im Wirtssystem so, als wenn der USB-Stecker gezogen worden wäre. Es kann zu Datenverlusten kommen.

Man muß also sehr genau wissen, was man tut und zum Beispiel daran denken, USB-Festplatten im Wirtssystem freizugeben, bevor man sie im Gastsystem verwendet. Daher darf nicht jeder beliebige Benutzer einer virtuellen Maschine USB nutzen, sondern muß vom Systemverwalter dazu berechtigt worden sein. Der macht das, indem er Nutzer in die Gruppe vboxusers einträgt.

Berechtigung aktivieren

USB-Geräte funktionieren im Gastsystem immer noch nicht? Das kann daran liegen, daß VirtualBox die nötigen Berechtigungen im Wirtssystem fehlen. Es hängt von der jeweiligen Linux-Distribution ab, wie genau das Problem zu lösen ist. Im Benutzerhandbuch gibt es dazu das Kapitel »USB not working«.

Unter openSUSE 11.4 ist folgendes zu tun:

  1. Datei /etc/udev/rules.d/60-vboxdrv.rules bearbeiten. Hier gibt es zwei Zeilen, die der Gruppe vboxusers den Zugriff auf USB-Geräte gestatten. Allerdings sind diese Zeilen auskommentiert, so daß sie gar nichts bewirken! Man entfernt die Kommentarzeichen, so daß die beiden Zeilen so aussehen:
    SUBSYSTEM=="usb_device", ATTR{devnum}=="?*", ATTR{busnum}=="?*",NAME="vboxusb/$attr{busnum}/$attr{devnum}", GROUP="vboxusers"
    SUBSYSTEM=="usb", ENV{DEVTYPE}=="usb_device", ATTR{devnum}=="?*", ATTR{busnum}=="?*",NAME="vboxusb/$attr{busnum}/$attr{devnum}", GROUP="vboxusers"
  2. Obwohl dies ein Linux-System ist, ist nun ein Neustart erforderlich. Danach geht’s.

Diese Lösung habe ich auf der VirtualBox-Seite im englischsprachigen openSUSE-Wiki gefunden.

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Der Herr des Tanzes

Geschrieben von Rainer Klute am 2011-04-22

Um das Tanzverbot dreht sich dieser Tage eine öffentliche Diskussion. Danach sind an bestimmten Feiertagen – so auch am heutigen Karfreitag – Tanz-, Sport- und andere öffentliche Veranstaltungen verboten, die dem Charakter des Feiertags widersprechen. Befürworter argumentieren mit dem verfassungsrechtlich gebotenen Schutz von Sonn- und Feiertagen und berufen sich auf Artikel 140 GG in Zusammenhang mit Artikel 139 der Weimarer Verfassung, der Bestandteil des Grundgesetzes ist. Gegner andererseits wollen sich nicht von einer Religion, mit der sie selbst nichts verbinden, vorschreiben lassen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Ich könnte an dieser Stelle eine feine Erörterung schreiben und die Argumente der einen Seite denen der anderen gegenüberstellen, sie gewichten und ein Fazit ziehen. Aber was wäre damit gewonnen? Ich denke, gar nichts.

Mir persönlich ist das Tanzverbot herzlich egal. Ich bin sowieso nicht der Typ, der sich für Tanz- oder Sportveranstaltungen begeistert – mir fehlt also nichts. Als Christ finde ich es zwar gut, den Karfreitag angemessen zu begehen, aber ich glaube nicht, daß sich irgendjemand dadurch zum christlichen Glauben bekehrt oder auch nur anfängt, sich näher dafür zu interessieren, wenn man ihm das Tanzen oder andere Vergnügungen verbietet. Es dürfte eher der umgekehrte Effekt eintreten.

Ich selbst habe in diesem Jahr einen anderen Zugang zum Karfreitag gefunden und zwar durch zwei Dinge, die mir auf Twitter über den Weg gelaufen sind:

  • Das Video My Last Day – es illustriert das Karfreitagsgeschehen im Animé-Stil aus der Sicht eines der beiden Verbrecher, die neben Jesus gekreuzigt wurden.
  • Der Song Lord Of The Dance – ein alter irischer Schinken, den ich noch nicht kannte. Eine Interpretation mit den Dubliners gibt es auf YouTube.

Lord Of The Dance ist ein wirklich cooles Stück, das vor Lebensfreude sprudelt. Der besungene Herr des Tanzes, das ist Jesus Christus. Vom Beginn der Schöpfung an tanzt er, und er will alle in seinen Tanz, in seine Freude, hineinführen. Der Refrain formuliert das so:

„Dance, dance, wherever you may be,
I am the lord of the dance“, said he.
„And I’ll lead you all wherever you may be,
and I lead you all in the dance“, said he.

