Rainers Blog

Holz

Geschrieben von Rainer Klute - 2013-05-20

Wie ihr wißt, schreibe ich hier gelegentlich (und auf Twitter häufig) über Kernenergie. Natürlich ist Kernenergie nicht die einzige Möglichkeit, Strom zu erzeugen. Über eine ganz spezielle Energieart soll es in diesem Beitrag gehen: Holz. Zu diesem Thema erschien im April der Artikel “Wood: The fuel of the future –Environmental lunacy in Europe” im Economist, auf den ich mich hier stütze, auf Deutsch zusammenfasse und sehr empfehle.

Holzverfeuerung – laut EU klimaneutral

Holz zählt in der Europäischen Union zu den erneuerbaren, CO2-armen und damit klimafreundlichen Energien und wird entsprechend gefördert. Das muß ich erklären, denn normalerweise käme ja niemand auf die Idee, Holz als CO2-arm zu bezeichnen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Pandoras Rache

Geschrieben von Rainer Klute - 2013-05-20

Anfang des Jahres hatte ich über “Pandora’s Promise” (»Pandoras Versprechen«) geschrieben, die neue Pro-Kernenergie-Dokumentation von Filmemacher und Umweltschützer Robert Stone.

Der Film porträtiert eine Reihe von Umweltaktivisten und ehemaligen Kernkraftgegnern, die einen Umdenkprozeß hinter sich haben und heute in der Kernenergie die einzige wirksame Möglichkeit sehen, die Welt vor den Folgen des Klimawandels zu bewahren. “Pandora’s Promise” fordert den Zuschauer dazu auf, das kritisch zu hinterfragen, was er bislang über Kernenergie zu wissen meinte.

Klar, daß solch ein Film nicht nur auf Begeisterung stößt! Den Rest des Beitrags lesen »

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Atommüll selbst vernichten – oder doppelt und dreifach zahlen!

Geschrieben von Rainer Klute - 2013-05-11

Zum gerade laufenden Bundesparteitag 2013.1 der Piratenpartei in Neumarkt hat die Nuklearia einen Antrag eingereicht, der für die Forschungsförderung in Sachen Transmutation plädiert. Mit Transmutation läßt sich Atommüll aus gebrauchten Brennelementen insofern unschädlich machen, als sie aus langlebigem Atommüll kurzlebigen macht und die nötige Lagerdauer von 300.000 Jahren auf 300 Jahre verkürzt. Außerdem werden große Menge Energie freigesetzt, die man zur Strom- und Kraftstoffproduktion nutzen kann – stabil und klimafreundlich.

Radiotoxizität: Wie gefährlich ist ein radioaktiver Stoff im Menschen?

Entscheidend für die Sache mit dem Atommüll ist die sogenannte Radiotoxizität: Sie sagt aus, wie gefährlich eine radioaktive Substanz ist, wenn sie in den menschlichen Körper gelangt. Die Abbildung zeigt, wie es mit der Radiotoxizität gebrauchter Brennelemente aussieht:

RadiotoxizitätDie blaue Linie zeigt die gesamte Radiotoxizität gebrauchter Brennelemente. Sie nimmt nur sehr langsam ab und hat erst nach rund 300.000 Jahren das Niveau von natürlichem Uranerz (violette Linie) erreicht.

Schuld an diesem langsamen Abklingen sind die Transurane (rote Linie). Das sind Plutonium, Americium, Curium und weitere Substanzen, die schwerer als Uran sind. Wie man sieht, machen sie den Löwenanteil der Radiotoxizität aus.

Die grüne Linie zeigt die Radiotoxizität der Spaltprodukte. Sie ist anfangs ebenfalls sehr hoch, klingt dann aber sehr viel schneller ab als die der Transurane. Bereits nach 300 Jahren ist sie auf dem Niveau natürlichen Uranerzes angekommen. Sie fällt weiterhin schnell ab, um nach 800 Jahren bei nur einem Prozent der Radiotoxizität von Uranerz anzukommen.

Transmutation spaltet die langlebigen Transurane und macht aus ihnen kurzlebige Spaltprodukte. Dadurch gilt nicht länger die rote Linie, sondern die grüne! Das verkürzt die Lagerdauer auf ein Tausendstel! Eine gute Sache also!

Deutschland ohne Transmutation – das wird teuer!

Nun gibt es allerdings Bedenkenträger, die sich damit gar nicht anfreunden können und am liebsten jede Art Kerntechnik von deutschem Boden verbannen möchten. Für unsere Bundesregierung ist die direkte Endlagerung des Atommülls alternativlos, und von der Opposition oder von sogenannten Umweltschützern kommen ebenfalls keine anderen Stimmen. Transmutationsforschung ist kein wirkliches Thema, auch wenn sich Deutschland am europäischen Forschungsprojekt Myrrha beteiligt. Schnelle Reaktoren, die ebenfalls Transurane spalten können, sind  für viele ohnehin ein Reizthema. Deutsche Politiker diskutieren nicht, ob wir ein Endlager »für die Ewigkeit« brauchen, sondern nur, wo es hin soll.