Aber längst nicht alle wollen das. Gerade die Frommen seiner Zeit, sprich: die Schriftgelehrten und Pharisäer, machen nicht mit. Sie haben keinen Blick dafür, daß Jesus der Herr des Tanzes ist, der Herr der Welt. Sie lehnen ihn ab und wollen lieber selbst bestimmen, wo es lang geht:

I danced for the scribes and the pharisees,
they wouldn’t dance, they wouldn’t follow me.

I danced on the Sabbath and I cured the lame.
The holy people said it was a shame.

Ganz egal, ob es religiöse, areligiöse oder antireligiöse Gründe sind, Jesus abzulehnen, die Konsequenzen sind damals und heute klar und führen zu dem, was Karfreitag geschehen ist, zur Kreuzigung:

They whipped me, stripped me, hung me high,
left me there on the cross to die.

I danced on a Friday, when the world turned black.
It’s hard to dance with the Devil on your back.

Jesus stirbt am Kreuz, wird begraben, und seine Gegner denken, sie seien ihn endlich losgeworden:

They buried my body, they thought I was gone,

Aber Irrtum: Der Tanz geht weiter:

but I am the dance and the dance goes on.
They cut me down, but I lept up high.

I am the light that will never, never die.

Jesus ist nicht totzukriegen. Genauer: Jesus ist vom Tod auferstanden. Darum steht Karfreitag immer im Zusammenhang mit Ostern. Jetzt ist Jesus das Licht der Welt, das niemals stirbt. Er ist der Herr des Tanzes, er ist der Herr der Welt. Er kommt wieder und tritt seine Herrschaft an.

Der Tanz geht weiter. Jeder entscheidet für sich selbst, ob er dabei ist oder nicht, ob er sich dem Herrn des Tanzes anschließt oder für sich ein Tanzverbot anderer Art verhängt. »In Christus leben« nennen das Bibel und Song:

I’ll live in you if you’ll live in me.
I am the lord of the dance, said he.

Und darum lasse ich mir von Miesepetern welcher Richtung auch immer nicht die Karfreitags- und Osterfreude verderben! Der Song hilft mir dabei. Hier der komplette Text:

I danced in the morning when the world was young.
I danced in the moon, in the stars and the sun.
I came down from heaven and I danced on the earth,
at Bethlehem I had my birth.

Refrain:

Dance, dance, wherever you may be,
I am the lord of the dance, said he.
And I’ll lead you all wherever you may be,
and I lead you all in the dance, said he.

I danced for the scribes and the pharisees,
they wouldn’t dance, they wouldn’t follow me.
I danced for the fishermen James and John,
they came with me so the dance went on.

Refrain

I danced on the Sabbath and I cured the lame.
The holy people said it was a shame.
They whipped me, stripped me, hung me high,
left me there on the cross to die.

Refrain

I danced on a Friday, when the world turned black.
It’s hard to dance with the Devil on your back
They buried my body, they thought I was gone,
but I am the dance and the dance goes on.

Refrain

They cut me down, but I lept up high.
I am the light that will never never die.
I’ll live in you if you’ll live in me.
I am the lord of the dance, said he.

Refrain

(Dank an @AlexBMcKenzie und @jselzer für die Hinweise auf Lord Of The Dance!)

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Piraten und Religion

Geschrieben von Rainer Klute am 2010-12-23

Um das Thema »Piraten und Religion« ging es am 23. Dezember im Dicken Engel.

Dicker Engel

Wer den Dicken Engel noch nicht kennt: Das ist eine virtuelle Kneipe, in der regelmäßig Mitglieder der Piratenpartei und gelegentlich auch andere Menschen herumhängen. Sie ist virtuell, weil man nur per Internet hineinkommt und Computer und Headset braucht, um mit den anderen zu schwatzen. Ja, und die Software Mumble braucht man auch. Mehr dazu auf der Seite des Dicken Engels im Piratenwiki.

Donnerstags gibt es immer einen Themenabend mit Referenten, Vortrag und Diskussion. Und für den 23. Dezember schien ob der zeitlichen Nähe zu Weihnachten ein religiöses Thema angebracht. Offenbar bin ich in der Piratenpartei als religiöser Mensch bekannt. Jedenfalls habe ich mich über die Anfrage als Referent sehr gefreut.

Hier mein Vortrag:

Weihnachten

Folgt man den typischen Disney-Weihnachtsfilmen, so besteht Weihnachten vor allem aus folgenden Zutaten: Santa Claus, Nordpol, Elfen, Spielzeug, Schlitten, Rentieren (inkl. dem rotnasigen Rudolph), geschmücktem Weihnachstbaum, Geschenken, strahlenden Kinderaugen, glücklichen Erwachsene, heilen Familie (jedenfalls am Schluß eines Films) und gutem Essen. Eine spirituelle und vielleicht religiöse Komponente ist auch dabei: der Geist der Weihnacht.

Piraten und ihre Forderungen zu Kirche und Staat

  • Religionsfreiheit gemäß Artikel 4 GG.
  • Laizistischer Staat: Trennung von Kirche und Staat, Schutz des Bürgers vor religiösen Einflüssen
  • Deutlicher antireligiöser Unterton: Religion meinetwegen, aber bitteschön nur im Privaten. In der Politik hat Religion nichts zu suchen.