Aber was passiert, wenn Deutschland hier nichts tut uns passiv bleibt? Wenn Deutschland nichts erforscht und nichts entwickelt? Meiner Ansicht nach wird folgendes geschehen:

  • Erstens wird sich herausstellen, daß die heute favorisierte direkte Endlagerung nicht durchführbar ist. Denn niemand will das Zeug haben wollen: »Anderswo gerne, aber bitte nicht zu mir!«
  • Zweitens werden Unternehmen in anderen Ländern durchaus Transmutationsanlagen bauen, zum Beispiel Schnelle Reaktoren mit integrierter Brennelementwiederaufarbeitung – Reaktoren, die Atommüll als Brennstoff nutzen können. Rußland kommt einem da als erstes in den Sinn, weil die Russen sehr viel Erfahrung mit Schnellen Reaktoren haben und ohnehin ihre gesamte Kernkraftstrategie Ende 2012 auf Schnelle Reaktoren umgestellt haben.
  • Drittens wird Deutschland wohl oder übel seine gebrauchten Brennelemente in diese Länder exportieren müssen – Stichwort Atommüllexport. Denn mit dem Endlager klappt es ja nicht, und außerdem werden die Abnehmer den Atommüll nicht einfach verbuddeln, sondern schön brav und sauber in ihren Anlagen verwerten. Man darf also ein gutes gewissen haben. Eine solche Dienstleistung gibt’s natürlich nicht umsonst! Deutschland wird eine Menge Geld an die Entsorger abdrücken.
  • Viertens machen die Entsorger den Atommüll nicht einfach bloß unschädlich, sondern produzieren daraus klimafreundlichen Strom und klimafreundlichen Fahrzeugtreibstoff. Beides läßt sich prima gegen gutes Geld nach Deutschland verkaufen. So ist der Kreis geschlossen, so zahlen wir doppelt! Ach nein, wir zahlen dreifach, denn die Energiewende hat ja auch ihren Preis.

Links

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Strahlenschutz der Realität anpassen!

Geschrieben von Rainer Klute - 2013-04-14

Das Reaktorunglück im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi und die radioaktiven Freisetzungen zwangen 160.000 Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. 70.000 von ihnen dürfen auch jetzt noch nicht in ihre Häuser zurück.

Grundlage für Evakuierungsmaßnahmen sind Strahlenschutzvorschriften. Deren Grundgedanke ist es, Strahlenbelastungen der Menschen möglichst zu vermeiden. Daher evakuiert man lieber zu früh als zu spät. Allerdings bedeuten auch Evakuierungsmaßnahmen eine Belastung für die Betroffenen. So starben in Fukushima 1.100 Menschen an den Folgen der Evakuierung.

Durch die Strahlung hingegen kam niemand ums Leben, auch nicht im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi selbst. Die Frage ist also berechtigt, ob die Evakuierungsmaßnahmen nicht mehr Schaden als Nutzen angerichtet haben. Wenn man dies bejaht, schließt sich die nächste Frage an: Wie hoch darf die Strahlenbelastung sein, um unterhalb der Evakuierungsbelastung zu bleiben?

Dr. Jerry Cuttler beschäftigt sich in seinen Forschungsarbeit seit über 15 Jahren mit den gesundheitlichen Folgen von Niedrigstrahlung, also Strahlung in der Größenordnung, wie sie in Fukushima und anderswo in der Welt auftritt. In seinem Paper Commentary on Fukushima and Beneficial Effects of Low Radiation faßt er die Ergebnisse internationaler Forschungen zusammen und gibt einen Überblick über den aktuellen Wissensstand.

Das Ergebnis dürfte manchen überraschen: Der Mensch ist für deutlich höhere Strahlendosen geschaffen, als allgemein angenommen wird.

Cuttler fordert, die Strahlenschutzvorschriften der Realität anzupassen und denkt an den von der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) im Jahr 1934 ursprünglich festgelegten Grenzwert von 0,2 r/d, was umgerechnet etwa 680 mSv/a (Millisievert pro Jahr) entspricht. Zum Vergleich: Die deutschen Strahlenschutzvorschriften legen eine effektive Dosis von 20 mSv/a für beruflich strahlenexponierte Personen fest und 1 mSv/a für die allgemeine Bevölkerung.

Cuttlers Aufsatz erschien in der März-Ausgabe 2013 des Canadian Nuclear Society Bulletin und ist nun frei verfügbar. Ich übersetze hier die Zusammenfassung:

»Zwei Jahre, nachdem 160.000 Menschen aus Fukushima evakuieren mußten, dürfen 70.000 bis heute nicht zurückkehren. Die 1.100 Opfer der Evakuierungsanordnung zeigen, daß diese Vorsichtsmaßnahme, die die Krebsrisiken minimieren sollte, keineswegs »konservativ« war. Hier werden aktuelle Studien untersucht hinsichtlich der Auswirkungen radioaktiver Freisetzungen und hinsichtlich des Nutzens medizinischer Strahlenanwendungen, die bis zu den 1950er Jahren durchgeführt wurden – bevor die Strahlungsangst entfesselt wurde. Aktuelle Forschungen beleuchten die hohe Anzahl spontaner Doppelstrangbrüche in der DNS und den adaptiven Schutz in Zellen, Gewebe und Menschen – ein Schutz, der durch Niedrigstrahlung verstärkt wird. Diese Verteidigungsmechanismen schützen; sie reparieren, entfernen und ersetzen Schäden sämtlicher Ursachen einschließlich externer Einwirkungen. Die Krebssterblichkeit wird reduziert. Das ICRP-Konzept des Strahlungsrisikos ist falsch. Es sollte auf den Stand von 1934 zurückgesetzt werden, das eine Dosis von 0,2 r/d erlaubte – auf der Grundlage von 35 Jahren medizinischer Erfahrung.« [0,2 r/d (Röntgen pro Tag) sind umgerechnet etwa 680 mSv/a.]

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Die Osterbotschaft für geistig Behinderte

Geschrieben von Rainer Klute - 2013-03-15

Alle zwei Jahre veranstaltet die Freie evangelische Gemeinde (FeG) Dortmund den Ostergarten. Unter dem Motto »Passion und Ostern mit allen Sinnen erleben« laden wir zu Führungen ein. In einem begehbaren Diorama sind die wesentlichen Stationen der Passions- und Ostergeschichte aufgebaut – vom Einzug in Jerusalem über die Kreuzigung bis zum Auferstehung.

Unterstützt durch Hörszenen, einen »König« sowie Licht- und Tontechnik führt ein Gruppenbegleiter die Besucher durch die Szenerie. An einer der Stationen gibt es sogar zu Essen und zu Trinken.

Heute komme ich sehr bewegt von einer Führung durch den Ostergarten zurück. Die Gruppe, die hindurchbegleitet habe, ist eine besondere: geistig Behinderte, teilweise auch mehrfach Behinderte.

Wie kann ich diese Menschen erreichen? Wie kann ich Ihnen die Osterbotschaft vermitteln? Was kann ich als Gruppenbegleiter anders machen als bei »normalen« Gruppen? Nur wenig. Ich kann extra langsam sprechen. Ich kann dies oder das mit anderen Worten wiederholen. Aber viel ist da nicht zu machen. Und die als MP3-Dateien eingespielten Hörszenen kann ich sowieso nicht verändern.

Und selbst wenn: Ich wüßte gar nicht, in welche Richtung ich was zielführend modifizieren könnte. Ich kann Menschen auf der intellektuellen Ebene erreichen, ich kann Sachverhalten darstellen und erklären. Aber wenn die intellektuelle Ebene nicht breiter ist als ein Fenstersims? Was dann? Ich stoße da an meine persönlichen Grenzen.

Nach der Führung spreche ich kurz mit dem Leiter der Gruppe. Daß ich nicht erkennen könne, ob und inwieweit die Teilnehmer etwas mitnehmen konnten von dem, was der Ostergarten vermitteln will. Daß manche Teilnehmer während der Führung scheinbar anderweitig beschäftigt waren. Er erklärt mir das: Es sei erstaunlich, wie lange die Konzentrationsspanne der Teilnehmer gereicht hätte. Das sei überaus ungewöhnlich!

Eigentlich hätte ich es wissen müssen: Das Ostergarten-Motto »mit allen Sinnen« erhebt ja bereits den Anspruch, weit mehr zu sein als eine rein intellektuelle Wissensvermittlung. Hier geschieht viel mehr auf anderen Ebenen. Auf Ebenen, die sich meiner eigenen Wahrnehmung teilweise entziehen. Aber ich muß ja auch nicht alles verstehen. Es soll mir reichen, zuzusehen, wie Gott handelt und Herzen auf eine ganz andere Weise bewegt, als ich es selbst kenne. Gott gibt seine Liebe zu jedem Menschen auf sehr unterschiedliche Weisen weiter. Ich bin ihm dankbar, daß er mir das sehr eindrücklich durch diese Führung für geistig behinderte Gäste vor Augen geführt hat!

PS: An der Station »Pilatus« habe ich übrigens nicht so laut geschrieen, wie ich das sonst gern mache.

Der Ostergarten 2013 ist noch bis Ostermontag geöffnet. Mehr unter http://ostergarten.feg-dortmund.de/.

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Christ und Naturwissenschaftler – Replik auf Lowl3vel

Geschrieben von Rainer Klute - 2013-01-26

In seinem Blogbeitrag »Christ und Naturwissenschaftler – Geht das?« kam Lowl3v3l neulich zu dem Schluß, daß das eben nicht gehe. Man könne nicht gleichzeitig Christ und Naturwissenschaftler sein, »denn wir haben noch keinen Gott belegen können, garnicht, womit man aus naturwissenschaftlicher Sicht diesen nicht annehmen darf.«

Zu diesem Beitrag habe ich einen Kommentar hinterlassen, den Lowl3v3l aber nicht freischalten mag – offenbar, weil der Inhalt nicht gefällt. Ihr könnt meinen Kommentar daher hier nachlesen:

Ähm, nein. Du machst gleich zu Anfang einen grundlegenden Denkfehler. Und ex falso quod libet.