Religion – was ist das eigentlich?

Damit wir wissen, worüber wir hier reden, wäre eine Definition des Begriffs Religion nützlich. Schlägt man in der Wikipedia nach, findet man allerdings schnell heraus, daß es über hundert Religionsdefinitionen gibt, von denen sich aber bisher keine als allgemein anerkannt hat durchsetzen können.

Versuch einer Definition

Wir versuchen trotzdem, uns dem Begriff ein wenig zu nähern:

  1. Im ersten Ansatz kann man Religion als Glauben an Gott definieren. Dabei denke man etwa an die drei monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam. Wobei Muslime das Christentum nicht als monotheistisch sehen, denn da hat Gott ja einen Sohn. Und es gibt viele Religionen, die mehrere oder sogar sehr viele Götter verehren.
  2. Diese Definition paßt aber nicht zu Religionen wie dem Zen-Buddhismus, die gar nicht an einen Gott glauben. Fassen wir die Definition etwas weiter und sagen: Religion beschäftigt sich mit dem Übernatürlichen.
  3. Doch diese Definition ist immer noch zu eng. Das können wir etwa am Hinduismus erkennen (soweit man überhaupt von dem Hinduismus sprechen kann): Hier sind die Gottheiten nicht übernatürlich, stehen also nicht über dem Natürlichen. Vielmehr sind sie Teil des Natürlichen und durchdringen es. Das Spirituelle ist Teil des Empirischen.
  4. Definieren wir also Religion noch allgemeiner und bezeichnen Religionen als Weltanschauungen. Das Grundgesetz sieht ja auch beide Begriffe eng beieinander und spricht in Artikel 4 bewußt von der »Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses«.  Meine Weltanschauung erklärt mir, wie alles zusammenhängt und wie die Welt und das Leben funktionieren oder funktionieren sollten.
    • Woher komme ich?
    • Wohin gehe ich?
    • Wie sollte ich leben?
    • Wie sollten wir miteinander leben?
    • Was ist der Sinn?

Verschiedene Religionen, verschiedene Weltanschauungen kommen hier zu unterschiedlichen Antworten.

Nichtreligiöse Religionen

Auch wenn wir Religion als Weltanschauung definieren, schwingt dabei dennoch immer die Idee des Göttlichen oder des Spirituellen mit. Es gibt aber bekanntlich auch Weltanschauungen, die dies ablehnen, beispielsweise Materialismus oder Teile des Humanismus. Auch der Materialismus hat Antworten auf die Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu. Nach materialistischer Sichtweise kommt der Mensch durch Zufall ins Leben. Bewußtsein, Gedanken, Ideen und Gefühle basieren allein auf Materie. Ein Weiterleben nach dem Tod gibt es nicht. Da sich das Leben allein auf das Diesseits erstreckt, sollte jeder so leben, daß er möglichst glücklich ist. Und da das die anderen ebenfalls wollen, sollten wir schauen, daß wir uns gegenseitig möglichst wenig in unserem Glücklichsein beeinträchtigen.

Der Materialismus ist keine verfaßte Religion. Dennoch erkennen wir einige Grundmuster und Gemeinsamkeiten:

  • Es gibt eine Dogmatik: Es ist alles Materie.
  • Es gibt eine Teleologie (Sinn, Zweck): Glücklichsein.
  • Es gibt eine Ethik: Regeln, die ein gutes Leben für alle ermöglichen sollen.

Entsprechendes gilt für andere nichtreligiöse Weltanschauungen.

Weltanschauungen sind axiomatisch

Und noch etwas Entscheidendes haben religiöse und nichtreligiöse Weltanschauungen gemeinsam.

Jeder von uns gestaltet sein Leben nach bestimmten Prinzipien und Regeln, ganz egal, ob bewußt oder unbewußt. Bei dem, was wir tun, lassen wir uns leiten von dem, wie die Welt und das Leben unserer Meinung nach funktioniert oder funktionieren sollte. Diese Prinzipien und Regeln lassen sich letztlich zurückführen auf einige Grundannahmen oder Axiome. Wie wir die Dinge sehen und wie wir leben, beruht letztlich auf diesen Axiomen.

Axiome können wir nicht weiter begründen, sondern sind selbst die Grundlage unseres Weltbildes. In der Regel entziehen sie sich einem Beweis und sind in gewisser Weise willkürlich.

Beispielsweise kann ich die Existenz oder Nichtexistenz eines Gottes prinzipbedingt nicht mit naturwissenschaftlichen Methoden beweisen. Es ist eine reine Annahme, ein Axiom.

Gehe ich davon aus, das es keinen Gott gibt und alles auf Materie beruht, hat das Konsequenzen für die Art und Weise, wie ich mein Leben führe. Ich bin dann nur mir selbst gegenüber verantwortlich, eventuell auch gegenüber anderen Menschen und gegenüber dem Staat. Vertrete ich humanistische Ideale, wird mir die Verantwortung gegenüber anderen besonders wichtig sein. Da ich annehme, daß mein Leben mit dem Tode endet und danach nichts mehr kommt, brauche ich mir über ein Leben nach dem Tod und über eine Verantwortung gegenüber einem Gott keine Gedanken zu machen.

Das sieht anders aus, wenn ich davon ausgehe, daß es einen Gott gibt und zwar den Gott der Bibel. Dann bin ich nicht nur mir selbst, anderen Menschen und dem Staat gegenüber verantwortlich, sondern auch Gott gegenüber – und zwar Gott gegenüber zuallererst. Dann geht das Leben nach dem Tod weiter, und die Entscheidungen, die ich im Leben vor dem Tod treffe, haben Konsequenzen auf mein Leben nach dem Tod.

In beiden Fällen gehen wir von Grundannahmen aus, die wir plausibel finden mögen, die wir aber nicht naturwissenschaftlich beweisen können. Der Atheist kann nicht beweisen, daß Gott nicht existiert. Und wenn ich davon erzähle, wie ich Gott erlebe, kann ich das lediglich bezeugen, aber nicht beweisen. Die Grundlagen von Religionen und von anderen Weltanschauungen sind Axiome und entziehen sich daher ihrem Wesen nach einer Argumentation. Sie sind daher immer auch willkürlich.

Übrigens trifft diese Willkürlichkeit auch für die Menschenrechte zu. Wir können sie bzw. ihr Gelten nicht weiter begründen, sondern nur sagen: Das ist eben so. Oder besser: Das wollen wir so. Und das ist keine Selbstverständlichkeit: die Menschenrechte galten und gelten längst nicht zu allen Zeiten und an allen Orten.

Zwischen den verschiedenen religiösen und nichtreligiösen Weltanschauungen bestehen bekanntlich große inhaltliche Unterschiede. Allen gemein ist aber, daß es bestimmte axiomatische Grundüberzeugungen gibt, aus denen sich Lebens- und Politikgestaltung ableiten. Der Unterschied zwischen einem religiösen und einem nichtreligiösen Menschen besteht also lediglich darin, daß der eine Mensch seine Grundüberzeugungen durch seinen Glauben prägen läßt und der andere nicht. Oder wie es neulich ein Pirat formuliert hat: Jeder hat einen Glauben, auch wenn er nicht religiös ist.

Der pragmatische Ansatz

Viele Piraten wollen aber den ganzen weltanschaulichen Kram einfach beiseite lassen. Entscheidungen sollten nicht von irgendwelchen religiösen, moralischen oder weltanschaulichen Standpunkten aus getroffen werden, sondern allein aufgrund pragmatischer Erwägungen. Es sollten Lösungen umgesetzt werden, die gut sind, die funktionieren, die uns zum Ziel führen.

Aber so etwas wie eine weltanschaulich neutrale Politik gibt es nicht. Das merken wir, wenn wir über unsere Ziele sprechen. Denn wie unsere Ziele aussehen, leiten wir ja aus unseren Grundüberzeugungen ab. Die können wir nicht an der Garderobe abgeben und so tun, als hätten wir keine. Das wollen wir ja auch gar nicht. Wir wollen doch genau das umsetzen, was unseren Grundüberzeugungen entspricht. Damit zeigt sich auch der pragmatische Ansatz als weltanschaulich geprägt.

Folgerungen für die Politik

  • Sämtliche Weltanschauungen beruhen auf Axiomen.
  • Aus Sicht des Staates besitzt damit keine einen begründbaren Vorzug. Es gibt allerdings Weltanschauungen, die sich nicht bewährt haben (z.B. Kommunismus oder Nationalsozialismus).
  • Daher soll der Staat neutral sein.
  • Der Staat darf keine Religion oder Weltanschauung benachteiligen oder bevorzugen. Der Staat soll neutral sein, aber nicht antireligiös.
  • Religionsfreiheit gemäß Artikel 4 GG: (1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. (2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
    • Jeder hat das Recht, religiöse oder nichtreligiöse Weltanschauung frei zu wählen.
    • Ungestörte Religionsausübung heißt übrigens durchaus auch öffentliche Religionsausübung
    • Jede Religion oder Weltanschauung hat das Recht, andere umfassend zu informieren und für sich /dafür zu werben.