Als Naturwissenschaftler beobachte und messe ich solche Dinge und Vorgänge, die ich beobachten und messen kann – natürliche Dinge eben. Soweit sind wir uns sicher einig. Übernatürliche Dinge und Vorgänge kann ich so nicht erfassen, denn Übernatürliches entzieht sich per definitionem natürlichen Meßverfahren. Daraus aber zu schlußfolgern, daß es gar nichts Übernatürliches gibt, wäre verfehlt. Und genau hier steckt dein Denkfehler. Denn auch die Nichtexistenz von Übernatürlichem läßt sich mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht nachweisen. Über Übernatürliches kann ich als Naturwissenschaftler schlicht und ergreifend gar keine Aussage treffen. Sondern ich muß erkennen und anerkennen, wo die prinzipiellen Grenzen der Naturwissenschaften liegen. Sie beschäftigen sich mit einer Teilmenge der Realität. Ob es sich dabei um eine echte Teilmenge handelt oder nicht, läßt sich naturwissenschaftlich nicht ermitteln.

Bin ich Christ, habe ich eine weitere Erfahrungsebene: Ich kenne die Erfahrung einer persönlichen Beziehung zu diesem Gott, der sich in der Bibel vorstellt. Ich erlebe, wie Gott Gebet hört, wie er antwortet, wie er mich führt und mir hilft. Mit naturwissenschaftlichen Methoden sind diese Erfahrungen aus prinzipiellen Gründen (siehe oben) natürlich nicht nachweisbar – aber auch nicht widerlegbar. Das ist eben eine ganz andere Ebene. Da kann ich nur sagen: Es ist so. Und: Probier’s halt aus!

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Niederschmetterndes Niedersachsen – Wie weiter, Piratenpartei?

Geschrieben von Rainer Klute - 2013-01-21

Vorbei sind die Zeiten, da die Piratenpartei 2,1 Prozent wie einen Sieg feierte. Die gestrige Landtagswahl war für die Piratenpartei, für meine Piratenpartei, eine klare Ansage des Wählers: Wir wollen euch nicht!

Nach den Gründen brauchen wir nicht lange zu suchen, sondern nur die Analyse von Manuel Bewarder in seinem Welt-Kommentar zu lesen: »Tschüss, Piratenpartei! So brauchen wir dich nicht«. Ich will das hier nicht wiederholen.

Recht hat Bewarder, und zwar Punkt für Punkt! Leider! Nein, so, wie sich die Piraten in der Öffentlichkeit präsentieren, brauchen wir sie wirklich nicht! Das zu hören, tut weh! Doch wie ein guter Arzt verschweigt Bewarder dem Patienten die notvolle Diagnose nicht. Und er empfiehlt eine Therapie. Ob der Patient diese Ratschläge annimmt und befolgt oder lieber unbehandelt zugrunde geht, ist seine eigene Entscheidung. Und es nicht damit getan, einfach mal ein paar Pillen zu schlucken und ansonsten so weiterzumachen wie bisher. Nein, es gilt, Einstellungen und Verhaltensweisen zu ändern. Also, wer’s noch nicht gemacht hat, lese bitte diesen Kommentar!

Ich wünsche dem Bundesvorsitzenden Bernd Schlömer viel Erfolg mit seinem Plan, Themen verstärkt durch Köpfe voranzubringen. Anders geht’s ja auch gar nicht. Themen und Ideen bringen sich nicht selbst voran. Dazu braucht’s immer Menschen: sei es einen Martin Luther King im Kampf gegen Unterdrückung und Rassismus, dessen Traum die Menschen und ein Land veränderten, William Wilberforce, der in England die Sklaverei abgeschaffte, Florence Nightingale, die die Krankenpflege revolutionierte, und viele, viele mehr. Diese Vorkämpfer haben sich unter Einsatz ihrer ganzen Person für ihre neuen und revolutionären Ideen ins Zeug gelegt, viele andere begeistert und aus seltsamen Ansichten einer Minderheit Mehrheitsüberzeugungen und gemacht.

Nicht mehr länger »Themen statt Köpfe«, sondern »Themen durch Köpfe« oder »Köpfe für Themen«? Für die Piratenpartei wird das eine Zerreißprobe, denn viele werden diesen Weg nicht mitgehen wollen. Da ist Überzeugungsarbeit zu leisten, und zwar fix, denn die Zeit arbeitet gegen die Piraten – Stichwort Bundestagswahl. Wir brauchen zügig eine Richtungsentscheidung!

Wer engagierten Leuten bloße Machtgelüste unterstellt, sei auf das Niedersachsen-Ergebnis verwiesen. Solange die Piraten im Zwei-Prozent-Bereich herumkrebsen, brauchen wir über »Macht« überhaupt nicht nachzudenken. Im Gegenteil, die obigen Beispiele zeigen: Wer sich für seine Überzeugung reinhängt, riskiert nicht selten Ansehen, wirtschaftliche Existenz, Gesundheit oder sogar das Leben. Für Bernd Schlömer steht hoffentlich maximal sein Ansehen unter den Piraten auf dem Spiel!

Falls die Piratenpartei mitzieht und den »Weg der Köpfe« geht: Prima, dann können wir wieder Ideen und Themen nach vorn und unter die Leute bringen, Menschen begeistern, Wähler überzeugen! Falls nicht, bliebe die Piratenpartei auch weiterhin eine Mitmachpartei für Selbstdarsteller, Streithähne und Chaoten – und bedeutungslos.

Dann würde es Zeit für eine Neugründung.


(Immerhin hat meines Wissens noch niemand der Nuklearia die Schuld an der verlorenen Niedersachsenwahl gegeben. Einen derartigen Absturz zu verursachen, traut man ihr dann wohl doch nicht zu. Jedenfalls hat die Forderung der Piraten in Niedersachsen, Atommüll nicht in Gorleben endzulagern, nicht das gewünschte Resultat gebracht. Bei der nächsten Wahl könnte man es vielleicht ja doch mal mit der Idee der Nuklearia versuchen, den Atommüll nicht endzulagern, sondern zu vernichten. Oder doch weiterhin dem energiepolitischen Zeitgeist anbiedern?)

Ergänzung (2013-01-21, 18:45 Uhr):

Da vorhin per Mail eine Bemerkung zum obigen Nuklearia-Absatz kam, will ich dazu noch eine Hintergrundinfo nachliefern. Diesen Nachsatz habe ich ganz bewußt als Nachsatz formuliert, mit einem Strich abgetrennt und auch noch in Klammern gesetzt, weil er mit dem eigentlichen Kommentar nichts zu tun hat.

Die NDS-Piraten waren im letzten Jahr auf mich zugekommen, weil sie durch die Nuklearia und ihren Flyer »Wohin mit dem Atommüll« mögliche Probleme für ihren Wahlkampf sahen. Daraufhin hatte ich eine Strategie skizziert, mit denen Kernkraftgegner und -befürworter gemeinsam (!) in Niedersachsen sowohl das Thema Atommüll wie auch Bürgerbeteiligung und Basisdemokratie hätten nach vorn bringen können – außerdem mit einem Alleinstellungsmerkmal vor den anderen Parteien. Diese Strategie hat man dann aber nicht gewollt.

Nun ja, einfach nur gegen Gorleben zu sein, reichte dann aber wohl doch nicht aus, um als Atompolitik durchzugehen.

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Licht! Kamera! Atome! Sundance präsentiert Pro-Kernkraft-Film

Geschrieben von Rainer Klute - 2012-12-25

Von (Übersetzung des englischen Originalartikels: Rainer Klute)

The show must go on: »Schnelle« Kernreaktoren – ein lange vernachlässigtes Reaktordesign. Seine Unterstützer wollen es jetzt ins Rampenlicht stellen.

Argumente für eine neue Art von Kernenergie kommen im Januar auf die Leinwand: Der Film Pandora’s Promise feiert auf Robert Redfords Sundance-Filmfestival Premiere.

Wie Regisseur Robert Stone auf seiner Website erläutert, läßt die Dokumentation ehemalige Antiatom-Wissenschaftler und -Aktivisten zu Wort kommen, die die Kernenergie mittlerweile für den Schlüssel zu einer CO2-armen Energiegewinnung halten, die die globale Erwärmung bremsen kann. Den Rest des Beitrags lesen »

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Buß- und Bettag

Geschrieben von Rainer Klute - 2012-11-21

Heute ist Buß- und Bettag. War das früher ein bundesweiter Feiertag, ist das heute nur noch in Sachsen der Fall. Mit Buße und mit Beten können halt nur die wenigsten noch etwas anfangen.

Buße – da denkt man an mittelalterliche Rituale zur Selbstkasteiung und allenfalls an das Bußgeld, das man zu zahlen hat, wenn man sich bei einem Verstoß gegen die Verkehrsregel hat erwischen lassen. Auf jeden Fall nichts Angenehmes! Dahinter steht die Angst vor einem zornigen Gott, der einen übelst straft, wenn man nicht für seine Sünden büßt, sich bessert und ein Leben führt, das Gott gefällt. Von dieser Angst hat die katholische (und seinerzeit einzige) Kirche lange profitiert, weil sie so die Menschen gefügig halten konnte. Ganz zu schweigen vom Fegefeuer, in dem die arme Seele zu büßen hat, durch das sie gereinigt wird, damit sie zu Gott kommen kann.