Laizistischer Staat

  • Mit der Forderung nach einer Trennung von Kirche und Staat habe ich als Freikirchler kein Problem. Freikirchen und Staat haben ja nicht so viele Berührungspunkte wie die katholische Kirche oder die evangelischen Landeskirchen. Das Problem ist eher, daß sich viele Christen aus den Freikirchen und die Freikirchen selbst so herzlich wenig für Politik interessieren. Als Christ sollte ich mich nicht nur für das ewige Heil der Menschen interessieren, sondern mich auch für ihr irdisches Wohl einsetzen.
  • Die Forderung nach Schutz des Bürgers vor religiösen Einflüssen ist Quatsch.
    • Sie widerspricht dem Recht auf Religionsfreiheit.
    • Sie ist eine Bevorzugung nichtreligiöser Weltanschauungen und damit eine Verletzung des Neutralitätsgebots.
  • Die Schule soll umfassend über die maßgeblichen Religionen und Weltanschauungen informieren. Keine Diskriminierung von Religionen durch Bevorzugung nichtreligiöser Weltanschauungen! Konfessioneller Religionsunterricht und konfessionelle Schulen sind Möglichkeiten dazu, aber nicht die einzigen.
  • Die Kirchen erbringen erhebliche Dienstleistungen für den Staat, z.B. in Kinderbetreuung oder Krankenpflege. Wer die strikte Trennung von Kirche und Staat will, soll erstmal ein Konzept vorlegen, wie er das auffangen will.
  • Potentiale heben! Christen, Muslime und die Angehörigen anderer Religionen nicht aus der Gesellschaft herausdrängen, sondern auffordern, Verantwortung zu übernehmen und sich für die Menschen in unserem Staat einzusetzen. Politikverdrossene Bürger haben wir mehr als genug!

Religion als Privatsache

  • Bei manchen Piraten hört man einen antireligiöser Unterton: Religion meinetwegen, aber bitteschön nur im Privaten. In der Politik hat Religion nichts zu suchen. Wie ich oben bereits gezeigt habe, ist eine religiös bzw. weltanschaulich neutrale Politik gar nicht möglich.
  • Religionsfreie Politik fordert von den Gläubigen etwas, was sie von keinem anderen fordert: Sie sollen ihre religiösen Überzeugungen bitteschön abgeben, bevor sie in den politischen Diskurs eintreten. Damit sollen sie das drangeben, was für viele von ihnen das Eigentliche ihres Lebens ist.

Und wieder Weihnachten

Und damit sind wir wieder da, wo wir angefangen haben: bei Weihnachten. Denn das Eigentliche meines Lebens hat mit dem zu ist, worum es Weihnachten geht oder besser: gehen sollte. Nein, nicht um den Geist der Weihnacht.

Die Grundüberzeugung meines Lebens ist, daß es einen Gott gibt und daß dieser Gott als kleines Kind vor 2000 Jahren auf die Welt gekommen ist. Das ist der Grund, warum wir Weihnachten feiern. Jesus hat das nicht aus Spaß gemacht. Das hat er gemacht, weil wir es ihm wert sind. Er will uns Sinn und Erfüllung geben. Das hat ihn Blut, Schweiß und Tränen gekostet – und das Leben. Doch damit sind wir eigentlich schon bei Karfreitag. Und bei Ostern. Und bei Himmelfahrt.

Beim Glauben geht es nicht darum, irgendeine Dogmatik für wahr zu halten oder sich irgendwelchen Gesetzen unterzuordnen. Es geht darum, Jesus persönlich kennenzulernen, eine Beziehung mit ihm einzugehen und das Leben mit ihm zu gestalten.

Wenn ich politische Weihnachtswünsche habe, dann diese:

  • Ich wünsche mir eine Politik, die mir erlaubt, das, was ich gerade gesagt habe, auch morgen noch frei und offen sagen zu können.
  • Ich wünsche mir Freiheit für die Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden und um ihr Leben fürchten müssen, z.B. in Nordkorea und vielen islamischen Staaten.
  • Ich wünsche mir natürlich auch, daß viele von euch anfangen, sich für den Glauben zu interessieren – in einem Staat, der das erlaubt und niemanden in eine bestimmte Glaubens- oder Unglaubensrichtung drängt.

In diesem Sinn euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

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Pirat bleiben oder gehen? Überlegungen nach dem Bundesparteitag der Piratenpartei

Geschrieben von Rainer Klute am 2010-12-04

Und sie haben es doch getan! Auf ihrem Bundesparteitag vor zwei Wochen, am 20. und 21. November in Chemnitz, beschloß die Piratenpartei familienpolitische Ziele, die sich mit meinen Werten als Christ überhaupt nicht decken. Ich hatte darüber bereits im Vorfeld des Parteitags gebloggt, siehe »Piraten schützen das Grundgesetz – oder doch nicht?«.

Gleich nach diesen Beschlüssen hatte ich getwittert, meine Mitgliedschaft in der Piratenpartei überdenken zu müssen. Das habe ich inzwischen getan. In diesem Beitrag möchte ich meine Gedanken schildern und meinen Entschluß erläutern.