Die Idee, die dahintersteckt, ist eigentlich sogar durchaus richtig: Der sündige Mensch und der heilige Gott passen einfach nicht zusammen. Damit Mensch und Gott zusammenkommen können, muß irgendetwas passieren, das die Sünde beseitigt. Das Gute: Es ist bereits passiert! Und es ist nicht das, was man landläufig unter Buße versteht. Denn der Mensch ist schlichtweg nicht in der Lage, seine Schuld wegzukriegen, auch wenn er sie durch noch so viele gute Werke und Wohlverhalten zu kompensieren versucht oder jahrtausendelang im Fegefeuer schmort. Den einen oder anderen Fehler kann ich sicher wiedergutmachen, aber spätestens dann, wenn jemand durch meine Schuld dauerhaft zu körperlichem oder seelischem Schaden oder gar vorzeitig ums Leben kommt, kann ich nichts mehr korrigieren. Und viele Menschen leiden unter ihrer Schuld und sehen keinen Möglichkeit, sie loszuwerden.

Gut, daß die Bibel eine völlig andere Vorstellung von Buße lehrt! Martin Luther hat sie wiederentdeckt, und daraus ist dann die Reformation entstanden: Ich kann meine Schuld nicht tragen, und ich muß es auch nicht. Das hat jemand anders schon für mich und für jeden erledigt: Gott selbst. Jesus Christus hat durch seinen Tod am Kreuz vor knapp 2.000 Jahren die Schuld aller Menschen aller Zeiten auf sich selbst genommen. Die Sünde, die uns von Gott trennt, hat er beseitigt.

Buße heißt im Wortsinn Umkehr. Jeder, der will, kann zu Gott umkehren. Er bekommt ein festes Fundament für sein Leben bekommen mit Sinn, Ziel, Hoffnung und vor allem der bedingungslosen Grundliebe Gottes – im Leben und durch den Tod hindurch ein tragfähiges Fundament. Damit kann man dann schon so manchen Gegenwind aushalten.

Das ist sehr cool oder, wie es Luther formulierte: »Buße ist ein fröhlich Ding!« Wer in diesem Sinn Buße getan und zu Gott umgekehrt ist, der ist in Kontakt mit Gott und kann mit ihm reden, sprich: beten. Deswegen ist heute ja nicht  nur Bußtag, sondern Buß- und Bettag. Er erinnert uns daran: Gott ist nicht irgendwo ganz weit draußen und auf Distanz, sondern er läßt mit sich reden.

Ein erstes Gebet könnte so aussehen: »Jesus, ich habe keine Ahnung, was das mit dem Beten und der Beziehung zu dir auf sich hat, und ob und wie das funktioniert. Aber wenn es dich gibt, dann will ich dich näher kennenlernen. Danke, daß du alles weggenommen hast, was mich von dir, von Gott trennt! Ich bin gespannt, was nun passiert. Amen.«

Mehr erfahren über Jesus kann man in der Bibel, vor allem im Neuen Testament. Ach ja: Von einem Fegefeuer steht da nichts drin.

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Verbrennen statt verbuddeln – der Atommüll-Antrag der Nuklearia

Geschrieben von Rainer Klute - 2012-11-09

Nuklearia-LogoZwei Anträge hat die Nuklearia an den Bundesparteitag der Piratenpartei gestellt, der Ende November in Bochum stattfindet. Einer der beiden befaßt sich mit dem Thema Atommüll-Entsorgung. Worum geht es da genau?

Eins ist ja bei allem pro und contra Kernenergie unbestritten: Durch den Betrieb der Leichtwasserreaktoren hat sich eine Menge Atommüll angesammelt. Und wenn ich hier von »Atommüll« rede, dann meine ich die hochradioaktiven, langlebigen Abfälle aus abgebrannten Brennelementen. Diese Abfälle machen 98 Prozent der Radiotoxizität aller radioaktiven Abfälle aus. Sie verschwinden nicht, wenn das letzte Kernkraftwerk in Deutschland vom Netz geht. Wir müssen uns also aktiv um eine Lösung kümmern. Das macht der Nuklearia-Antrag.

Was will der Nuklearia-Antrag?

Unser Antrag stellt den Piraten die drei verschiedenen, international diskutierten Möglichkeiten vor, Atommüll zu entsorgen. Die Piraten mögen dann entscheiden, welche Variante (oder welche Varianten) sie bevorzugen beziehungsweise in welcher Variante sie das kleinere Übel sehen.

  1. Modul A: Direkte Endlagerung ist das, was das in Deutschland derzeit geltende Atomrecht für radioaktive Abfälle vorsieht. Der Substanzmix aus den genutzten Brennelementen braucht rund 300.000 Jahre , um auf das Radiotoxizitätsniveau von natürlich vorkommendem Uranerz abzuklingen.
  2. Modul B: Plutonium-Wiederaufarbeitung wird in einigen Ländern praktiziert. Dabei wird das Plutonium aus den abgebrannten Brennelementen für die Herstellung neuer Brennelemente verwendet (PUREX-Verfahren). Das kann man allerdings nicht beliebig oft machen, so daß der Rest dann doch endgelagert werden muß. Insgesamt ergibt sich eine Verminderung der Radiotoxizität um 10 Prozent. In Deutschland ist die Wiederaufarbeitung verboten.
  3.  Modul C: Transmutation wandelt die langlebigen Substanzen in kurzlebige um. Das geschieht in sogenannten Schnellen Reaktoren. Durch die Transmutation geht die Radiotoxizität dramatisch zurück: Das Niveau von Uranerz wird bereits nach 300 Jahren erreicht. Nach weiteren 500 Jahren ist die Radiotoxizität auf 0,01 Promille des Ausgangswertes gefallen. – Außerdem setzt die Transmutation große Mengen Energie frei, die Deutschland jahrhundertelang klimafreundlich mit Strom versorgen könnte. Kein Wunder, enthalten die »abgebrannten« Brennelemente noch gut 96 Prozent ihrer Energie!