Die Parteitagsbeschlüsse

Was der Parteitag im einzelnen beschlossen hat, kann man im Piratenwiki auf der Seite der Antragskommission nachlesen. Da sind durchaus eine Menge guter Dinge dabei! Ich will aus den vielen Punkten, die ich unterstütze, nur zwei Beispiele herausgreifen:

Aber da sind auch die Punkte, die aus meiner Sicht überhaupt nicht gehen oder mit denen ich zumindest heftige Bauchschmerzen habe:

  • Hinter dem Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe steckt eine gute Absicht, die ich unterstütze. Ja, jeder Mensch soll ein Leben in Würde führen können. Das leitet sich aus Artikel 1 des Grundgesetzes ab. Und dieses Leben in Würde soll unabhängig sein von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des einzelnen. Insofern geht der Beschluß in die richtige Richtung.

    Viele Piraten verstehen darunter jedoch die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Da sehe ich ganz erhebliche praktische Probleme. Beispielsweise hält nicht jeder die Begriffe Leistung und Leistungsfähigkeit sauber auseinander. Und ein ganz triviales Argument: Geld, das man ausgeben will, muß man zuvor eingenommen haben – es sei denn, man will mit der Verschuldungspolitik der jetzigen Regierung und ihrer diversen Vorgängerinnen weitermachen.

    Aber gut. Da der Beschluß ausdrücklich keinen bestimmten Weg zum Ziel ideologisch festschreibt, bin ich durchaus bereit, mich mit konkreten Konzepten auseinanderzusetzen.

  • Nur noch an den Kopf fassen kann ich mich aber angesichts der Forderung nach Abschaffung des § 173 StGB (Beischlaf zwischen Verwandten). So ein Schwachfug! Ich will das an dieser Stelle überhaupt nicht inhaltlich diskutieren. Aber, liebe Befürworter, laßt euch bitte nur mal die Frage gefallen, was dieser Beschluß wohl Außenstehenden signalisiert! Hat unser Land eigentlich keine dringenderen Probleme?

  • Ja, und schließlich haben wir diese Grundsatzbeschlüsse zur Queer- und Familienpolitik. Hier die einzelnen Module zum Nachlesen:

    Die Intention der Beschlüsse läßt sich bereits an Wortwahl und -stellung der Überschrift ablesen. Die lautet nicht etwa »Familienpolitik«, auch nicht »Familien- und Queerpolitik«, sondern »Queer- und Familienpolitik«. Diese Formulierung macht die Rangfolge klar. Es geht um Queerpolitik. Hier treibt eine rührige Gruppe von Piraten ihr Lieblingsthema voran. Und damit es mit der Zustimmung auf dem Parteitag auch bloß klappt, verquickt man seine Ideen noch mit ein paar gutklingenden Sätzen wie dem vom besonderen Schutz von Lebensgemeinschaften, in denen Kinder aufwachsen oder schwache Menschen versorgt werden. Ach ja, wer wollte auch Kindern oder Schwachen Schutz verweigern?

    Den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung spricht das Grundgesetz in Artikel 6 (1) jedoch nicht allen und nicht irgendwelchen Lebensgemeinschaften zu, sondern dediziert Ehe und Familie. Diesen besonderen Schutz will der Bundesparteitag offenbar ausgehebelt wissen. Den Widerspruch zum Grundgesetzartikel 6 hat man leichter Hand ignoriert. Sofern ich im Livestream nichts verpaßt habe, gab es nicht einmal eine Diskussion über diesen Aspekt! Hat das denn niemand bemerkt? Was für ein Armutszeugnis für eine Partei, die doch das Grundgesetz auf ihre orangen Fahnen geschrieben hat! Aber kaum steht es dem eigene Wollen und Wünschen im Weg, schiebt man es einfach beiseite. Das kennen wir doch bisher nur von gewissen anderen Parteien!

Verlorene Werte

Ich war 2009 in die Piratenpartei eingetreten, weil sie für mich die einzige politische Kraft war, der das Grundgesetz wirklich am Herzen liegt. Ich habe eine große Übereinstimmung gesehen zwischen den Werten der Piraten und meinen eigenen. Heute, nach diesem Bundesparteitag, ist die Schnittmenge erheblich geschrumpft – ebenso wie mein Vertrauen in die Grundgesetztreue der Piratenpartei.

Um diesen Blogbeitrag nicht zu lang werden zu lassen, will ich die inhaltliche Diskussion zu Einzelpunkte an dieser Stelle gar nicht führen. Vielleicht finde ich später die Zeit, meine Argumentation zu dem einen oder anderen Punkt darzustellen. Mir geht es heute nur um die eine Frage: Kann ich selbst mich noch in der Piratenpartei wiederfinden oder kann ich das nicht?

Wäre ich in der gleichen Situation wie 2009, als es für mich darum ging, in die Piratenpartei einzutreten oder nicht, wäre die Antwort ein klares Nein. Ein Blick in das neue Parteiprogramm, ein Blick auf die Schnittmenge der Werte, und die Sache wäre entschieden: nicht der Mühe wert!