Die Teilnehmer des Parteitages können für keines, eines oder mehrere dieser Module stimmen. Mit einer Mehrheit für ein bestimmtes Modul bringt die Piratenpartei zum Ausdruck: Diese Richtung wollen wir bevorzugt verfolgen, beispielsweise durch Forschungsförderung. Eine Priorisierung der Forschungsziele ist wichtig, weil wir jeden Euro nur einmal ausgeben können. Geld, das wir in die Entforschung und Weiterentwicklung der Endlagerung stecken, steht zur Transmutationforschung nicht mehr zur Verfügung – und umgekehrt. – Eins ist jedoch klar: Eine Präferenz für die eine Richtung schließt das Nachdenken, Diskutieren und Forschen in anderen Richtung keineswegs aus.

In welcher Richtung sieht die Piratenpartei denn die besten Erfolgschancen? Das wollen wir mit Hilfe unseres Antrags herausfinden. Die Präferenz der Nuklearia ist klar: Wir plädieren für Transmutation (Modul C)! Wir meinen: Nur so läßt sich das Übel an der Wurzel packen. Und das Beste daran: Das alles ist kein Hirngespinst, das sich irgendwelche abgefahrenen Physiker im Elfenbeinturm ausgedacht haben. Das Verfahren wurde und wird gründlich erforscht und praktisch umgesetzt. Wer mehr darüber wissen will,  sollte sich zum Beispiel die Infos der Nuklearia zum Integral Fast Reactor anschauen und den Links dort folgen.

Einwände

Natürlich gibt es Einwände gegen unseren Antrag:

»Einem Antrag, der von der Nuklearia kommt, werde ich niemals zustimmen!«

Das ist ja mal ein überaus großartiger Grund, der uns der Lösung des Atommüllproblems ganz bestimmt näher bringt!

»Ich will kein Endlager, keine Wiederaufarbeitung und keine Transmutation.«

Klar, es ist dein gutes Recht, keinem der drei Module deine Stimme zu geben. Du mußt dich allerdings fragen lassen: Was willst du denn dann? Wie sieht deine Alternative aus? Was ist dein Lösungsvorschlag? Bloß dagegen zu sein, löst das Problem ja nicht.

Wenn dir keine der Alternativen richtig gut gefällt, kannst du ja immerhin überlegen, was für dich das kleinste Übel ist. Wenn du für diese Variante stimmst, verhinderst du die beiden anderen, die du ja schlimmer findest.

Übrigens: Wer für gar kein Modul stimmt, stimmt damit implizit für Modul A. Denn die direkte Endlagerung ist ja bereits Gesetz. Ablehnung aller Module heißt: Ich sehe keinen Bedarf, irgendetwas zu ändern. Mit der Endlagerung bin ich einverstanden.  Wenn du das wirklich okay findest, dann stimme halt für nichts oder für Modul A.  Wenn du aber etwas ändern möchtest, dann stimme für Modul B (empfehlen wir nicht) oder Modul C (das empfehlen wir).

»Kann man das Zeug nicht rückholbar zwischenlagern, bis irgendwann in der Zukunft eine Lösung gefunden wird?«

Ja, kann man. Und das ist auch gar keine schlechte Idee, zumindest für einige Zeit. Der Antrag »Verantwortungsvoller Umgang mit radioaktivem Material und Atommüll« (PA 208) der Antiatompiraten scheint ja in diese Richtung zu gehen, auch wenn dort der Schwerpunkt eher auf schwach- und mittelaktiven Abfällen liegt.

Wir haben eine solche langfristige Zwischenlagerung aber nicht als Modul D in unseren Antrag aufgenommen, weil es eben nur eine Zwischenlösung ist und keine endgültige. Zwischenlagern ist ja das, was wir zur Zeit machen, denn wir haben kein Endlager, wir haben keine Wiederaufarbeitung, und wir haben keine Schnellen Reaktoren oder subkritischen Transmutationsanlagen.

Allerdings können wir die hochaktiven Abfälle nicht für alle Zeiten zwischenlagern. Neben den Kosten spricht ein physikalisches Argument dagegen: Durch die radioaktiven Zerfallsprozesse steigt der Anteil des spaltbaren Materials mit der Zeit an und macht die Abfälle attraktiv für Bombenbauer. Das spaltbare Plutonium-239 in den abgebrannten Brennelementen ist anfangs mit soviel nichtspaltbarem Plutonium-240 versetzt, daß es insgesamt nicht waffenfähig ist. Das Plutonium-240 zerfällt aber aufgrund seiner kürzeren Halbwertszeit schneller als das Plutonium-239, dessen Konzentration steigt an, und das Plutonium insgesamt wird immer waffenfähiger.