Eine Geschichte mit Menschen

Allerdings ist meine Lage heute anders als vor meinem Eintritt. Damals war die Piratenpartei für mich eine mehr oder weniger abstrakte, unbekannte Organisation. Ich kannte nicht mehr als ihre Ziele. Diese Ziele fand ich gut, und wegen dieser Ziele bin ich die Piratenpartei eingetreten.

Seitdem ist viel passiert. Ich bin nicht bloß Mitglied, sondern habe einen Weg zurückgelegt mit dieser Partei. Es eine Geschichte mit Menschen. Es sind Begegnungen mit Piraten und Interessenten auf Stammtischen, an Infoständen, auf Parteitagen, auf dem Bahnhof, auf Twitter, auf Mailinglisten – und sogar am Telefon. Es ist der gemeinsame Aufbau der Pressearbeit in Nordrhein-Westfalen, es sind Begegnungen mit Menschen während des Sammelns von Unterstützungsunterschriften im Kreis Herford für meine Landtagskandidatur, es ist die Arbeit an der Dortmunder Kreisverbandssatzung. Es die persönlichen Begegnungen bei diesen und anderen Aktivitäten.

Die letzten eineinhalb Jahre waren für mich eine hochinteressante und wertvolle Zeit. Ich habe viel erfahren und viel gelernt. Und vor allem sind es die Menschen, die diese Zeit so wertvoll gemacht haben: diese Piraten, die so unverblümt ehrlich sind, die ohne Rücksicht auf Verluste ihre Meinung sagen – und sich dafür einsetzen, daß jeder andere in Deutschland und in der Welt das auch tun kann, ohne um seine Freiheit, seine Gesundheit oder um sein Leben fürchten zu müssen.

Parteiintern habe ich das in dieser Weise erlebt. Das ging natürlich nicht ohne Auseinandersetzungen ab. Wir haben gestritten, über Positionen diskutiert und um Vorgehensweisen gerungen. Und abseits von der Parteiarbeit gab’s spannende Unterhaltungen über Glaubensthemen, gerade mit meinen atheistischen Freunden. Ob wir nun derselben Meinung waren oder uns nicht einigen konnten: Jeder war offen für die Argumente des anderen und ist sachlich geblieben – na ja, fast jeder.

Und? Wie geht’s nun weiter?

Nachdem ich getwittert hatte, meine Mitgliedschaft in der Piratenpartei zu überdenken, haben sich eine ganze Reihe Piraten bei mir gemeldet und mich ermutigt, dabeizubleiben. Dieter Klein schätzt meine »unaufgeregte Art, andere Sichtweisen in die Diskussion zu bringen«. Fabio Reinhardt hat mir einen offenen Brief geschrieben. Andere haben getwittert, gemailt oder mich persönlich angesprochen.

Das berührt mich sehr.

Ehrliche Piraten

Ich merke: Hier ist echtes Interesse – an mir als Person, nicht nur an dem, was ich für die Partei leisten kann. Die Leute sind offen, sich mit dem zu auseinanderzusetzen, was ich denke und was ich glaube, auch wenn nicht alles dem eigenen Weltbild entspricht. Einige haben mich sogar explizit dazu aufgefordert, meine Sichtweisen in die Diskussion einzubringen und sie innerhalb der Partei zu vertreten.

In der persönlichen Begegnung mit anderen Piraten spüre ich, daß hier keine Ideologen am Werke sind, sondern eine tiefe innere Überzeugung da ist, mit den Parteitagsbeschlüssen Menschen wirklich helfen zu können. Ich teile diese Positionen inhaltlich nicht, aber die Ernsthaftigkeit beeindruckt mich. Piraten sind ehrliche Leute. Sie schielen nicht nach dem, womit sie möglichst viele Wählerstimmen ködern können, sondern entscheiden nach dem, was ihnen am Herzen liegt. – Ob es klug ist, alles, was man denkt, in Beschlüsse zu gießen, ist eine andere Frage.

Das alles macht es mir schwer, die Piraten zu verlassen.

Ich kann ja auch mein politisches Engagement nicht einfach wieder an den Nagel hängen. Bei den sonstigen Parteien, den sogenannten etablierten, könnte ich mich aber auch nicht zu Hause fühlen. Warum das gerade bei der Partei mit dem C so ist, hatte ich bereits an anderer Stelle erläutert.

Christliche Parteien

Und wie steht es mit den christlichen Parteien, also PBC, CM oder AUF? Denen müßte ich als Christ doch nahestehen, oder? Manches hört sich in der Tat gut an. Aber wenn die christlichen Parteien in die Parlamente kommen und dort etwas bewirken wollen, dann sollten sie sich als allererstes zu einer einzigen Partei zusammenschließen. Und konkrete Konzepte müßten her! Wahlplakate mit Bibelversen reichen nicht aus, um Politik zu machen. Kürzlich erzählte mir ein Journalist und Christ, er habe sich mehrfach in der PBC engagieren wollen, sei aber jedesmal eiskalt abgeblitzt, wenn er konkret und kritisch nach Konzepten gefragt habe. Die christlichen Parteien sind also auch keine Alternative, zumindest nicht zur Zeit.

Und Gott?

Die für mich wichtigste Frage bei der Enscheidung für oder gegen die Piratenpartei mag für manchen, der dies liest, überraschend sein. Es ist die Frage, wie Gott das sieht – genauer: wie er es für mich sieht. Ich frage ihn danach und ich bekomme Antworten. Das muß ich denjenigen Lesern, die keine Christen sind, ein bißchen erklären. Den Atheisten unter euch wird das quer heruntergehen und euch in eurer Meinung bestätigen, daß ich sowieso irgendwie schräg drauf bin. Vielleicht bekommt ihr aber auch eine Ahnung davon, daß euer Weltbild nicht nur schon deshalb die Realität korrekt und vollständig widerspiegelt, weil ihr das gern so haben wollt.

Mancher glaubt ja, Christsein bestünde aus einer Sammlung moralischer Regeln, die man einzuhalten habe. Daß das nicht stimmt, habe ich bereits in einem anderen Blogbeitrag erklärt. Christen glauben vielmehr, daß man zu Gott eine persönliche Beziehung haben kann und daß Gott mit seinen Leuten redet. Dieses Reden Gottes geschieht in der Regel nicht durch Visionen und Auditionen – zumindest ist das in unserem Kulturkreis selten. Vielmehr sind es oft kleine Begebenheiten im Alltag: ein Vers, den ich in der Bibel lesen, oder ein Satz, den ein anderer Christ mir sagt. Und ich spüre: Jetzt redet Gott zu mir! Ein Bibeltext ist dann nicht mehr bloß ein alter Text in einem bestimmten historischen Zusammenhang, sondern Gott spricht dadurch in meine Situation hinein. Der Text wird lebendig, wird für mich aktuell und hilft mir heute, eine Entscheidung zu treffen. Das funktioniert nicht mechanisch, das ist nicht machbar, und fromme Rituale nützen nichts. Das ist ein geistlicher Vorgang, der zu einer Zeit und auf eine Art und Weise geschieht, wie Gott es für richtig hält.

Nach dem Parteitag habe ich das erlebt, als ich in der Bibel die Stelle Johannes 17, 15 gelesen habe. Dort betet Jesus mit Blick auf seine Leute: »Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.« Und ich merke: Hier spricht Gott zu mir. Es sagt mir: »Die Welt – dazu gehört für dich auch die Piratenpartei. Zieh dich da nicht raus! Du hast da deinen Platz. Es ist gut, wenn du dabei bleibst. Ich werde mich schon darum kümmern, daß das eine gute Sache wird!«

In den folgenden Tagen habe ich weiter darüber nachgedacht und gebetet, um meine eigenen Gedanken von Gottes Gedanken unterscheiden zu können. Der starke Eindruck ist geblieben; ich bleibe also dabei.

Im Zwiespalt

Doch ich werde mit einem inneren Zwiespalt leben müssen. Mein Einsatz kann nicht mehr ungeteilt sein. Natürlich werde ich mich weiter für unsere Grundrechte einsetzen und mich für Themen wie JMStV, ACTA oder INDECT starkmachen. Positionen der Piratenpartei, die meinen inneren Überzeugungen zuwiderlaufen, kann ich aber am Infostand oder sonstwo nicht vertreten. Vielmehr habe ich vor, den innerparteilichen Dialog zu suchen und Überzeugungsarbeit zu leisten. Das ist ja etwas, was ich an der Piratenpartei richtig gutfinde: Ein solcher Dialog ist möglich! Nicht bei allen Parteien ist das der Fall. Meinungsvielfalt, wie sie einer demokratischen Partei angemessen ist: das finde ich gut! In diesem Zusammenhang ist auch der Blogbeitrag von Nineberry wichtig, der zur Meinungsvielfalt auffordert und unterschiedliche Strömungen begrüßt – Parteien innerhalb der Partei sozusagen.

Gegenüber anderen werde ich mein Engagement für die Piratenpartei auch mehr als zuvor begründen müssen. In meiner Gemeinde, der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) Dortmund, konnte ich bei der Landtagswahl eine ganze Reihe Wähler für die Piratenpartei mobilisieren. Das wird künftig anders sein. Man wird mein Engagement bei den Piraten wohl akzeptieren (müssen), aber selber Piratenpartei wählen? Wozu denn das? Für was von dem, was Christen wertvoll ist, steht die Piratenpartei denn ein? Die Idee von Parteien in einer Partei ist ja nicht unbedingt unmittelbar eingängig.

Aber gut. Eingetreten bin ich in die Piratenpartei, weil ich das Grundgesetz vor den etablierten Parteien schützen wollte. Jetzt bleibe ich dabei, um es auch vor der Piratenpartei zu schützen. Über Mitstreiter würde ich mich freuen.

Ich bleibe Querdenker statt Queerdenker.

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