Ein Langzeitzwischenlager, das zur Plutonium-Mine mutiert und aus dem man sich als Staat oder als Terrorist einfach bedienen kann, ist vielleicht doch nicht so prickelnd. Da hätte ein Endlager ohne Rückholoption doch gewisse Vorteile. Denn wenn der Bombenbauer nicht an das Material herankommt, wenn er womöglich nicht einmal weiß, wo es zu finden ist, erschwert das seine Arbeit beträchtlich.

Noch besser wäre es natürlich, das Plutonium von vornherein zu vernichten, denn dann wäre man es endgültig los – siehe Modul C.

»Transmutation erscheint mir fragwürdig. Ich warte lieber auf eine Lösung, die in der Zukunft gefunden wird.«

Auch in fernster Zukunft wird es nur zwei Möglichkeiten geben, mit den langlebigen Stoffen umzugehen:

  • Man läßt sie heil und verwahrt sie sicher für eine sehr, sehr lange Zeit.
  • Man macht sie kaputt und verwahrt die Bruchstücke (Spaltprodukte) für eine vergleichsweise kurze Zeit.

Weitere Möglichkeiten kann es prinzipbedingt nicht geben. Jede wie auch immer geartete Lösung wird die langlebigen Substanzen entweder intakt lassen oder spalten. Innerhalb dieser beiden Lösungsräume kann es unterschiedliche konkrete Lösungen geben: immer bessere, immer sicherere Endlagerungsverfahren oder immer bessere, immer sicherere Schnelle Reaktoren.

Dummerweise fallen kluge Endlagerungsverfahren und pfiffige Reaktorkonzepte nicht vom Himmel. Sie sind Ergebnis harter Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Durch Nichtstun und Abwarten kommen wir nicht weiter. Deshalb müssen wir Geld in die Hand nehmen und in die Forschung investieren. Wir müssen jungen Nuklearwissenschaftlern und Ingenieuren Perspektiven, Projekte und Positionen bieten – und zwar in Deutschland! Und das müssen wir heute tun und nicht irgendwann später!

Wir müssen uns entscheiden, in welche Richtung unsere Forschung laufen soll. Stecken wir das gesamte Budget in die Endlagerforschung? Stecken wir alles in Transmutationsforschung? Fördern wir beides parallel, aber dann zwangsläufig nur halbherzig und mit halbem Budget? Das ist eine politische Entscheidung, die wir gesamtgesellschaftlich treffen müssen. Die Nuklearia lehnt den Lösungsraum Endlagerung ab und plädiert für die Transmutation. Hier sollten wir die bereits vorhandenen Erkenntnisse und Verfahren praktisch anwenden, Erfahrungen gewinnen und darauf aufbauend weitere Lösungen entwickeln!

»Ich halte Transmutation für keine gute Lösung, denn dafür müßte man ja wieder Reaktoren bauen.«

Ja, das stimmt. Das ist die Alternative: Atommüll für 300.000 Jahre sicher verwahren oder neue Reaktoren bauen, um damit das Zeug zu spalten und Energie zu gewinnen.

Aber was für Reaktoren sind das? Es sind völlig andere als die heutigen Leichtwasserreaktoren. Die wesentlichen Eigenschaften in puncto Sicherheit:

  • Flüssigmetallgekühlte Schnelle Reaktoren arbeiten unter Normaldruck und nicht unter dem gewaltigen Überdruck eines Leichtwasserreaktors. Bei einer Beschädigung kommt es nicht zu einer Dampfexplosion, die das Reaktor-Containment hoffentlich auffängt, sondern es läuft lediglich etwas flüssiges Blei oder Natrium aus. Da aber kein Überdruck besteht, beschränkt sich der Schaden auf die Anlage, und der Reaktor behält sein Kühlmittel.
  • Moderne Reaktoren sind inhärent sicher. Das bedeutet, die Sicherheit hängt nicht von entsprechenden Sicherheitseinrichtungen und Notfallverfahren ab, sondern basiert ausschließlich auf den Naturgesetzen. Die haben den Vorteil, nicht auszufallen. Die Anlage wird “walk-away safe”. Das bedeutet: Selbst wenn es zu einem totalen Stromausfall kommt und kein Personal mehr vorhanden ist, bleibt der Reaktor dennoch in einem sicheren Zustand. Das hat man 1986 am Experimental Breeder Reactor II getestet, indem man dem Reaktor unter Vollast die Kühlung abgeschaltet hat.
  • Der Integral Fast Reactor verfügt über eine mit dem Reaktor integrierte Wiederaufarbeitungsanlage. Der Kernbrennstoff muß nicht durch die Gegend gefahren werden, sondern bleibt stets dort, wo er hingehört: in der Anlage.

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